Prozess wegen versuchten Mordes an Vorgesetztem
Schwer nachvollziehbares Verhalten

Münster -

Dritter Verhandlungstag: Im Prozess gegen die 34-jährige Münsteranerin, die versucht haben soll, ihren Vorgesetzten mit einem Handbeil zu ermorden, stellte sich die Angeklagte am Mittwoch den Fragen des Gerichts. Ihre Aussagen boten Raum für Zweifel.

Mittwoch, 11.11.2020, 17:20 Uhr aktualisiert: 11.11.2020, 17:38 Uhr
Das Strafverfahren richtet sich gegen eine 34 Jahre alte Frau aus Münster (2.v.l., hier beim Prozessauftakt). Diese soll am 3. Mai 2020 versucht haben, ihren direkten Vorgesetzten zu ermorden.
Das Strafverfahren richtet sich gegen eine 34 Jahre alte Frau aus Münster (2.v.l., hier beim Prozessauftakt). Diese soll am 3. Mai 2020 versucht haben, ihren direkten Vorgesetzten zu ermorden. Foto: Pjer Biederstädt

Am dritten Verhandlungstag im Prozess gegen die 34-jährige Münsteranerin, die versucht haben soll, ihren Vorgesetzten mit einem Handbeil zu ermorden , um Diebstähle und Urkundenfälschung zu vertuschen, stellte sich die Angeklagte erstmals persönlich den Fragen des Gerichts.

Angeklagte sagt aus

Während der über zweistündigen Befragung blieb die Angeklagte bei ihrer Version: Sie habe die Waren aus dem Lager des Spielwarengeschäfts, in dem sie arbeitete, nicht gestohlen, sondern der Lagerleiter habe ihr diese überlassen. „Warum soll er das getan haben?“, ließ die Vorsitzende Richterin erste Zweifel durchblicken. Antwort der Angeklagten: Dadurch habe sich ihr Vorgesetzter in seiner Position stark gefühlt.

Für die Vorsitzende Richterin ebenfalls schwer nachzuvollziehen: Warum hat die Angeklagte alle Chancen verstreichen lassen, ihren damaligen Chefs oder der Polizei, die inzwischen wegen Hehlerei gegen sie ermittelte, von dem Schreiben des Lagerleiters, in dem er das Überlassen der Waren zugibt und das er angeblich unterschrieben haben soll, zu erzählen und so alle Vorwürfe auszuräumen? Sie habe erst einmal abwarten wollen, so die Angeklagte.

Geschäftsleiterin im Zeugenstand

Im Zeugenstand sagte die Geschäftsleiterin des Kinderspielwarenladens, dass man der Angeklagten bezüglich der Diebstahl-Vorwürfe mehrfach das Gespräch angeboten habe. „Wir hätten doch eine Lösung gefunden.“ Sie sei aber nicht darauf eingegangen. Stattdessen kam es zur Eskalation zwischen der Angeklagten und ihrem Vorgesetzten. Sie sagt, er habe sie zuerst mit einem Messer attackiert, er sagt, sie habe ihn zuerst mit dem Beil attackiert. Mordversuch oder Notwehr? Die Suche nach Antworten setzt das Gericht am Freitag (13. November) fort.

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