Pater Jacques Mourad berichtet über seine Gefangenschaft
„Ich durfte im Dialog den Frieden erleben“

Münster -

Im Mai 2015 wurde sein Kloster in Syrien von IS-Kämpfern überfallen. Pater Jacques Mourad überlebte die anschließende Gefangenschaft – und berichtete nun davon bei einem Gebetsabend in der Überwasserkirche.

Sonntag, 01.11.2020, 14:15 Uhr aktualisiert: 01.11.2020, 14:20 Uhr
Pater Jacques Mourad (l.) berichtete in der Überwasserkirche von seiner Geiselhaft; Antoine Capucci übersetzte.
Pater Jacques Mourad (l.) berichtete in der Überwasserkirche von seiner Geiselhaft; Antoine Capucci übersetzte. Foto: pbm/Ladermann

Dschihadisten des „Islamischen Staates“ (IS) haben ihn entführt, gefangengehalten und monatelang in einem Waschraum eingesperrt. Mehrmals war sich Pater Jacques Mourad sicher, sterben zu müssen. Doch er überlebte – weil er um ein friedliches Miteinander bemüht war, wie es in einer Pressemitteilung des Bistums heißt.

Der syrische Ordensmann berichtete in der Überwasserkirche von seinen Erlebnissen: Bei einem Gebetsabend der Gemeinschaft Emmanuel ließen sich rund 80 Menschen vor Ort und weitere über den Livestream von seinen Erzählungen, die vom syrischen Studenten Antoine Capucci übersetzt wurden, berühren. Mourad, der zur Ordensgemeinschaft „Heiliger Moses von Abessinien“ gehört, war Prior eines Klosters nahe der Stadt Karjatain. Im Mai 2015 wurden er und 250 Mitglieder seiner Gemeinde von IS-Kämpfern entführt.

Langes Gespräch über Religion

Pater Jacques beschrieb das Auf und Ab seiner Gedanken in den ersten Tagen. Als ein IS-Anführer mit drei Dschihadisten zu ihm gekommen sei, dachte Mourad zunächst, die Zeit seines Todes sei gekommen. Der Anführer aber habe die Bewaffneten fortgeschickt und sich beinahe eine Stunde lang mit dem Pater über Religion unterhalten. „Das war der Moment, in dem ich wusste, dass ich nicht zum Tode verurteilt war“, erinnert sich der Pater. „Ich durfte im Dialog den Frieden erleben.“ Mit Hilfe befreundeter Muslime gelang dem Ordensmann schließlich die Flucht. Seine Erlebnisse hat er in dem Buch „Ein Mönch in Geiselhaft“ aufgeschrieben.

Pater Jacques rief in der Überwasserkirche zu Gewaltlosigkeit, Begegnung und Vergebung auf: „Die Liebe und Güte haben am Ende das letzte Wort“, betonte er. Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, der den syrischen Pater begleitete, dankte ihm für sein bewegendes Zeugnis. An Pater Jacques‘ Erfahrungen könne man sehen, welche Bedeutung Dialogbereitschaft und Gewaltlosigkeit haben.

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