Präsenzunterricht ab Montag wieder erlaubt
Klavierlehrer aus Münster sorgt für Freude bei Musikschulen

Münster -

Klavier- oder Geigenunterricht nur digital? Das sah die Corona-Schutzverordnung bislang vor. Doch ab Montag (9. November) geht mehr. Das haben die Musikschulen unter anderem einem Klavierlehrer aus Münster zu verdanken. 

Donnerstag, 05.11.2020, 18:50 Uhr
Lars Motel übt am Donnerstagvormittag in kleiner Gruppe in der Wartburgschule. Thomas Reckmann hat mit seinem Anstoß, den Ministerpräsidenten ins Grübeln gebracht.
Lars Motel übt am Donnerstagvormittag in kleiner Gruppe in der Wartburgschule. Thomas Reckmann hat mit seinem Anstoß, den Ministerpräsidenten ins Grübeln gebracht. Foto: Oliver Werner

Beethovens Ode an die Freude dürfte die Stimmungslage von Thomas Reckmann musikalisch wohl am besten wiedergeben. Der Klavierlehrer der Westfälischen Schule für Musik jubelt über eine „Initialzündung“, wie er sagt. Denn das Land hat die jüngste Corona-Schutzverordnung mit Blick auf die Musikschulen überarbeitet. Präzise Festlegungen durch die Stadt erfolgten am Donnerstagnachmittag.

Reckmann darf demnach ab Montag wieder dort Einzelunterricht am Klavier erteilen, wo Stunden zuvor ohnehin 30 Kinder in einem Klassenraum zum Unterricht zusammengesessen haben. „Ich war so frustriert, aber jetzt geht es wieder los“, erklärt der 59-Jährige, der sich bereits auf viele Wochen Online-Unterricht wie im Frühjahr eingestellt hatte.

Den Ministerpräsidenten ins Grübeln gebracht

Ein wenig hat Reckmann wohl selbst dazu beigetragen, dass die Musikschulen in Nordrhein-Westfalen, die anders als etwa in Bayern oder Niedersachsen zunächst ihren Betrieb wegen des Lockdowns weitgehend einstellen mussten, aufatmen können. Denn der Klavierlehrer brachte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet mit Blick auf das Verbot für seine Zunft ins Grübeln.

In einer Corona-Fragestunde im WDR-Radio wies Reckmann Anfang der Woche den Landeschef auf Ungereimtheiten hin. Und Laschet versprach, „dass ich mir das noch mal ganz genau anschaue“. Was offensichtlich zeitnah geschehen ist.

So schnell – das hat mich überrascht.

Thomas Reckmann

„So schnell – das hat mich überrascht“, entfährt es Reckmann, der wie seine rund 175 Kollegen von der städtischen Musikschule wieder Unterricht für Einzelschüler und in Zweigruppen geben dürfen – natürlich unter Berücksichtigung der Hygiene- und Abstandsregeln, aber vermutlich zur Freude von rund 7000 Schülerinnen und Schülern.

Zufrieden mit dem Kursschwenk des Landes zeigen sich auch die privaten Musikschulvereine, von denen es vier in Münster gibt. „Wir sind froh, dass wir wieder mit bis zu zweiköpfigen Gruppen und nötigem Abstand unterrichten können“, berichtet etwa Anneliese Janning, Geschäftsführerin der Nienberger Einrichtung mit rund 1150 Schülern.

Kombination aus Präsenz- und Digitalunterricht

Was für die Erlaubnis von Musikunterricht spricht, verdeutlicht Lars Motel. Der stellvertretende Leiter der Westfälischen Schule für Musik spielt auf die Kooperationen seiner Einrichtung mit den allgemeinbildenden Schulen im Vormittagsunterricht an. Schließlich seien dort einige Angebote noch möglich gewesen.

Jetzt sind für die Musikschulen weitere Türen geöffnet: Ab Montag kann zunächst bis zum Monatsende der Unterricht als Kombination von Präsenz– und Digitalunterricht erfolgen. Zugelassen sind vor Ort maximal Zweiergruppen mit Lehrkraft. Bei größeren Gruppen wird ein geteilter Präsenzunterricht stattfinden, wie es heißt. Angebote der Musikschulen in Kooperation mit allgemeinbildenden Schulen – wenn sie in festen Lerngruppen erfolgen – seien möglich.

Keine Chane für Ensembles, Bands und Orchester

Aber nicht alle Musikfreunde haben Glück: Ensemble, Bands und Orchester werden ausnahmslos nicht in Präsenz unterrichtet, so die Stadt. Der Musiktheorie-Unterricht wird ausschließlich digital abgehalten. Elementare Musikpädagogik außerhalb von Kindergärten findet nicht statt. Auch Chöre müssen stummbleiben. Zu den nicht stattfindenden Angeboten sind laut Stadt grundsätzlich Gebührenerstattungen geplant.

„Mit diesen Festlegungen kann einerseits der Musikunterricht in nennenswertem Umfang auch als Präsenzunterricht stattfinden“, begrüßt Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer das Konzept, „anderseits wird durch die klaren Einschränkungen dem Infektionsschutz ausreichend Rechnung getragen.“

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