„Baggerfly Effect“ im Pumpenhaus
Schräge Figuren in grotesken Geschichten

Donnerstag, 29.10.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 18:07 Uhr
Singen für das Hansaviertel: Ihm widmet das Ensemble am Ende ein Sanskrit-Mantra
Singen für das Hansaviertel: Ihm widmet das Ensemble am Ende ein Sanskrit-Mantra Foto: jas

Der ist auch nicht uninteressant. Als Schaufelbagger spezifiziert er sich, glücklich verheiratet mit einem Lkw. Ursprünglich sei er im Alpenland stationiert gewesen, erzählt er. Aber als er dort versehentlich ein Rathaus zerbaggerte, habe man ihn nach Münster abkommandiert, wo er – ganz im Dienst der Kunst – gerade einen Tunnel zu Sotheby’s in London gräbt.

„Baggerfly Effect – Ein Stück vom Hansaviertel“ wurde von Regisseur André Voß als inklusives Projekt entwickelt und mit professionellen und Laiendarstellern am Sonntag im Pumpenhaus aufgeführt. Über einen Mangel an Fantasie konnte man sich dabei nicht beklagen. Denn neben Bagger und Schmetterling trat noch eine ganze Riege skurriler Personen auf.

Da ist beispielsweise die etwas streunerisch anmutende Plakatkleberin, die alle morgens geklebten Plakate am Abend wieder abreißt, weil sie sich nicht vorschreiben lassen will, worüber sie nachdenken soll. Das setzt sie einem schnieken Börsenmakler auseinander, der sie in seine ebenso schnieke Wohnung einlädt, wo die beiden dann beim Versuch, ein Bild zu malen, eine derartige Sauerei veranstalten, dass die Farbe trotz Coronaabstand bis in die erste Reihe spritzte.

Eine ähnlich ungleiches Paar ist der philosophierende Komponist und die Enten fütternde Konditorin, die in Wirklichkeit eine buddhistische Spezialagentin ist und nur darauf wartet, als Killermaschine aktiviert zu werden.

Und dann gibt es noch eine militante Tierschützerin, die ihre biedere Nachbarin nachts in den Zoo schleppt, um Affen zu befreien. Was leicht aus dem Ruder laufen könnte. Aber Bagger hat alles im Griff.

Charmant abgedrehte Charaktere, groteske Geschichten, absurde Dialoge, und alles mit Witz und Hingabe gespielt: „Baggerfly Effekt“ entpuppt sich als Hommage an das Hansaviertel, wie es jetzt noch ist. Und damit das auch so bleibt, singen am Ende alle: „Lokah Samastah Sukhino Bhavantu“. Das ist, wenn man es googelt, ein Sanskrit-Mantra und heißt so viel wie: „Mögen alle Wesen auf der Welt frei und glücklich sein.“

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