Schülerakademie von Franz-Hitze-Haus und Stadt Münster
Die Demokratie in Zeiten der Krise

Münster -

Nicht Konsumenten, sondern Gestalter der Umwelt zu sein – das empfahl Marina Weisband den Teilnehmern der digitalen Schülerakademie. Wer als junger Mensch heutzutage mitmischen will, hat dank der Digitalisierung enorme Möglichkeiten.

Montag, 02.11.2020, 09:30 Uhr
Marina Weisband sprach sich bei der Schülerakademie dafür aus, Schülern mehr Verantwortung für die Gesellschaft zu übertragen.
Marina Weisband sprach sich bei der Schülerakademie dafür aus, Schülern mehr Verantwortung für die Gesellschaft zu übertragen. Foto: Bozi

Die Demokratie in Zeiten der Pandemie: Mit diesem Thema haben sich 20 Schülerinnen und Schüler aus den Oberstufen der münsterischen Gymnasien auseinandergesetzt. Sie nahmen an der Schülerakademie „Dialoge zum Frieden“ teil. Der Studientag, der jährlich von der Akademie Franz-Hitze-Haus in Kooperation mit der Stadt Münster veranstaltet wird, stand in diesem Jahr unter der Überschrift „Der Demokratie auf den Grund gehen“ und fand aufgrund der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie als digitale Veranstaltung statt.

Zu Gast war Marina Weisband, Politikerin, Bloggerin und Buchautorin, die sich dafür aussprach, Schülern mehr Verantwortung für die Gesellschaft zu übertragen. „Lernorte sollen Orte der Selbstwirksamkeit sein, an denen Schülerinnen und Schüler entsprechende Fähigkeiten für die Zukunft und für eine Demokratie lernen sollen“, betonte Weisband. Junge Menschen müssten in Kompetenzen geschult werden wie Kommunikation, Zusammenarbeit, kritisches Denken, Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung. „Es ist eine pädagogische Aufgabe, dass Leute nicht Konsumenten ihrer Umwelt sind, sondern Gestalter“, sagte die Diplom-Psychologin. „Wir sind mächtiger als je zuvor, die Frage ist nur: Was macht die Macht mit uns?“, fragte Weisband. Die Digitalisierung, betonte die Grünen-Politikerin, sei der große Verstärker: „Wenn ich gerne faul und passiv auf dem Sofa herumliege, kann ich mit dem Smartphone besser faul und passiv auf dem Sofa herumliegen. Wenn ich gerne politisch aktiv bin, kann ich mithilfe des Smartphones besser politisch aktiv sein.“

Dr. Philipp Erdmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtarchiv Münster, ergänzte die Ausführungen um die Frage, ob Verschwörungstheorien die Demokratie gefährden. Am Beispiel der Stadtgeschichte Münsters mit seinen Krisen – wie Täuferreich, Hexenprozesse, Cholera-Epidemie und Weltkriege – stellte der Historiker fest, dass der Glaube an Verschwörungen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein fest in der Mitte der Gesellschaft verankert war. Sicherlich seien Verschwörungserzählungen gefährlich, jedoch gefährdeten sie nicht die Demokratie: „Aus historischer Sicht haben sie ihre Blütezeit längst hinter sich.“

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