International agierende Verbrecherbande
Der große Autoklau mit dem Millionenschaden

Münster -

Vor dem Landgericht Münster ist ein Mann angeklagt, der offenbar für eine international agierende Verbrecherbande als Handlanger tätig war. Seine und die Aussagen der Ermittler geben Einblick in einen Fall ungeheuren Ausmaßes.

Dienstag, 01.12.2020, 21:00 Uhr
International agierende Verbrecherbande: Der große Autoklau mit dem Millionenschaden
Foto: dpa (Symbolbild)

Am Dienstag ist am Landgericht Münster der Prozess gegen einen 53-Jährigen Algerier eröffnet worden, dem vorgeworfen wird, sich 2016 und 2017 in sieben Fällen, zwei davon in Münster, mit gefälschten Ausweispapieren Autos bei Autovermietungen ausgeliehen, diese aber nicht zurückgebracht zu haben. Was sich zunächst einmal nach dreister Masche anhört, ist in Wahrheit ein Puzzleteil eines international agierenden Netzwerks, dem die Polizei eher zufällig auf die Spur kam.

Was der leitende Ermittler der Bochumer Polizei im Zeugenstand aussagt, zeigt das wahre Ausmaß des Falls. Bislang habe man den Hintermännern rund 200 Diebstähle hochwertiger Automobile mit einem Versicherungswert von rund 6,5 Millionen Euro zuordnen können. Dunkelziffer unbekannt. Rund 70 bis 100 Personen sieht die Polizei darin verwickelt. Die Masche: Die Fahrzeuge wurden bei den Autoverleihern mit gefälschten Papieren geliehen, vom GPS befreit und schließlich mit neuen Papieren über eine Fähre in Marseille nach Nordafrika gebracht.

Gut gefälschte Papiere

Als „ziemlich sichere Angelegenheit“, beurteilte der leitende Beamte die Sache für die Kuriere, denen die versprochene Entlohnung aber wohl größtenteils vorenthalten wurde. Die gefälschten Papiere seien derart gut gewesen, dass sie einer gewöhnlichen Prüfung standgehalten hätten. So gut, dass man in Nordafrika für die Fahrzeuge den reellen Wert, und nicht den einer Hehlerware bekommen habe. Durch die Wohnungsdurchsuchung bei einem Fälscher waren die Ermittler den Zusammenhängen auf die Spur gekommen. Der Angeklagte äußerte zudem, dass der in NRW lebende Hintermann, ebenfalls Algerier und mittlerweile in Haft, in Frankreich und Algerien Kontakte bis hinein in die Behörden habe.

Anfang des Jahres hatte sich der nun in Münster angeklagte 53-Jährige gestellt und sich mit seinen Aussagen selbst belastet. Nach eigenen Angaben war er zunächst als Dolmetscher – er spricht fünf Sprachen – in das Milieu gerutscht. Dabei berichtete er, dass seine Mutter in Algerien bedroht worden sei. „Ich hasse diese Leute. Ich will mein Leben zurück“, sagte der Angeklagte sichtlich emotional bewegt. Er äußerte auch, dass der wahre Drahtzieher des Ganzen, ein in Algerien lebender älterer Bruder des in Deutschland verurteilten Mannes, weiter auf freiem Fuß sei.

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