Neues Weiterbildungsangebot
Unternehmensnachfolge studieren

Münster -

Wenn die Leitung eines Unternehmens in jüngere Hände übergeht, ist das ein bisweilen schwieriger Prozess. Ein neues Weiterbildungsstudium, von der IHK Nord Westfalen in Kooperation mit der Universität Münster und der Handelshochschule Leipzig soll Hilfestellung leisten.

Dienstag, 06.10.2020, 21:00 Uhr
Prof. Dr. Stephan Stubner von der Handelshochschule Leipzig (v.l.), WWU-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel unterzeichneten den Kooperationsvertrag für der Weiterbildungsstudium für Unternehmensnachfolger.
Prof. Dr. Stephan Stubner von der Handelshochschule Leipzig (v.l.), WWU-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel unterzeichneten den Kooperationsvertrag für der Weiterbildungsstudium für Unternehmensnachfolger. Foto: Oliver Werner

Betriebswirtschaftslehre kann man vielerorts studieren. Wer aber ein Unternehmen übernehmen und führen will, hat in aller Regel auch einen großen Wissensbedarf. Nils lütke Zutelgte, Juniorchef und Nachfolger der „Isis Ingenieurgesellschaft mbH für Systemtechnik“ in Telgte ist dafür ein gutes Beispiel.

Er ist Nachfolger in der Geschäftsleitung des Familienunternehmens und einer der ersten Anwärter für das neue Weiterbildungsprogramm, das ab dem kommenden Jahr von der IHK Nord Westfalen in Kooperation mit der Westfälischen Wilhelms-Universität und der Handelshochschule Leipzig angeboten wird. Deren Rektoren sowie IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel unterzeichneten am Dienstag in der IHK am Sentmaringer Weg den Kooperationsvertrag für das neue Angebot, das, so Jaeckel, in dieser Form „einmalig in Deutschland“ sei.

Firmen an Jüngere übergeben

Das Thema werde in der Wirtschaftswelt immer drängender, betont Jaeckel. Im IHK-Bezirk agieren 169 000 Unternehmen, 89 000 davon sind familiengeführt. In fast 40 Prozent dieser Familienunternehmen sind laut IHK die jetzigen Firmenchefs 55 Jahre und älter. Die Übergabe in jüngere Hände steht für die näherer Zukunft an. Gleichzeitig erhöhten die Anforderungen der Digitalisierung den Druck, bisher bewährte Geschäftsmodelle zu verändern. Und schließlich gelte heute weniger als in der Vergangenheit der Automatismus, dass das Familienunternehmen auch von der nächsten Generation übernommen werde, so Jaeckel weiter.

Es braucht eine Strategie

An der privaten, nach der Wende unter anderem von Wirtschaftsprofessoren der WWU wiedergegründeten traditionsreichen Handelshochschule Leipzig (HHL), deren Rektor Prof. Dr. Stephan Stubner am Dienstag nach Münster gekommen war, ist das Gebiet der Unternehmensnachfolge schon lange ein Schwerpunkt. „Es gibt bei der Übergabe sehr vieles zu bedenken“, so Stubner: Neben der Digitalisierungsstrategie etwa steuerliche und rechtliche Aspekte. Außerdem, gerade im Fall der Familienunternehmen gehe es auch darum, den individuellen Familienbeziehungen Rechnung zu tragen – und psychologische Strukturen zu berücksichtigen.

Unterstützung von der Uni Münster

Die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster wird bei dem Weiterbildungsstudium vor allem ihren Erfahrungs- und Wissensschatz im Bereich Wirtschaftsinformatik und in der akademischen Weiterbildung einbringen, wie WWU-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels skizzierte. Außerdem verspreche das kürzlich gegründete „Euregio Start-Up-Center“ der WWU die Vernetzung potenzieller Nachwuchs-Führungskräfte.

Genau das erhofft sich auch Nils lütke Zutelgte von dem Weiterbildungsstudium. Ihm ist der Austausch mit anderen Unternehmenschefs wichtig. Bisher sei man im Nachfolgeprozess eher „auf das stille Kämmerlein“ beschränkt gewesen. Jaeckel ist optimistisch: Das könnte sich bald ändern.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7620422?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker