Tascon bereitet Unternehmensnachfolge vor
„Es geht um Detektivarbeit“

Münster -

Frauen sind in MINT-Berufen nach wie vor eher die Ausnahme. Eine solche stellt allerdings Birgit Hagenhoff dar. Die Physikerin hat ihr Unternehmen vor 23 Jahren „Tascon“ in Münster gegründet und sucht seitdem in Oberflächen nach Fehlern. Nun hat sie eine Nachfolgerin aus den eigenen Reihen gefunden.

Mittwoch, 11.11.2020, 11:00 Uhr
Teilen sich in Zukunft die Geschäftsleitung bei Tascon: Dr. Danica Heller-Krippendorf (l.) und Gründerin Dr. Birgit Hagenhoff.
Teilen sich in Zukunft die Geschäftsleitung bei Tascon: Dr. Danica Heller-Krippendorf (l.) und Gründerin Dr. Birgit Hagenhoff. Foto: Joel Hunold

Vor 23 Jahren hat Birgit Hagenhoff „Tascon“ gegründet. Das Unternehmen, welches mittlerweile 20 Mitarbeiter beschäftigt, analysiert fehlerhafte Oberflächen – etwa wenn ein Autolack kleine Bläschen wirft oder die Beschriftung an einem Bierglas nicht hält – und sucht die Ursache des Fehlers. „Wir sind die Rechtsmedizin für Materialien“, erläutert die gelernte Physikerin Hagenhoff und ergänzt, es gehe dabei um Schnelligkeit. Solange ein Fehler nicht gefunden wird, müsse oft die gesamte Produktion der Kunden still stehen.

Dass sie als Frau sowohl Geschäftsführerin als auch Gesellschafterin eines Unternehmens ist – dazu in einem naturwissenschaftlich geprägten Feld – hält sie für „nach wie vor für ungewöhnlich“. Doch bereits von ihrer Mutter, die ein Floristikgeschäft betrieben hat, habe sie die „grundlegenden Kenntnisse“ der Unternehmensführung erfahren.

Frauen, sagt sie, „machen sich im Mittel mehr Gedanken über die Folgen ihres Handels und haben dadurch eher die Risiken im Blick“. Allgemein sei sie eine eher vorsichtige Kauffrau, doch davon profitiere das Unternehmen aktuell in der coronabedingten Krise. Hinzu kommt: „Wenn man als Frau anderen mal was deutlich macht, trauen die sich nicht, Widerworte zu geben“.

Seit Anfang November hat Hagenhoff Unterstützung an ihrer Seite: Die 32-jährige Danica Heller-Krippendorf, ebenfalls gelernte Physikerin, wurde zur Mit-Geschäftsführerin berufen. Heller-Krippendorf hat bei Tas­con promoviert und kehrt, nachdem sie zunächst als Analyse-Ingenieurin bei Infineon im Sauerland gearbeitet hat, nun nach Münster zurück.

Langfristig soll sie die Geschäftsführung übernehmen. „Ich bin in der komfortablen Situation, dass es erstmal kein Ersetzen ist und es hier ideale Startbedingungen gibt, um da reinzuwachsen“, sagt sie mit Blick auf ihre neuen Aufgaben. Den Schritt, weg vom Groß- hin zum Kleinunternehmen, findet sie spannend. „Es ist einzigartig, dass hier so spezialisiert gearbeitet wird“.

Zudem reize sie die Vielfalt der zu findenden Fehler: „Es geht im Prinzip um Detektivarbeit“.

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