Opfer erleidet Kieferbruch
Aus Schwulenfeindlichkeit: 24-Jähriger in Münsters Innenstadt verprügelt

Münster -

Am vergangenen Samstag (17. Oktober) kam es in Münsters Innenstadt zu einem schwulenfeindlichen Angriff, bei dem ein 24-Jähriger schwer verletzt wurde. Die Polizei sucht nun Zeugen.

Freitag, 23.10.2020, 14:48 Uhr aktualisiert: 23.10.2020, 19:01 Uhr
Opfer erleidet Kieferbruch: Aus Schwulenfeindlichkeit: 24-Jähriger in Münsters Innenstadt verprügelt
In Münster ist am vergangenen Wochenende ein schwules Pärchen homophob beleidigt worden. Später wurde einer der beiden verprügelt und der Kiefer gebrochen. Foto: dpa (Symbolbild)

Am vergangenen Samstag (17.10.) ist ein Paar händchenhaltend durch Münsters Innenstadt gegangen. Gegen kurz vor 22 Uhr wurden ein 24-jähriger und ein 23-jähriger Münsteraner im Vorbeigehen am Roggenmarkt von einer Gruppe, bestehend aus vier jungen Erwachsenen oder Jugendlichen, homofeindlich beleidigt. 

Als "schwul" und "abartig" beleidigt

"Die Worte 'schwul' und 'abartig' sind gefallen", schildert der 24-Jährige unserer Zeitung. Das habe er nicht einfach so hinnehmen wollen und stellte die Gruppe zur Rede. "Mit genügend Abstand wegen der Infektionsgefahr", berichtet er weiter. Nachdem es zu einem kurzen verbalen Austausch kam, trat einer aus der Gruppe hervor und schubste den 24-Jährigen. Ein Taxifahrer, der in der Nähe stand, sei daraufhin aus seinem Auto gestiegen und habe versucht, die Vierer-Gruppe zu verscheuchen. Infolge dessen wurde nicht nur der Taxifahrer beleidigt, sondern auch dem 24-Jährigen mit der Faust ins Gesicht geschlagen, sodass er sofort bewusstlos zu Boden ging.

Ein Mitglied der Gruppe ließ daraufhin nicht etwa von dem 24-Jährigen ab, sondern trat dem am Boden liegenden Opfer in den Bauch, wie  Zeugen später berichteten. Ob es sich um denselben Täter handelt, der den Faustschlag abgegeben hatte, kann nicht genau gesagt werden. Die Vierergruppe flüchtete daraufhin vom Prinzipalmarkt Richtung Alter Steinweg und Alter Fischmarkt. Der Taxifahrer versuchte die Gruppe zu verfolgen, verlor sie aber schnell aus den Augen.

Der 24-Jährige wurde anschließend in ein Krankenhaus gebracht. Die Diagnose später: Schädel-Hirn-Trauma und Kieferbruch. "Ich kann aktuell auch nicht richtig sprechen", schreibt das Opfer in einer Nachricht an unsere Zeitung. 

Weitere Zeugen gesucht

Die Polizei, die unserer Zeitung den Vorfall bestätigt hat, ermittelt noch. Nach der Vierergruppe wird aktuell gefahndet. Das homophob angefeindete Paar hofft auf die Ergreifung der Täter. Zudem werden auch Kamerabilder aus den anliegenden Geschäften angefragt und ausgewertet.

Der Schläger wird wie folgt beschrieben: Etwa 18 bis 20 Jahre alt, 1,75 bis 1,85 Meter groß, blonde bis dunkelblonde, relativ kurze Haare (Undercut). Er trug eine dunkle Jacke, ist eventuell Kampfsportler, hat ein markantes Gesicht mit ausgeprägten Kieferknochen.

Ein weiteres Gruppenmitglied wird so beschrieben: Etwa 15 bis 18 Jahre alt, relativ pummelig, etwa 1,60 bis 1,75 Meter groß. Zu den beiden anderen Gruppenmitgliedern liegen unserer Zeitung keine genauen Angaben vor. Einer soll allerdings einen Preußen-Münster-Schal oder Tuch getragen haben.

Die Polizei bittet Zeugen, die Hinweise zu der Tat oder der Vierergruppe machen können, sich per Telefon unter der 0251-2750 zu melden.

"Vorher noch nie beleidigt worden"

Der schwer verletzte 24-Jährige berichtet unser Zeitung, dass er es nicht bereut, die Gruppe mit ihren Beleidigungen konfrontiert zu haben: "Ich würde es wieder tun. Immer wieder. Es gibt Dinge, die man als Gesellschaft nicht durchgehen lassen darf." Untätigkeit ist in diesem Zusammenhang ein Problem, sagt der 24-Jährige, der Student ist, aktuell aufgrund seiner Verletzungen aber keine Vorlesungen besuchen kann.

Er selbst treffe sich noch nicht lange mit anderen Männern, sei aufgrund seiner Neigung vorher aber noch nie beleidigt worden. Generell habe er Münster immer als offene und tolerante Stadt wahrgenommen. Erst einmal sei er beim Händchenhalten mit seinem Freund von einem Fremden angesprochen worden. "Ihr Zwei passt richtig gut zusammen", habe dieser nur gesagt. Bis Samstagnacht habe er nur gute Erfahrungen gemacht. Und auch in Zukunft will er wieder händchenhaltend mit seinem Freund durch die Stadt laufen. Er will sich nicht einschüchtern lassen.

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