Alltag in Corona-Zeiten ermöglichen
„Service-Zeiten für Senioren im Supermarkt testen“

Münster -

Eine „Seniorenstunde“ im Supermarkt und spezielle Mobilitätsangebote für Senioren: Das sind nur zwei von mehreren Vorschlägen, die Dezernent Wolfgang Heuer macht. Es gehe vor allem darum, diese Altersgruppe vor Corona zu schützen.

Donnerstag, 05.11.2020, 20:00 Uhr
Dezernent Heuer kann sich vorstellen, dass Supermärkte bestimmte Zeiten für Senioren reservieren.
Dezernent Heuer kann sich vorstellen, dass Supermärkte bestimmte Zeiten für Senioren reservieren. Foto: dpa

In mehreren europäischen Ländern werden derzeit Sondereinkaufszeiten für Senioren angeboten. Unter anderem in der Türkei, Irland und Norwegen gibt es Supermarktketten, die – in der Regel morgens – für ein bis zwei Stunden nur für Senioren öffnen. Ziel ist es, diese besonders von einem schwerwiegenden Corona-Verlauf bedrohte Altersgruppe vor einer Ansteckung zu schützen – und den Menschen zugleich den gewohnten Alltag zu ermöglichen.

Eine „Seniorenstunde“ im Supermarkt kann sich Wolfgang Heuer auch für Münster vorstellen. Man könne das durchaus mal ausprobieren, meint der Ordnungsdezernent – und unterstreicht zugleich, dass es sich dabei nur um freiwilliges Angebot handeln könne. So könnten Senioren weiter am Leben teilnehmen – statt zu Hause zu vereinsamen.

Heuer: „Es geht um Teilnahme und Schutz“

„Das hört sich charmant an“, sagt Karin Eksen, Geschäftsführerin des Handelsverbandes Westfalen Münsterland. Die Durchführung hält sie jedoch für schwierig. „Man kann anderen Kunden nicht einfach sagen, dass sie gerade nicht in den Supermarkt dürfen.“ Ihr Tipp: Senioren sollten zu Zeiten einkaufen, wenn ohnehin wenig los ist – und sich bei Beratungen, die länger dauern, telefonisch erkundigen, wann sie am Besten vorbeischauen sollten.

Für Heuer steht auf jeden Fall fest, dass für Senioren mehr getan werden muss als jetzt, damit sie sicher durch die Pandemie kommen. „Es geht um Teilnahme und Schutz“ – Isolation bezeichnet er als „unethisch“. Auch die Mobilität älterer Mitbürger müsse weiter gewährleistet sein. Zwar seien viele Busse aktuell leerer als sonst – dennoch scheuten sich Ältere oft, sie zu benutzen. Heuer regt an, dass die Stadtwerke intensiv kommunizieren, wann in den Bussen wenig los ist. Zudem sollte über Angebote für alte Menschen bei Taxi und Loop nachgedacht werden. „Ziel muss es immer sein, Mobilität und maximale Sicherheit vor Ansteckung zu verbinden.“

Stadtwerke verweisen auf Zehn-Minuten-Taktung

Stadtwerke-Sprecher Florian Adler weist darauf hin, dass gerade zwischen 9 und 12 Uhr in vielen Bussen weniger los sei. „Ist ein Bus voll, kann man den nächsten nehmen, schließlich gibt es auf vielen Strecken den Zehn-Minuten-Takt.“

Heuers Appell umfasst weitere Bereiche, damit Senioren im Alltag möglichst sicher sind. „Ich würde mich freuen, wenn in Münster in noch mehr Nachbarschaften als bisher bewusst der Blick auf die alten Menschen gerichtet und Hilfe unter Corona-Bedingungen organisiert würde“ – wie Einkäufe erledigen, aus der Zeitung vorlesen, Behördengänge vorbereiten. Gegen Isolation helfe auch digitale Kommunikation: „Hier ist manchmal nur eine kleine Hilfestellung nötig, um mit den Techniken klarzukommen.“

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