Zeltdorf für Wohnungslose
Obdachlosen-Hilfe zieht nach sieben Monaten um

Münster -

Sieben Monate lang war das Zeltdorf am Albersloher Weg eine Tagesanlaufstelle für Wohnungslose, die in der Corona-Krise noch mehr Probleme haben, als ohnehin. Jetzt wird auch der Zeltplatz abgebaut. Aber: Es wurde Ersatz gefunden.

Freitag, 30.10.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 30.10.2020, 19:36 Uhr
Kurze vor dem Ende der Zeltstadt am Albersloher Weg kamen die Verantwortlichen am Freitag zusammen, um Bilanz zu ziehen.
Kurze vor dem Ende der Zeltstadt am Albersloher Weg kamen die Verantwortlichen am Freitag zusammen, um Bilanz zu ziehen. Foto: kb

Thomas Mühlbauer vom Haus der Wohnungslosenhilfe kann sich noch genau daran erinnern, wie es war, als im März der Lockdown ausgerufen wurde. Von jetzt auf gleich standen Menschen in „prekären Wohnverhältnissen“, wie es im Fachjargon heißt, vor Problemen, die noch größer waren als die, die sie ohnehin schon haben: Wo sich aufwärmen? Wo duschen? Wo etwas essen? Viele Versorgungseinrichtungen, auf die Wohnungslose ansonsten zählen konnten, mussten selbst schließen.

„Corona ist ein riesiges Problem“, so Mühlbauer. Doch Corona weckte auch viele Kräfte, darin waren sich am Freitag die Vertreter vieler sozialer Dienste einig. Sie kamen auf der Freifläche am Albersloher Weg zusammen, wo sieben Monate lang ein Zeltdorf anzutreffen war, das Wohnungslosen als Tagesanlaufstelle diente.

50 bis 120 Bedürftige täglich

Die Stadtwerke stellten das Grundstück zur Verfügung, das Technische Hilfswerk (THW) baute die Zelte auf, und dann ging es los. „Die Adresse hat sich schnell herumgesprochen“, blickte Mühlbauer zurück.

„Etwa 50 bis 120 Menschen pro Tag kamen zu uns“, berichtete Matthias Eichbauer von den Alexianern. „Am Monatsende waren es mehr als am Monatsanfang“, verwies er auf die auch finanziell prekäre Lebenssituation derer, die das Angebot nutzen.

Alle Träger teilten sich die Arbeit, täglich von 10 bis 16 Uhr waren jeweils zwei Hauptamtliche und zwei Ehrenamtliche präsent und koordinierten die konkreten Hilfsangebote, die von den in Container untergebrachten Sanitäranlagen bis zur Essensausgabe in den Zelten reichte.

Vielfach war dabei auch eine psychologische Betreuung erforderlich, wie Susanna Rautland vom Sozialdienst katholischer Frauen bemerkte: „Wir merken, dass viele verunsichert sind. Die Menschen haben Angst vor der Isolation.“ Besonders die Frauen.

Neuer Standort soll bald öffnen

In der kommenden Woche werden die Zelte wieder abgebaut, ein neuer Standort für den Tagesaufenthalt wird in der Sporthalle der früheren Wartburg-Schule am Coesfelder Kreuz geschaffen.

Heinz Lembeck, stellvertretender Leiter des städtischen Sozialamtes, nutzte am Freitag den letzten regulären „Arbeitstag“ im Zeltdorf, um den Beteiligten für die gemeinsam geleistete Arbeit zu danken. Es sei beeindruckend gewesen, wie schnell alle auf die veränderte Situation reagiert hätten. Jetzt, so Lembeck weiter, gehe es darum, eine „witterungsgeeignete Alternative“ zu dem Zeltdorf zu schaffen. Die Sporthalle, die ab dem 3. November geöffnet ist, hat laut städtischer Pressemitteilung einen ganz großen Vorzug: Sie ist groß.

Die Kombination aus Winter und Corona, da waren sich bei dem Pressegespräch am Freitag alle einig, stellt die Wohnungslosen vor riesige Schwierigkeiten. Viele Einrichtungen stehen zwar wieder zur Verfügung, aber die Kapazitäten sind beschränkt, weil die Zahl der Menschen, die sich gleichzeitig in den Räumen aufhalten dürfen, coronabedingt heruntergefahren wird. Gleichzeitig sei schon jetzt festzustellen, dass die Tageseinrichtungen jahreszeitlich bedingt wieder mehr Zulauf erhalten. „Die Zahlen steigen in der kalten Jahreszeit wieder deutlich“, erklärte Benjamin Morise von der Diakonie.

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