Prozess am Landgericht
36-Jähriger wegen Drogenhandels vor Gericht

Münster -

War es wirklich nur Eigenbedarf? Ein 36-jähriger Drogenkonsument muss sich vor dem Landgericht Münster für den Handel mit Betäubungsmitteln verantworten. Nicht zum ersten Mal...

Donnerstag, 29.10.2020, 12:20 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 12:55 Uhr
Prozess am Landgericht: 36-Jähriger wegen Drogenhandels vor Gericht
Landgericht Münster Foto: pd

Amphetamine, Kokain, Cannabis: Was über 20 Jahre zum Alltag eines 36-Jährigen Münsteraners gehört hat, soll ihm auch finanziell geholfen haben. Für mehrfachen Handel mit Betäubungsmitteln steht er zum wiederholten Mal vor dem Landgericht Münster.

Im Mittelpunkt der Anklage stehen diesmal die Funde einer Hausdurchsuchung im März vergangenen Jahres. Dabei stellten die Beamten der Drogenfahndung nicht nur mehr als 200 Gramm Amphetamin und mehrere Gramm Cannabis sicher. Besonders der Fund von mehreren Messern und einem Elektroschocker im Zimmer des Angeklagten belastet ihn schwer.

30 Gramm Amphetamine in der Woche konsumiert

Vor Gericht erklärte der Angeklagte, die bei ihm gefundenen Drogen dienten ausschließlich zum Eigenbedarf. „Mein Mandant hat in seiner Höchstphase der Abhängigkeit bis zu 30 Gramm Amphetamine in der Woche konsumiert, dazu Cannabis und weitere Drogen“, erklärte sein Verteidiger. Grund für den starken Konsum sei besonders die schwere Vita des Angeklagten: Bereits in seiner Jugend in Polen habe mit 15 Jahren angefangen, von Cannabis und Amphetaminen abhängig zu werden.

Nachdem er bereits in seinem Heimatland straffällig geworden war, sei der Konsum nach der Trennung von seiner ersten Frau und dem gemeinsamen Kind wieder stark angestiegen. Als er dann 2010 mit der Anstellung in einem Schlachthof in Münster nach jahrelanger Arbeitslosigkeit wieder einen Job fand, sei er in ein „tiefes Loch“ gefallen, so die Verteidigung.

Drogen wieder Alltag

Hoffnung auf Besserung hatte der Angeklagte nach eigenen Angaben selbst nur in der kurzen Phase, als er wenige Jahre nach seiner Ankunft in Münster seine zweite Frau kennenlernte, mit der auch ein Kind bekam. Als er 2015 dann aus der gemeinsamen Wohnung  geworfen worden sei, sei seine Vergangenheit – also Drogenkonsum jeglicher Art -  wieder zum Alltag geworden.

Seine Abhängigkeit von mehreren Substanzen – eine so genannte Polytoxikomanie – wurde auch im Gutachten eines Psychiaters bestätigt, den das Gericht um Einschätzung gebeten hatte. „Der Angeklagte hat mehr als die Hälfte seines Lebens in der Sucht verbracht“, hieß es. „Besonders durch die Trennungen und die lange Arbeitslosigkeit befand er sich lange in einem luftleeren Raum, nichts hat ihm im Leben halt gegeben.“

Mildes Urteil?

Diese Einschätzung könnte ihm auch vor Gericht ein milderes Urteil einbringen. So sei es wichtig, den Angeklagten in einem geregelten langfristigen Entzug mit Therapie unterzubringen, hieß es auch vonseiten des Gerichts.

Wie über die gefundenen Drogen, den Vorwurf des Handeltreibens und besonders die Einstufung der Waffen befunden wird, soll Gegenstand einer weiteren Sitzung vor dem Landgericht sein. Besonders der Verbleib eines zweiten, bei einer Verkehrskontrolle des Angeklagten gefundenen Elektroschockers soll dort geklärt werden. Diesen habe der Angeklagte lediglich in seiner weiteren Funktion als „Taschenlampe“ genutzt; die in der Wohnung gefundenen Messer seien Angelutensilien, mit denen er „Würmer aus dem Boden geholt“ habe.

 Fortgesetzt werden soll der Termin am 11. November.

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