Kulturbetrieb in Münster wieder im Lockdown
Bangen, hoffen und sich grämen

Münster. -

Wieder Lockdown. Auch und gerade im Kulturbetrieb. Wieder das bange Warten. Wie geht es weiter? Wir haben uns in Münsters Kulturszene umgehört.

Montag, 02.11.2020, 18:50 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 19:34 Uhr
Auch die zuletzt noch wenigen Sitzplätze in den Theatern bleiben nun für vier Wochen leer. Der sogenannte „Lockdown light“ trifft die Kulturbranche hart.
Auch die zuletzt noch wenigen Sitzplätze in den Theatern bleiben nun für vier Wochen leer. Der sogenannte „Lockdown light“ trifft die Kulturbranche hart. Foto: Fabian Strauch

Ganz dicht, halb dicht, fast dicht. Am Tag eins des „Lockdown light“ herrscht bei vielen Kulturschaffenden eine Stimmung, die zwischen Niedergeschlagenheit, Galgenhumor und vorsichtigem Verständnis schwankt. Je nach Betroffenheit und individueller Lage der betroffenen Kultur-Sparte.

Rita Feldmann, Verwaltungsdirektorin des Theaters Münster, hat die mittlerweile 17. Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen verinnerlicht, und da die Stadt Münster bereits zum Wochenende vorgeprescht war, sind bekanntlich seit Samstag die Bühnen geschlossen und die Zuschauer außen vor.

Reiner Privatunterricht offenbar noch möglich

Der Probenbetrieb geht, so Feldmann, nach den entsprechenden Vorschriften, die man noch aus dem Frühjahr kennt, weiter. Feldmann ist sich darüber im Klaren, dass auch die Kollegen aus Theaterleitung, Dramaturgie, die Musiker, Sänger und Schauspieler unter der Situation leiden. Auf der einen Seite wird da noch die Hoffnung genährt, nach vier Wochen neue Wege auf die Bühne zu finden. Doch hinter vorgehaltener Hand herrscht die realistische Befürchtung vor, dass sich in vier Wochen bis zum 30. November eben doch nicht so ganz viel verändern werde. Weihnachtskonzerte zum Fest, Neujahrskonzerte mit Sinfonieorchester und Götz-Alsmann-Band zum Jahreswechsel?

Alles das steht zwar – noch – im Spielplan, aber natürlich weiterhin unter Corona-Vorbehalt. Wie steht das Theater finanziell da? Klar ist nur, dass auch der neuerliche Lockdown ein weiteres garstiges Loch in die Finanzplanungen reißt. Rita Feldmann muss nun bis zum 9. November Anträge beim Land stellen, um an die Fleisch- und Fördertöpfe zu gelangen. Das ist mit einiger Kalkulations- und Wühlarbeit, erschwert durch schönstes Bürokratendeutsch, verbunden. In den Antragsbestimmungen des „Kulturststärkungsfonds des Landes NRW“ steht zum Beispiel dieser köstliche Satz: „Die Höhe einer eventuellen Leistung des Landes wird anhand der verfügbaren Mittel im Rahmen des pflichtgemäßen Ermessens festgestellt und dient im Regelfall der anteiligen Milderung der eingetretenen Härte!“

Mit anderen Worten. Das Land weiß auch noch nicht so genau, wie viel Geld es zur Verfügung hat und wie viel es eigentlich den gebeutelten Kulturinstitutionen spendieren will und kann. Friedrun Vollmer, Direktorin der Westfälischen Schule für Musik in Münster, zeigt vom Grundsatz her Verständnis für die neuerliche Schließung der Musikschulen angesichts alarmierender Pandemie-Zahlen, weist zugleich aber auf Ungereimtheiten zwischen den Bundesländern und dem schulischen Betrieb hin. Während Hessen und NRW bereits die Musikschulen dichtgemacht hätten, seien andere Bundesländer noch nicht so weit. Kurios klingt auch, dass reiner Privatunterricht offenbar noch möglich scheint.

Picasso-Museum verlängert Ausstellung

Zu allem Überfluss gibt es dann auch noch Fälle, in denen ein Musikschullehrer den Musikschul-Schüler nicht, den Privatschüler aber eben doch zu Hause unterrichten darf. Friedrun Vollmer verweist darauf, dass die Musikschule schon in den vergangenen Monaten alle gängigen und wirksamen Hygienemaßnahmen eingesetzt hat. Vom Digital-Tutorial bis hin zu Abstand und Spuckschutz. Wobei das mit dem Digital-Unterricht schon alleine deswegen schwierig sei, weil Tonverzerrungen auftreten und es beim Zusammenspiel wegen Zeitverzögerung kräftig hapert.

Immerhin: Die Regelschulen bleiben ja offen, und die dort angebotenen Musikschulprogramme (in Münster etwa „Jekits“ und „Jekiss“) dürfen dort im Rahmen des vorgegebenen Stundenplans weiter angeboten werden, wie Friedrun Vollmer am Nachmittag nach einer Entscheidung des Städtetags NRW mitteilte.

Die Museen freilich sind wieder geschlossen. Am Wochenende war bereits die Protestnote von 36 Direktorinnen und Direktoren bekannt geworden. Diese fragen, warum Museen schließen müssen, Baumärkte aber weiter munter in Betrieb bleiben.

Das Picasso-Museum in Münster hat unterdessen schon mal ausgleichende Fakten geschaffen und verlängert seine aktuelle Ausstellung „Picasso/Miró – Eine Künstlerfreundschaft“ um vier Wochen bis zum 28. Februar 2021. Damit könnten Gäste ihren Besuch später nachholen, die durch die coronabedingte Schließung die Schau im November nicht sehen können, erklärte das Museum am Montag.

Wie alle anderen Kultureinrichtungen auch, muss das Picasso-Museum seine Pforten aufgrund der neuen Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen bis zum 30. November schließen.

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