Prozess um versuchten Mord
Gutachten: Zuerst mit Beil attackiert

Münster -

Eine 34-Jährige soll im Mai versucht haben ihren Chef mit einem Beil zu ermorden. Am dritten Prozesstag standen die Analysen mehrerer Sachverständiger im Fokus. Besonders ein Punkt spricht dabei für die Angeklagte.

Freitag, 13.11.2020, 19:30 Uhr aktualisiert: 13.11.2020, 20:33 Uhr
Das Strafverfahren richtet sich gegen eine 34 Jahre alte Frau aus Münster (2.v.l.) – hier beim Prozessauftakt –, die versucht haben soll, einen Mann zu ermorden.
Das Strafverfahren richtet sich gegen eine 34 Jahre alte Frau aus Münster (2.v.l.) – hier beim Prozessauftakt –, die versucht haben soll, einen Mann zu ermorden. Foto: Pjer Biederstädt

Der dritte Prozesstag am Landgericht rund um eine 34-Jährige, die ihren Vorgesetzten im Mai versucht haben soll mit einem Beil zu ermorden, um Diebstahl und Urkundenfälschung zu vertuschen, brachte gemischte Erkenntnisse hervor.

Im Mittelpunkt standen die Aussagen mehrerer Sachverständiger. Ein Rechtsmediziner erläuterte, der attackierte Vorgesetzte habe sechs nahe beieinander liegende Platzwunden am vorderen Kopf durch das Beil erlitten. Das spreche gegen eine „dynamische Kampfsituation“ – die Angeklagte behauptet, ihr Vorgesetzter habe sie zuerst mit einem Messer attackiert – sondern für eine Attacke ihrerseits, auf die er nicht vorbereitet war. Sie soll ihn mit dem Beil attackiert haben, als er sich gebückt die Spüle in ihrer Wohnung anschaute.

Zweifel an Fälschung

Ein psychiatrischer Gutachter erklärte, die Angeklagte habe sich in einer ausgesprochen problematischen Lebenssituation befunden – sie hatte hohe Schulden, weshalb sie Spielzeug aus dem Lager ihres Arbeitgebers geklaut und über ihre Schwester bei Ebay verkauft haben soll – doch sie habe keine psychische Störung, nichts spreche für eine verminderte Schuldfähigkeit.

Daneben äußerte sich ein Schriftsachverständiger zur Unterschrift unter einem Dokument, laut dem der Vorgesetzte der Angeklagten das geklaute Spielzeug überlassen habe. Ihr Chef behauptet, seine Unterschrift sei gefälscht worden. Dem Sachverständigen nach sei es aber wahrscheinlicher, dass die Unterschrift vom Vorgesetzten stammt, auch wenn er eine Fälschung nicht ausschließen könne. Ehemalige Mitarbeiterinnen der Angeklagten erläuterten außerdem, dass es auf der Arbeit meistens keine Geschenke oder Überlassungen gab.

Richterin glaubt der Angeklagten nicht

Die Vorsitzende Richterin legte der Angeklagten nahe, die Tat zuzugeben. „Wenn es eine Reißleine zu ziehen gibt, dann nutzen sie diese Chance.“ Obwohl die Verteidigerin sich Zeit erbat, um dies mit der Angeklagten zu besprechen, blieb diese bei ihrer Position. Am kommenden Freitag stehen die Schlussplädoyers an.

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