Landgericht Münster
Nagelstudio-Prozess: Ein Verfahren soll eingestellt werden

Münster -

In Schubladen, in Sporttaschen, im Auto: Bargeld fanden die Zollermittler in den Nagelstudios im vergangenen November fast überall. Keine Kasse, keine Papiere. Gegen einen der noch fünf Angeklagten soll das Verfahren vor dem Landgericht nun eingestellt werden.

Mittwoch, 21.10.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 21.10.2020, 18:00 Uhr
Vor dem Landgericht wird seit Monaten der Prozess gegen mittlerweile noch fünf Nagelstudiobetreiber aus Münster verhandelt. Es geht unter anderem um illegale Beschäftigung und Steuerhinterziehung.
Vor dem Landgericht wird seit Monaten der Prozess gegen mittlerweile noch fünf Nagelstudiobetreiber aus Münster verhandelt. Es geht unter anderem um illegale Beschäftigung und Steuerhinterziehung. Foto: Pjer Biederstädt

Für einen der vor dem Landgericht Münster angeklagten Nagelstudiobetreiber gab es am Mittwoch eine gute Nachricht: laut Beschluss der Kammer wurde das Verfahren gegen den Mann vietnamesischer Herkunft von der Hauptverhandlung abgetrennt, um dieses am Freitag einzustellen. Voraussetzung sind die Zahlung einer Geldbuße von 3500 Euro sowie die Freigabe von sichergestellten beziehungsweise gepfändeten Vermögenswerten.

Und sichergestellt wurde in dem Nagelstudio am Aegidiimarkt so einiges, wie eine Zollbeamtin schilderte, die bei der Razzia im vergangenen November dabei gewesen war. „Es gab sehr wenig Papier, überhaupt keine Kasse und kein EC-Gerät“, erinnerte sich die 33-Jährige. Dafür aber jede Menge Bargeld: Bei der Durchsuchung wurden Beträge zwischen 100 und 900 Euro gefunden, die unter anderem in einer Schublade sowie im Rucksack des Angeklagten versteckt waren.

Angeklagter lediglich „Strohmann“

Als „Strohmann“ bezeichnete ein Ermittler des Hauptzollamtes den Mann. So habe er sich in einer vorangegangenen Vernehmung auch selbst beschrieben, wie der Beamte schilderte. Er habe zwar eines der Nagelstudios auf dem Papier geführt – die Entscheidungen, die auch die illegalen Machenschaften des Ladens betrafen, hätten aber die beiden als „Strippenzieher“ geltenden Hauptangeklagten getroffen. Das sei unter anderem aus abgehörten Telefongesprächen hervorgegangen, so der Beamte. Der Angeklagte habe sich „immer wieder dagegen aufgelehnt und mehr Entscheidungsbefugnisse gefordert“.

Sehr ähnlich schilderte ein weiterer Ermittler die Situation in einem Studio in Paderborn, das einer der vier weiteren Angeklagten geführt hatte. Auch hier wurden bei dem vom Hauptzollamt Münster koordinierten Einsatz im November Bargeldbeträge in Höhe von gut 19 000 zu Tage gefördert. Als Versteck diente hier das Auto des Mitangeklagten. Das Verfahren gegen ihn und die Hauptangeklagten soll am 28. Oktober fortgesetzt werden.

Seit Monaten wird der Mammutprozess verhandelt. Der 47-jährige Hauptangeklagte, hat bereits gestanden, Mitarbeiter illegal beschäftigt und Steuern hinterzogen zu haben.

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