Oetker schluckt Flaschenpost
Alle Mitarbeiter werden übernommen

Münster/Bielefeld. -

Übernahme-Hammer: Der Oetker-Konzern bestätigte am Montag die Übernahme des Getränke-Lieferdienstes Flaschenpost aus Münster. Den kolportierten Verkaufspreis von einer Milliarde Euro wollte das Familienunternehmen nicht bestätigen, kündigte aber an, alle Mitarbeiter zu übernehmen. Für die könnten nun bessere Arbeitsbedingungen winken, hofft eine Gewerkschaft.

Montag, 02.11.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 18:48 Uhr
Oetker schluckt Flaschenpost: Alle Mitarbeiter werden übernommen
60.000 Getränkekisten liefert Flaschenpost mit seiner Bulli-Flotte nach eigenen Angaben pro Tag aus. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Zuletzt hatte es immer wieder Gerüchte um einen Verkauf von Flaschenpost gegeben, jetzt ist klar: Der Oetker-Konzern, der mit dem Durstexpress erst den Getränkelieferdienst aus Münster kopiert hat, schluckt nun das Vorbild. Entsprechende Verträge seien kürzlich unterschrieben worden, teilte das Bielefelder Familienunternehmen am Montag mit.

Lange zögerten die Verbraucher in Deutschland beim Einkauf von Getränken und Lebensmitteln im Internet. Doch seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie boomt das Geschäft. Oetker sehe für Online-Lieferdienste eine sehr gute Zukunft und habe sich deshalb zum Kauf von Flaschenpost entschlossen, sagte ein Konzern-Sprecher. Den kolportierten Preis von einer Milliarde € wollte Oetker jedoch nicht bestätigen. Man habe Stillschweigen vereinbart, heißt es in einer Erklärung.

Vorerst keine Auswirkungen für die Mitarbeiter in Münster

Erste Eckpfeiler der Übernahme stehen aber bereits: Das Unternehmen werde alle Flaschenpost-Mitarbeiter übernehmen, hieß es auf Anfrage unserer Zeitung. Ebenso sei vorgesehen, dass das neue Unternehmen, das dann zusammen über 36 Standorte in 25 deutschen Städten verfügt, künftig zwei Verwaltungen haben wird, und zwar an den Stammsitzen Berlin und Münster, erklärte der Sprecher. Nach der Freigabe durch die Kartellbehörde und bis zur finalen Entscheidung über die organisatorischen und gesellschaftsrechtlichen Weichen arbeiteten Durstexpress und Flaschenpost unter den bestehenden Firmierungen weiter, aber eben als Partner. Geleitet wird das erweiterte Unternehmen von einem Vorstand, der sich aus der Geschäftsführung von Durstexpress und den Mitgliedern des Flaschenpost-Vorstands zusammensetzt. Letzterer besteht aus Dr. Stephan Weich (Vorsitzender), Christopher Huesmann, Julian Pachta und Niklas Plath. Mit der Umfirmierung der Flaschenpost GmbH in eine Aktiengesellschaft im Jahr 2018 zog sich der Gründer Dieter Büchl in den Aufsichtsrat zurück, dessen Vorsitz er übernahm.

Für den Standort Münster, wo aktuell nach Firmenangaben circa 350 Mitarbeiter im Lager und etwa noch einmal so viele im Headquarter am Sentmaringer Weg beschäftigt sind, habe die Übernahme vorerst keine Auswirkungen. Das tägliche Geschäft laufe vorerst unverändert weiter, teilt Flaschenpost auf Anfrage mit.

Gewerkschaft erhofft sich bessere Arbeitsbedingungen

Die Flaschenpost GmbH wurde im August 2012 von Büchl gegründet – und nach wenigen Monaten wieder eingestellt. Der Grund: zu hohe Nachfrage. 2016 kam der Lieferdienst mit nachgebesserter Logistik zurück und startete durch. Innerhalb von vier Jahren wurde aus dem Start-up in Münster – auch mit Hilfe von Millionen-Investitionen – ein Unternehmen mit mehr als 6000 Mitarbeitern an 23 Standorten in Deutschland.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erhofft sich durch die Übernahme bessere Arbeitsbedingungen für die Flaschenpost-Mitarbeiter und fordert „den Oetker-Konzern auf, mit der NGG einen Tarifvertrag für die Beschäftigten von Flaschenpost abzuschließen“, so Freddy Adjan, stellvertretender NGG-Vorsitzender. Die derzeitigen Eigentümer von Flaschenpost seien bisher dadurch aufgefallen, die Betriebskosten auf dem Rücken der Beschäftigten zu minimieren. Die prekären Arbeitsbedingungen und die schlechte Bezahlung seien immer wieder öffentlich angeprangert worden. Vor allem habe das Unternehmen alles darangesetzt, die Gründung von Betriebsräten zu verhindern, teilte die NGG mit.

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