Geiselnahme
40-Jähriger stand kurz vor Entlassung aus der JVA Münster

Münster -

Geiselnahme mit tödlichem Ausgang: Die Polizei hat am Freitagmorgen in der Justizvollzugsanstalt in der Gartenstraße einen Geiselnehmer getötet. Der 40-Jährige hatte eine JVA-Angestellte in seine Gewalt gebracht. Schon bald wäre der Mann aus dem Gefängnis entlassen worden.

Freitag, 16.10.2020, 17:05 Uhr aktualisiert: 17.10.2020, 10:23 Uhr
Geiselnahme : 40-Jähriger stand kurz vor Entlassung aus der JVA Münster
Während des rund dreistündigen Einsatzes war die Justizvollzugsanstalt an der Gartenstraße (im Hintergrund) weiträumig abgeriegelt. Die Polizei sperrte unter anderem die Gartenstraße zwischen Ring und Bohlweg. Foto: Matthias Ahlke

Die Nachricht, die die münsterische Polizei am Freitag um 9.49 Uhr auf Twitter verbreitet, fasst das Drama der zurückliegenden drei Stunden mit wenigen, nüchternen Worten zusammen: „Einsatzlage beendet. Geisel unverletzt befreit. Der Täter ist bei dem Einsatz ums Leben gekommen.“ Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, was sich zwischen 6.20 und 9.20 Uhr in der Justizvollzugsanstalt (JVA) an der Gartenstraße abgespielt hat.
Ein 40-jähriger Häftling hatte am Freitagmorgen eine 29-jährige Auszubildende in seine Gewalt gebracht. Während des Polizeieinsatzes wurde der Geiselnehmer von Polizeibeamten erschossen. Seine Geisel blieb nach Angaben der Polizei weit­gehend unverletzt.

Geisel mit Rasierklinge bedroht

Der Tag hat gerade begonnen, als ein 40-jähriger Häftling eine 29-jährige Auszubildende mit Hilfe einer Rasierklinge in seine Gewalt bringt. Um 6.30 Uhr trifft die Polizei vor der JVA ein, riegelt sofort die Gartenstraße und weitere Straßen ab. Das Quartier wird zum Geisterviertel.

Polizei beendet Geiselnahme im Gefängnis

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  • Am Freitagmorgen ist es in der Gartenstraße zu einem Großeinsatz der Polizei gekommen.

    Foto: Martin Kalitschke
  • In der Justizvollzugsanstalt hat es eine Geiselnahme gegeben.

    Foto: Stefan Werding
  • Die Polizei befreite die Geisel, dabei kam es auch zum Schusswaffeneinsatz. 

    Foto: Stefan Werding
  • Der Geiselnehmer kam bei dem Einsatz ums Leben, die Geisel blieb unverletzt.

    Foto: Stefan Werding
  • Die Gartenstraße wurde weiträumig abgesperrt, vom Bohlweg bis zum Ring.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Auch von der Promenade aus gab es am Freitagmorgen kein Durchkommen mehr zur Gartenstraße.

    Foto: Stefan Werding
  • Gegen 9.30 Uhr meldete die Polizei, dass die Lage vor Ort beendet ist.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Einsatzkräfte unterhalten sich nach der beendeten Geiselnahme.

    Foto: dpa
  • Einsatzkräfte unterhalten sich nach der beendeten Geiselnahme.

    Foto: dpa
  • Foto: Matthias Ahlke
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Mann wäre im November entlassen worden

Unterdessen bangt die 29-jährige Geisel im Gefängnis um ihr Leben. Der Häftling fordert einen Hubschrauber, damit er aus der JVA fliehen kann – dabei soll er doch ohnehin am 10. November entlassen werden. Nach Angaben der münsterischen Staatsanwaltschaft hatte der wohnungslose und alkoholkranke Mann 2019 auf dem Gelände der LWL-Klinik in Münster randaliert.

Die Polizei sprach damals einen Platzverweis aus, dem er nicht nachgekommen war. Stattdessen trat er in Richtung eines Beamten. Die Staatsanwaltschaft verhängte eine Bewährungsstrafe. Weil der Deutsche die Bewährungsauflagen nicht eingehalten hatte, musste er für vier Monate ins Gefängnis.

 

Situation war "lebensgefährlich"

Am Freitagvormittag versucht die Polizei, mit dem Geiselnehmer ins Gespräch zu kommen – vergeblich. „Trotz intensiver Kommunikationsversuche gelang es nicht, den 40-Jährigen von der Bedrohung abzubringen“, so der Behördensprecher. Bei den Verhandlungsversuchen bedroht der Täter immer wieder seine Geisel mit der Rasierklinge und kündigt an, die Frau zu töten. Die Polizei nimmt die Situation nach eigenen Angaben als „brandgefährlich, lebensgefährlich war“, wobei der Geiselnehmer einen psychisch unberechenbaren Eindruck mache. Warum er sich nur drei Wochen vor der geplanten Entlassung zu einer solchen Tat hinreißen lässt, sei Teil der weiteren Ermittlungen, so die Polizei.

29-Jährige wird psychologisch betreut

Nach drei Stunden entscheidet sich die Einsatzleitung für einen Zugriff durch SEK-Kräfte. Dabei fällt laut Staatsanwaltschaft der tödliche Schuss. Der Geiselnehmer erliegt noch vor Ort seinen Verletzungen. Sein Opfer übersteht den Einsatz weitgehend unversehrt – von einigen wenigen leichten Verletzungen am Hals abgesehen. Die Frau wird anschließend psychologisch betreut, berichtet ein Sprecher des NRW-Justizministeriums. Gleichzeitig drückt er sein Beileid für den 40 Jahre alten Häftling aus: „Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen.“ Die Geiselnahme bezeichnet er mit Blick auf die kurze Zeit bis zur geplanten Entlassung als „unverständlich“.
Die Polizei richtet noch am Freitag eine Ermittlungskommission beim Polizeipräsidium Dortmund ein, die die näheren Umstände des Zugriffs erhellen soll. Unterdessen wird die Gartenstraße gegen Mittag wieder freigegeben, die Verkehrsbehinderungen rund um den Einsatzort lösen sich rasch auf.

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