Corona-Schutzmaßnahmen
Warum Weihnachtsgottesdienste für Kirchen so wichtig sind

Münster -

„Herbei, O ihr Gläubigen!“ - das sagen die Kirchen besonders zu Weihnachten, obwohl die Politik empfiehlt, auf Versammlungen aller Art so weit es geht zu verzichten. Doch das populäre Weihnachtsfest steht für die austrittsgeplagten Kirchen nicht zur Debatte.

Samstag, 07.11.2020, 14:00 Uhr
Weihnachten ohne „Stille Nacht, heilige Nacht“? Für viele undenkbar. Dabei soll in den Kirchen zurzeit möglichst wenig gesungen werden.
Weihnachten ohne „Stille Nacht, heilige Nacht“? Für viele undenkbar. Dabei soll in den Kirchen zurzeit möglichst wenig gesungen werden. Foto: Michael Kappeler

Noch sieben Wochen bis Weihnachten. Theoretisch eine lange Zeit der Vorfreude – praktisch eine kurze Frist, um zu entscheiden, wie das Fest gefeiert werden kann. Und ob überhaupt.

Die Kirchen sind in einer Zwickmühle. Einerseits froh, dass ihnen – anders als beim ersten Lockdown im Frühjahr – die Möglichkeit zu öffentlichen Gottesdiensten nicht völlig genommen wurde; schließlich ist das Recht auf „ungestörte Religionsausübung“ im Grundgesetz verankert. Andererseits besorgt, ausgerechnet ihren Gottesdiensten könnte der Vorwurf gemacht werden, zur Verbreitung des Corona-Virus beizutragen. Und zwar gerade an Heiligabend – dem einzigen Tag des Kirchenjahres, an dem regelmäßig mit gefüllten, ja sogar überfüllten Kirchen gerechnet werden muss.

Populärstes Fest

Das macht das Fest für die Kirchen so wichtig: Sie erreichen zu Weihnachten Menschen, die sonst für Gottesdienste nicht zu gewinnen sind. Und anders als in früheren Jahren, wo sogenannte „Weihnachtschristen“ sich auf scharfe Ansprachen gefasst machen mussten, werden die Kirchenfernen heute herzlich begrüßt. Dass irgendjemand ausgerechnet zu Weihnachten zurückgewiesen werden müsste, ist für die austrittsgeplagten Kirchen eine unerträgliche Vorstellung.

Weniger Gottesdienstbesuch

Dies umso mehr, als der Gottesdienstbesuch insgesamt im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit auch in Münster offenbar nachgelassen hat. Wobei nicht klar ist, ob die Menschen eher aus Sorge vor Ansteckung fernbleiben oder weil ihnen die Gottesdienste unter Corona-Auflagen schlicht zu unpersönlich sind. Desinfektion, Distanz, Maske, Kürze, kein oder nur wenig Gesang: Hygienische Gottesdienste sind gewöhnungsbedürftig. Deshalb also ein ungewöhnlich breites Weihnachtsangebot – und die Neigung, selbst im unberechenbaren Dezember an der frischen Luft zu feiern, wo alles ein bisschen unkomplizierter ist als im geschlossenen Raum.

Die Gemeinden fahren mit ihrer Planung auf Sicht. Auch der schlimmste Fall – eine verschärfte Infektionslage, die öffentliche Gottesdienste unmöglich macht – ist nicht vom Tisch. In diesem Fall bliebe wohl keine andere Wahl, als online zu feiern. Wie Ostern.

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