Prozessauftakt
Münsteraner wegen Mord und Totschlag vor Gericht

Münster -

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 52-jährigen Mann aus Münster vor, im April dieses Jahres im Rahmen einer Wohnungsauflösung und aufgrund von Streitigkeiten über die Eigentumsverhältnisse dem Lebensgefährten seiner kurz zuvor verstorbenen Mutter von hinten mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen zu haben. Jetzt begann der Prozess.

Montag, 26.10.2020, 17:15 Uhr
Prozessauftakt: Münsteraner wegen Mord und Totschlag vor Gericht
Mitte Juni suchte die Polizei im Bereich zwischen Heroldstraße und Bahnstrecke nach einem Tatwerkzeug. Foto: Cengiz Sentürk (Archiv)

Seit dieser Woche verhandelt das Schwurgericht des Landgerichts Münster zwei Kapitalverbrechen – Mord und versuchter Totschlag – , die aufgrund der aufgewendeten Gewalt hervorstechen. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 52-jährigen Mann aus Münster vor, im April dieses Jahres im Rahmen einer Wohnungsauflösung und aufgrund von Streitigkeiten über die Eigentumsverhältnisse dem Lebensgefährten seiner kurz zuvor verstorbenen Mutter von hinten mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen zu haben.

Auch dem Sohn der Nichte des Geschädigten, der dem 77-jährigen zur Hilfe eilte, soll der Münsteraner einen Schlag mit dem Hammer auf den Kopf versetzt und auch noch weiter auf diesen eingeschlagen haben, als der junge Mann bereits zu Boden gegangen war und versucht hatte, sich robbend ins Treppenhaus des Mietshauses in Mecklenbeck zu retten. Durch Fußtritte gelang es dem zweiten Opfer sich zu wehren und dem Angreifer letztlich den Hammer zu entreißen. Die Gefahr war dadurch jedoch noch nicht gebannt.

77-Jähriger starb nach Stichen in den Hals

So soll der 52-jährige aus seiner Wohnung sodann einen Teleskopstab geholt haben, mit dem er dem ersten Opfer noch mindestens einmal auf den Kopf schlug. Anschließend soll der Münsteraner mit einem Messer in die rechte Halsseite des Geschädigten gestochen haben, woran der 77-jährige schließlich verstarb ( wir berichteten ).

Ein mit der vorgeworfenen Rohheit und Grausamkeit in absolutem Widerspruch stehendes Bild eines Angeklagten bot sich jedoch am ersten Prozesstag. Der 52-jährige, machte einen sehr sanften Eindruck. Seinen Werdegang schmückte er immer wieder mit irrelevanten Anekdoten aus und lächelte viel. Insgesamt gestaltete sich die über zweistündige Vernehmung zur Person jedoch eher schwierig.

Gericht kann wirren Ausführungen nicht folgen

So konnte sich der gelernte Lagerarbeiter zwar an die genauen Autofabrikate seiner Eltern erinnern, aber nicht an die Daten und Zeiträume der unterschiedlichsten Arbeitsverhältnisse, die er in seinem Leben eingegangen war. Immer wieder sprang der Münsteraner in der Chronologie seiner Erzählungen um bis zu 15 Jahre und wunderte sich dann, wenn das Gericht seinen Ausführungen nicht folgen konnte. Auffällig war dabei, dass er Vorhaltungen der Kammer, die seine Sanftheit in Frage stellten, wie zum Beispiel eine tätliche Auseinandersetzung mit den Nachbarn oder die Ankündigung gegenüber seinem Fahrlehrer, sich im Straßenverkehr das Leben nehmen zu wollen, relativierte und sozusagen weglachte.

Zu den Vorwürfen hat sich der Angeklagte noch nicht geäußert. Seine Verteidigerin kündigte an, eine Einlassung ihres Mandanten an einem der folgenden Prozesstermine zu verlesen. Die psychiatrische Gutachterin berichtete jedoch, dass der 52-jährige im Gespräch mit ihr angegeben habe, dass er sich zum einen gegen die beiden Männer gewehrt habe und dass es „aufgrund der situativen Konstellation soweit“ gekommen sei. Am 16. November wird der Prozess fortgesetzt.

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