Herausforderungen der Corona-Pandemie
Lewe erwartet für Münster „schwierige Wochen“

Münster -

Der Oberbürgermeister rechnet damit, dass Münster schwierige Wochen bevorstehen. Gleichwohl zeigt sich Markus Lewe – ebenso wie der Leiter des Corona-Krisenstabes, Wolfgang Heuer – optimistisch, dass es Münster gelingen wird, die zweite Welle zu brechen. [mit Video]

Dienstag, 03.11.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 03.11.2020, 20:52 Uhr

Innerhalb von nur sieben Tagen hat sich die Zahl der Corona-Infizierten auf 516 verdoppelt – deutlich schneller als bei der ersten Welle im März. „Vor uns liegen sehr schwierige Wochen“, befürchtet Oberbürgermeister Markus Lewe. Auch der Leiter des städtischen Corona-Krisenstabes, Wolfgang Heuer, spricht von einer „besorgniserregenden“ Entwicklung.

Stadt und Polizei verstärken Kontrollen

Gleichwohl zeigten sich die beiden am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz zuversichtlich, dass es Münster gelingen werde, die zweite Welle zu brechen und mit einer deutlich verbesserten Ausgangslage in den Winter zu gehen – wenn alle Bürger an einem Strang ziehen. Heuer rechnet damit, dass die ergriffenen Maßnahmen zur Kontaktreduzierung mit einer zeitlichen Verzögerung von zwei bis drei Wochen wirken werden.

Die Münsteraner ruft er auf, noch einen Schritt weiter zu gehen und sich bei jedem nahen Kontakt zu fragen, ob er nötig sei oder so gestaltet werden könne, dass ein Infektionsrisiko so weit wie möglich ausgeschlossen ist. Die Stadt werde verstärkt die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen kontrollieren – und zwar gemeinsam mit der Polizei. „Die Zeit der Ermahnungen ist vorbei“, stellte Heuer klar.

Bis zu 250 Intensivbetten für Covid-Patienten

Wie der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Norbert Schulze Kalthoff, am Dienstag berichtete, haben sich in Münster inzwischen 80 Praxen niedergelassener Ärzte bereiterklärt, Abstrichtests durchzuführen. Die Krankenhäuser können bis zu 250 Intensivbetten für Covid-Patienten bereitstellen. Und die Corona-Fachstelle im Gesundheitsamt soll in der kommenden Woche auf 103 Mitarbeiter verstärkt werden, die Infektionsketten nachverfolgen sollen.

Damit das Virus nicht auf Pflegeeinrichtungen überspringt, seien deren Konzepte für den Infektionsschutz und den Besucherverkehr aktualisiert worden. Zudem werde in Kooperation mit der Awo eine Isolierstation mit elf Plätzen für die Versorgung pflegebedürftiger Covid-Patienten aus stationären Einrichtungen vorbereitet.

Kommentar: Gemeinsam einsam

Von Ralf Repöhler

Es ehrt ja den Oberbürgermeister, wenn er während des schon zweiten Lockdowns dieses existenzbedrohenden Corona-Jahres das hohe Lied auf Kunst und Kultur anstimmt. „Systemrelevanz“ – das streichelt die Seele der erneut Heruntergefahrenen. Doch eine Schließung der Theater und Museen, Restaurants und Sportstätten – faktisch des gesamten Freizeitbereiches – hält auch Markus Lewe unterm Strich für notwendig.

Denn: Die Lage ist ernst, die Ansteckungsgefahr groß. Die Zahl der Infizierten hat sich in Münster binnen weniger Tage verdoppelt. Die rasante Entwicklung bereitet große Sorgen, das exponentielle Wachstum sei nur wenige Wochen hinter der französischen Katastrophenlage. Der Lockdown, sagt Krisenstabsleiter Heuer, ist die Notbremse. Der jetzt für Münster vermeldete 16. Todesfall führt vor Augen, wie lebensgefährlich Covid-19 bleibt.

Die Münsteraner sind nach dem trügerischen Sommer mit den vollen Biergärten gefragt: Jeder muss sich selbst bei allen persönlichen Kontakten prüfen, ob diese wirklich nötig oder nicht ein zu hohes Ansteckungsrisiko sind. Nur gemeinsam – aber am besten eben doch alleine – können wir die zweite Welle der Pandemie brechen.

...

Die Corona-Krise stelle die Stadt vor immer neue Herausforderungen, so Lewe. So könne es bei Bauprojekten zu Verzögerungen kommen – zum Beispiel, wenn Anhörungen verschoben werden müssen oder Evakuierungsmaßnahmen bei Kampfmittelfunden wegen der aktuellen Kontaktverbote nicht stattfinden können. Bei den Bauarbeiten in den ehemaligen Kasernen liege man aktuell aber noch im Zeitplan.

Pandemie ist auch finanzielle Herausforderung

Eine weitere Herausforderung stellt die Pandemie für die städtischen Finanzen dar. Lewe geht davon aus, dass die Auswirkungen auf die Gewerbesteuer und den städtischen Anteil an der Einkommenssteuer bis 2022 spürbar sein werden. „Vor dem Hintergrund der zweiten Welle haben wir die Erwartung an Land und Bund, nicht nur die Gewerbesteuerausfälle im laufenden Jahr zu kompensieren, sondern auch jetzt schon das Jahr 2021 in den Fokus zu nehmen, um die Kommunen in ihrer Handlungsfähigkeit zu unterstützen“, betonte der Oberbürgermeister.

Ausdrücklich versicherte er am Dienstag noch einmal, dass er sich für Kultur („systemrelevant“) und Gastronomie einsetzen werde. Gespräche seien bereits in Kürze geplant.

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