Florian Janssen dankt Helfern im Clemenshospital
Coronavirus-Überlebender zurück auf der Intensivstation

Florian Janssen ist am Freitag zum zweiten Mal in diesem Jahr auf die Intensiv­station des münsterischen Clemenshospitals gekommen. Am 30. Mai war er mit dem Rettungswagen eingeliefert worden und wurde für zweieinhalb Wochen ins künstliche Koma gelegt: Covid-19, sehr schwerer Verlauf. Am Freitag war alles anders.

Freitag, 23.10.2020, 20:29 Uhr
Florian Janssen war an Covid-19 erkrankt und musste im Clemenshospital Münster künstlich beatmet werden. Am Freitag kam er zurück auf die Intensivstation, um sich zu bedanken – unter anderem bei Fachgesundheits- und Krankenpflegerin Carla Mefus.
Florian Janssen war an Covid-19 erkrankt und musste im Clemenshospital Münster künstlich beatmet werden. Am Freitag kam er zurück auf die Intensivstation, um sich zu bedanken – unter anderem bei Fachgesundheits- und Krankenpflegerin Carla Mefus. Foto: Gunnar A. Pier

Die vergangenen Monate sind für den heute 34-jährigen Münsteraner dramatisch verkaufen . Alles begann Ende Mai mit leichten Symptomen – und einem ersten negativen Corona-Test. „Ich war immer vorsichtig und habe mich an alle Regeln gehalten“, sagt er. „Aber ich habe auch gedacht: Wenn es dich mal erwischt, dann bist du halt ein paar Tage ein bisschen krank – mehr nicht.“ Janssen ist Sportler durch und durch, war topfit, trainierte für einen Halbmarathon.

Als der Rettungswagen kam, schaffte er es nicht mehr aus eigene Kraft die Treppe runter.

Künstliches Koma

Im Clemenshospital ging alles ganz schnell. Nachts kam Janssen an – „am Vormittag wurde er schon be­atmungs­pflichtig“, erinnert sich Carla Mefus. Die Fachgesundheits- und Krankenpflegerin wurde zu einer ständigen Begleiterin. „Ich kenne Florian deutlich besser als er mich“, sagte sie augenzwinkernd, als sich die beiden am Freitag wiedertrafen. Denn Janssen wurde wurde ins künstliche Koma gelegt und schlief zweieinhalb Wochen lang.

Da sah die Welt noch anders aus: Als Florian Janssen wieder alleine atmen kann, bittet er eine Schwester, ein Foto von ihm im Intensivbett zu machen.

Da sah die Welt noch anders aus: Als Florian Janssen wieder alleine atmen kann, bittet er eine Schwester, ein Foto von ihm im Intensivbett zu machen. Foto: Privat

Ungewöhnliches Wiedertreffen

„Ich erlebe Patienten ja sonst nur im Akutgeschehen“, berichtete Carla Mefus. Geht es ihnen besser, sieht sie sie selten wieder. Deshalb freue sie sich sichtlich über das ungewöhnliche Wiedertreffen. Sie konnte ihrem ehemaligen Patienten so viel erzählen. „Ich habe keine Erinnerungen an die Zeit zwischen der Einlieferung und dem künstlichen Koma“, sagt Janssen. Nur ein diffuses Bild habe er abgespeichert – mit Carla links vom Bett, zwei Ärzten rechts vom Bett und irgendwelchen orangefarbenen Einweghandschuhen. Dann kamen die Medikamente, die ihm das Bewusstsein nahmen und ermöglichten, dass sein Blut außerhalb seines Körpers mit Sauerstoff angereichert und dann zurück in den Kreislauf geführt wurde. Er bekam verschiedene Medikamente bis hin zu einem Kortisonpräparat.

„Und ich war frisch rasiert“

Nach zweieinhalb Wochen wurde Janssen langsam zurückgeholt. „Ich wusste gleich, wo ich bin“, erinnert sich der Patient. Doch an viel mehr nicht. Da hingen Fotos von seiner Familie am Fußende seines Bettes. „Und ich war frisch rasiert.“ Das Werk von Carla Mefus, die von dem kuriosen Telefonat mit Janssens Eltern berichtet. „Ich musste ja erstmal wissen, ob er sonst einen Bart trägt. Dann könnte ich ihn ja schlecht glatt rasieren.“

Fachgesundheits- und Krankenpflegerin Carla Mefus zeigte ihm die Schutzkleidung, die sie bei der letzten Begegnung noch tragen musste.

Fachgesundheits- und Krankenpflegerin Carla Mefus zeigte ihm die Schutzkleidung, die sie bei der letzten Begegnung noch tragen musste. Foto: Gunnar A. Pier

Plötzlich so hilflos

Fast vier Wochen lang bleibt Janssen nach seinem Koma noch im Clemenshospital. „Ich bin es nicht gewohnt, jemanden um Hilfe zu bitten, das ist eine Schwäche von mir.“ Deshalb sei es ihm besonders schwer gefallen, sich plötzlich die Zähne putzen und das Essen anreichen zu lassen. „Auf der Intensivstation gibst du deine Würde ab“, hätten sie ihm gesagt. „Aber die Pfleger haben mir schnell jede Sorge genommen.“ Bald arrangierte sich der sonst so aktive, der jetzt so hilflos war, mit der ungeliebten Situation.

"Das war relativ knapp"

Inzwischen ist er wieder auf den Beinen, hat eine Reha hinter sich und kommt alleine klar. „Es ist schön, wieder hierher zu kommen, um von Angesicht zu Angesicht Danke zu sagen. Ich habe dem Personal hier mein Leben zu verdanken – das war ja relativ knapp.“

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