Arbeits-Niederlegungen im Öffentlichen Dienst
Warnstreik: „Doris“ liefert die passende Kulisse

Münster -

Der Himmel ist grau, es regnet unaufhörlich am Donnerstagmorgen. Wetter wie gemalt also – jedenfalls für einen Warnstreik im Öffentlichen Nahverkehr. Denn Tief „Doris“ sorgt dafür, dass offenbar viele Münsteraner und Pendler auf das Auto umsteigen. Die Folge: Auf Einfahrtsstraßen, etwa am Albersloher Weg und der Weseler Straße staut es sich am Morgen kilometerlang.

Donnerstag, 08.10.2020, 17:30 Uhr
Das Gelände der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster an der Rösnerstraße wurde am Donnerstag bestreikt. Die AWM haben angekündigt, die ausgefallenen Touren nachzufahren.
Das Gelände der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster an der Rösnerstraße wurde am Donnerstag bestreikt. Die AWM haben angekündigt, die ausgefallenen Touren nachzufahren. Foto: Björn Meyer

Florian Adler, Pressesprecher der Stadtwerke Münster, fasst am Vormittag zusammen, dass etwa 70 von 160 Bussen im Betrieb seien. Diese würden von Partnerunternehmen gefahren, die sich, trotz Aufruf seitens der Gewerkschaft Verdi, nicht am Streik beteiligt hätten.

Ab Freitagmorgen wieder Normalbetrieb

Die Ringlinie fährt daher am Donnerstag ohne Ausfälle. Auf den Linien 8, 11 und 14 seien dagegen überhaupt keine Busse unterwegs. Auf vielen anderen Linien fallen einzelne Fahrten aus. Viele Bushaltestellen sind dementsprechend leer, das Risiko verspäteter Busse wollen viele offenbar nicht in Kauf nehmen. Erst bei Dienstschluss um 2 Uhr nachts endet der Streik, am Freitagmorgen fahren sämtliche Linien wieder im Normalbetrieb. Nach eigenen Angaben befördern die Stadtwerke aktuell rund 70 000 bis 80 000 Fahrgäste an einem normalen Tag.

Gewerkschaftssekretär Marc Topp kündigt derweil auf dem bestreikten Gelände der Abfallwirtschaftsbetriebe gegenüber unserer Zeitung an, dass es bis zur nächsten Verhandlungsrunde in zwei Wochen zu weiteren Streiks kommen werde. Er bat die Bevölkerung um Verständnis. Die Gewerkschaften fordern 4,8 Prozent mehr Lohn für die kommenden zwölf Monate, mindestens aber 150 Euro. Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass bei vielen Arbeitnehmern der Lohn nicht mehr reiche, um in oder nahe Münster zu wohnen.

Kommentar zum Thema

Feuchte Abhängigkeit

Leere Kassen in Corona-Zeiten gegenüber dem Interesse systemrelevanter Arbeitnehmer hinsichtlich Inflation, steigender Mieten und weiterer Lebenshaltungskosten auskömmlich bezahlt zu werden: Eine Situation, auf die es schon naturgegeben unterschiedliche Sichtweisen gibt. In Zeiten von Kurzarbeit und komplett brachliegenden Branchen, wird jedenfalls kaum jeder Bürger Verständnis für Gewerkschaften und Streikende aufbringen.

Eines zeigt solch ein Warnstreik im Öffentlichen Dienst hinsichtlich des ÖPNV ganz speziell. Die vieldiskutierte Verkehrswende weg vom motorisierten Individualverkehr hin zu Bus und Bahn birgt neben vielen Vorteilen auch Gefahren. Eine ist die Abhängigkeit von für den Einzelnen nicht kontrollierbaren Faktoren. Was passiert etwa, wenn kaum ein Pendler noch ein Auto hat, Bus oder Bahn aber nicht fahren? Die Gewerkschaften stehen hier im Fokus, an Antworten darauf entscheidend mitzuarbeiten – und Bürger und Politik nicht im Regen stehenzulassen.

Von Björn Meyer

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Dabei sei man wegen der Corona-Situation bei Verdi ursprünglich von einer Aussetzung der normalen Tarifverhandlungen ausgegangen. Vorgeschlagen hatte man dagegen einen Kurzläufertarifvertrag verbunden mit einer Einmalzahlung, so Topp. Eine Forderung, die bislang allerdings unerhört blieb.

Abfallwirtschaft ebenfalls bestreikt

Die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster, die am Donnerstag ebenfalls bestreikt wurden, hatten bereits am Mittwoch angekündigt, die ausgefallenen Touren in den kommenden Tagen nachzufahren. Lediglich die auf den Donnerstag terminierten Touren für Sperrgut und Grünabfälle fallen ersatzlos aus, wie Sprecherin Manuela Feldkamp am Donnerstag bestätigte.

Da aufgrund eines Streiks im Nachgang keine Überstunden angeordnet werden dürfen, könne es laut Feldkamp aber vereinzelt bis in die übernächste Woche dauern, bis die Touren allesamt nachgefahren seien. Priorität habe die Restmüllabfuhr, die Nachfahrten der Papiertonnen würden sich dagegen weiter nach hinten ziehen. Die AWM bitten darum, die Tonnen einfach an der Straße stehenzulassen, bis die Abfuhr erfolgt ist.

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