Gefällte Bäume
Kritik an Kahlschlag am ehemaligen RWE-Areal

Münster-Mecklenbeck -

Der Unmut ist groß: Mit einer umstrittenen Kahlschlag-Aktion ist ein münsterisches Immobilien-Unternehmen in der Bürgerschaft auf heftige Kritik gestoßen.

Donnerstag, 26.11.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 27.11.2020, 06:44 Uhr
Kahlschlag: So sieht es derzeit rund am das ehemalige RWE-Gebäude an der Weseler Straße aus.
Kahlschlag: So sieht es derzeit rund am das ehemalige RWE-Gebäude an der Weseler Straße aus. Foto: Oliver Werner

Die illegale Fäll- und Rodungsaktion am ehemaligen RWE-Areal an der Weseler Straße sorgt bei etlichen Bürgern für große Verärgerung: Manch einer ist wütend darüber, dass auf städtischem Terrain – wie berichtet – rund 50 wertvolle Bäume und Sträucher unrechtmäßig der Säge zum Opfer fielen. Von einer „rücksichtslosen Baumfällaktion“ und „Naturvernichtungswahn“ ist die Rede.

Großangelegte Aktion sei ein Skandal

Leser Stefan Körner schickte der Redaktion gleich zwei E-Mails, in denen er seiner Verärgerung über das Geschehen Luft macht. Die großangelegte Aktion, die im Auftrag der Immobilien-Firma „Areo“ auf dem RWE-Grund sowie dem angrenzenden städtischen Terrain durchgeführt wurde, sei ein „Skandal“, meint Körner. Wie könne man „in der heutigen Zeit, mit immer heißeren Stadt-Sommern, Insektensterben, Vogelschwund,  schrumpfenden Grünflächen und CO-Notstand, noch eine solche Vernichtungsaktion auf Tausenden Quadratmetern“ vornehmen, fragt er mit Blick auf die Firma „Areo“ und deren Projektleiterin. Zumal diese auch noch versucht habe, die Rodungs- und Fällaktion als „Park für die Bevölkerung“ schönzureden.

Nicht minder kritisch bewertet Frank Bürgel die Abholzungsaktion an der Weseler Straße. Er spreche als Privatmann, sagt der Vize-Vorsitzende des Mecklenbecker Bürgervereins, wisse aber, dass viele Nachbarn entsetzt darüber seien, welcher Kahlschlag dort betrieben worden sei. Er hoffe darauf, dass zeitnah geklärt werde, wie es zu der umfangreichen Baumfällaktion kommen konnte. Von alteingesessenen Mecklenbeckern habe er erfahren, dass unter anderem auch alte Trauerweiden aus dem Bestand des einstigen Hofes Kappenberg beseitigt worden seien, was manch einer sehr bedauere.

Verständigt hat Frank Bürgel angesichts der umstrittenen Rodungen GAL-Ratsfrau Leandra Praetzel, die ihm zusagte, sich des Themas anzunehmen. Er hofft, dass für die gefällten Bäume, die fürs Stadtklima und nicht zuletzt auch für die Insektenwelt von Bedeutung sind, ein Ausgleich geschaffen wird – sprich Neupflanzungen vorgenommen werden.

Firma "Areo" meldet sich zu Wort

Im Auftrag der Firma „Areo“ meldete sich am Donnerstag Dr. Ingo Minoggio zu Wort: Dem Immobilienunternehmen sei es allein darum gegangen, das Grundstück an der Weseler Straße besser zu kultivieren und den früheren, parkähnlichen Eindruck wieder herzustellen, nach jahrelang unterlassener Pflege durch den Voreigentümer, so der Rechtsanwalt in einer Pressemitteilung. Bedauerlicherweise seien dabei Grundstücksgrenzen irrtümlich nicht eingehalten worden.

Die Baum- und Strauchbeschneidung sei durch ein langjährig tätiges, zertifiziertes Fachunternehmen vorgenommen worden. Dabei sei es im Wesentlichen um „den durch die Trockenheit der letzten Zeit angegriffenen Birkenbestand, Maßnahmen nach Borkenkäferschaden und auch teilweise um Erledigung von Verkehrssicherungspflichten“ gegangen, erläutert Minoggio. Sei Schaden an fremden Eigentum und der Natur entstanden, so sei dies „ganz sicher nicht gewollt“ gewesen. Die Grundstückseigentümerin („Areo“) werde den Schaden „sowohl finanziell als auch an der Natur vollständig ausgleichen und insbesondere für eine ansprechende und ökologisch sinnvolle Rekultivierung Sorge tragen“.

Laut Minnogio will man kurzfristig aktiv auf die Stadt zugehen und eine einvernehmliche Lösung finden.

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