Aktion von "Querdenken 711" geplant
Schulministerium warnt vor Maskengegnern auf dem Schulweg

Münster -

Das Schulministerium in Nordrhein-Westfalen warnt vor einer geplanten Aktion der Initiative "Querdenken 711". Diese gab Informationen über eine Aktion heraus, bei der Schüler zum Widerstand gegen die Maskenpflicht animiert werden sollten. Später bezeichnete die Initiative die Meldung als Test,  um die interne Kommunikation auf Lecks zu überprüfen.

Donnerstag, 05.11.2020, 17:45 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 17:53 Uhr
Aktion von "Querdenken 711" geplant: Schulministerium warnt vor Maskengegnern auf dem Schulweg
Foto: dpa (Symbolbild)

Das nordrhein-westfälische Bildungsministerium hat die Schulen in dem Bundesland vor Aktionen von Maskengegnern am Montag (9. November) gewarnt. Es gebe Hinweise, dass die Initiative „Querdenken 711“ deutschlandweit an 1000 Schulen „Aktionen gegen die Pflicht zum Tragen der Mund-Nase-Bedeckung durchführen will“, so das Düsseldorfer Ministerium in einer Rundmail an alle Schulen.

„Querdenken 711“ teilte am Donnerstagnachmittag mit, die angebliche Aktion sei nur ein Test gewesen - um die interne Kommunikation auf Lecks zu überprüfen. Das Ministerium blieb dennoch bei seiner Warnung.

Maskengegner wollen Schüler und Eltern ansprechen

Demnach sollen „Querdenken“-nahe Eltern planen, Kinder und deren Eltern auf dem Schulweg anzusprechen und ihnen unwirksame Masken mit dem „Querdenken“-Logo in die Hand zu drücken oder eine CO2-Messung unter den Masken der Kinder anzubieten. Laut Ministerium hat sich die Initiative dafür extra „das besondere Datum des 9. Novembers“ ausgesucht. Auf einer in der E-Mail verlinkten Seite der Bundeszentrale für Politische Bildung wird der „Schicksalstag“ der deutschen Geschichte erklärt, an dem 1938 die Pogromnacht stattfand und 1989 die Mauer fiel.

Schüler sollen gewarnt und aufgeklärt werden

Da aus Sicht des Ministeriums „damit zu rechnen ist, dass Schülerinnen und Schüler und deren Eltern möglicherweise zu Verstößen gegen geltende Rechtsnormen (...) aufgerufen werden sollen, mit denen sie ihre Gesundheit oder die Gesundheit anderer (auch in der Schule) gefährden können“, sollen die Schülerinnen und Schüler im Vorfeld gewarnt und aufgeklärt werden.

Sollten Maskengegner Schulgelände betreten oder Kinder und Jugendliche bedrängen, sollen die Lehrer die Polizei rufen, so das Ministerium.

Bewusste Falschmeldung zur Suche nach einem „Maulwurf“?

„Querdenken 711“-Gründer Michael Ballweg schrieb dagegen in seiner Pressemitteilung am Donnerstag, es gebe keinen entsprechenden Plan für den 9. November. „Bei der Aktion handelt es sich um einen Test unserer Kommunikationsstrukturen. Wir werden immer wieder vor einer Unterwanderung gewarnt, der wir aktiv begegnen und mit Audits entgegenwirken.“ Der angebliche Plan war Mitte November erstmals in einer Kölner Zeitung thematisiert worden. Dort hieß es, dass dem Medium ein detaillierter Plan für die Aktion vorliege, dessen Absender Ballweg sei.

Wenn sich nun herausstellen sollte, dass die vermeintlichen Organisatoren bewusst Falschmeldungen gestreut und damit vielerorts für Verunsicherung gesorgt haben, dann ist diese perfide Methode aufs Schärfste zu verurteilen.

Staatssekretär Mathias Richter

Ob die geplante Aktion tatsächlich nur ein Fake war, blieb zunächst unklar. Das Ministerium blieb bei seiner Warnung, durch die die Schulen „auf den Fall der Fälle vorbereitet“ seien. „Wenn sich nun herausstellen sollte, dass die vermeintlichen Organisatoren bewusst Falschmeldungen gestreut und damit vielerorts für Verunsicherung gesorgt haben, dann ist diese perfide Methode aufs Schärfste zu verurteilen“, so Staatssekretär Mathias Richter.

Das Verhältnis der „Querdenken“-Aktivisten zu den Medien ist komplex. Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz teilte in einer aktuellen Einschätzung mit: „Die ursprüngliche Intention der Proteste, gegen die von staatlicher Seite veranlassten Corona-Maßnahmen zu protestieren, gerät jetzt oftmals in den Hintergrund. Die Proteste werden vielmehr genutzt, um Regierungen und Medien selbst zum "Protest- und Hassobjekt" zu machen.“

Auch Bistum warnt seine Schüler

Auch das Bistum Münster warnte in seiner Rolle als Schulträger vor der deutschlandweiten Aktion. „Wir haben unsere Schulleitungen gebeten, die Schülerinnen und Schüler aufzuklären und auch die Eltern warnend auf das Vorhaben der Initiative hinzuweisen. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass die Schülerinnen und Schüler sich auf dem Schulweg nicht in Gespräche mit Vertretern oder Unterstützern der Initiative verwickeln lassen“, erklärt der Leiter der bischöflichen Schulabteilung, Dr. William Middendorf, in einer Pressemitteilung.

Schülerinnen und Schüler müssten sich an geltende Rechtsnormen wie aktuell die Pflicht zum Tragen eine geeigneten Mund-Nase-Bedeckung in der Schule halten, da sie ansonsten ihre eigene Gesundheit und die Gesundheit anderer gefährden könnten.

Bezirksregierung hat Schulen informiert

Es sei nicht abzusehen, vor wie vielen Schulen im Münsterland Aktionen geplant seien, sagte am Donnerstag Diana Seibert-Tombült, Sprecherin der Bezirksregierung Münster, auf Anfrage unserer Redaktion. Die Behörde geht davon aus, dass alle Schulen im Münsterland am Mittwoch die Rundmail des NRW-Schulministeriums zur "Querdenken"-Aktion erhalten haben. Weitere Nachfragen von Schulen bei der Bezirksregierung zu dem Thema habe es bis zum frühen Nachmittag noch nicht gegeben.

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