Wirtschaftlicher Betrieb oft nicht möglich
Friseure kämpfen in der Pandemie mit Umsatzeinbußen

Münster -

Weniger Kunden gleichzeitig, weil mehr Abstand gehalten wird und zusätzliche Materialkosten machen Friseuren zu schaffen. Der Umsatz ist aber offenbar nicht nur wegen der Corona-Schutzmaßnahmen eingebrochen, wie ein Friseurmeister aus dem Kreuzviertel erklärt.

Mittwoch, 02.12.2020, 10:30 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 10:36 Uhr
Ein Meister seiner Zunft: Piet der Friseur
Ein Meister seiner Zunft: Piet der Friseur Foto: Edina Hojas

Münsters Friseure dürfen weiter schneiden, doch die Kunden bleiben aus. Vielleicht aus Angst vor einer Ansteckung, vielleicht wegen der schwarzen Schafe, die gegen die Corona-Auflagen verstoßen. Ein wirtschaftlicher Betrieb ist unter diesen Umständen für viele nicht möglich.

Piet Jarabek liebt seinen Beruf und vor allem den Kontakt zu seinen Kunden. Die Einhaltung der Hygienevorschriften ist für ihn selbstverständlich. Auch wenn der Mindestabstand dazu führt, dass er weniger Kunden willkommen heißen darf und seine Ausgaben durch Hygieneartikel und Trennwände gestiegen sind. „Es ist, wie es ist“, sagt der Friseurmeister, „aber jeder kann dazu beitragen, dass die kleinen Betriebe nicht unters Rad kommen.“

Friseur erhebt „Corona-Zuschlag“

Die geltenden Corona-Schutzauflagen haben Jarabeks Betrieb stark eingeschränkt: Auf zehn Quadratmetern Raum kommt ein Kunde. Für den kleinen Salon im Kreuzviertel bedeutet das eine Auslastung bei nur fünf Kunden. Die Masken müssen nach jeder Behandlung gewechselt, die Ablagen desinfiziert, Umhänge und Handschuhe entsorgt werden. Bis zu 2000 Euro zahlt Jarabek dafür monatlich mehr. Um die Zusatzkosten zu decken, hat er für jeden Kunden einen Corona-Zuschlag von drei Euro erhoben.

Und: Trotz aller Vorkehrungen bleiben die Kunden aus. Jarabeks Umsatz ist um die Hälfte zurückgegangen. Eine mögliche Ursache sieht er darin, dass einige Salons für negative Schlagzeilen gesorgt haben. Auch seine Kunden hätten ihm von Verstößen gegen die Hygienevorschriften berichtet. „Das ist nicht nur verantwortungslos, sondern schadet letztendlich auch denen, die sich an die Auflagen halten“, gibt Jarabek zu bedenken.

Jeder kann sich anschauen, wo er hingeht und wie die Maßnahmen dort umgesetzt werden.

Rosemarie Ehrlich

Rosemarie Ehrlich ist Obermeisterin der Friseurinnung und hält ihre Innungsmitglieder immer auf dem neusten Stand. Sie weiß Bescheid über die Probleme ihrer Kollegen und um die schwarzen Schafe der Branche. Daher appelliert Ehrlich auch an die Eigenverantwortung der Verbraucher: „Jeder kann sich anschauen, wo er hingeht und wie die Maßnahmen dort umgesetzt werden.“

Die Mitgliedschaft in der Innung ist freiwillig und an einen Jahresbeitrag gebunden. „Dafür wird man gut informiert und in allen Belangen unterstützt“, sagt Jarabek.

Rückgriff auf private Rücklagen

Mit privaten Rücklagen verhindert der Friseurmeister gerade das Schlimmste. Seine sechs Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit zu schicken, kommt für ihn nicht in Frage. Eine Mitarbeiterin sei alleinerziehend und auf ein volles Gehalt angewiesen. „Die Rücklagen haben sich ja auch dadurch gebildet, dass die Mädels gut gearbeitet haben“, sagt Jarabek, „da kann ich doch nicht allein davon profitieren.“ Für die staatliche Überbrückungshilfe kommt das kleine Unternehmen zwar in Frage, ob sich das nach Abzug der Kosten für den Steuerberater jedoch lohne, bleibt abzuwarten, erklärt er.

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