Vorschlag der Verwaltung
Danziger Freiheit soll Namen verlieren

Münster -

Der wegen seiner NS-Vergangenheit belastete Straßenname Danziger Freiheit soll verschwinden. Das schlägt die Verwaltung in einer Vorlage vor. Zudem sollen sämtliche Straßennamen, die zwischen 1933 und 1939 vergeben wurden, wissenschaftlich überprüft werden.

Mittwoch, 02.12.2020, 20:30 Uhr
Heute vor allem ein Verkehrsknotenpunkt: der Bereich Danziger Freiheit/Warendorfer Straße.
Heute vor allem ein Verkehrsknotenpunkt: der Bereich Danziger Freiheit/Warendorfer Straße. Foto: Matthias Ahlke

Der Straßenname Danziger Freiheit soll aufgehoben werden, da es sich „um ein nicht mehr tragbares Relikt aus der NS-Zeit“ handelt. Dies schlägt die Verwaltung in einer Vorlage vor, über die die Bezirksvertretung Mitte am kommenden Dienstag abstimmen wird.

Die Stadt beruft sich auf eine Stellungnahme des Stadtarchivs. Es verweist darauf, dass Danzig im 1919 abgeschlossenen Friedensvertrag von Versailles vom Deutschen Reich abgetrennt und zu einem vom Völkerbund garantierten Freistaat erklärt wurde. „Die Tendenzen, diese Entscheidung zum Status von Danzig zu revidieren und die Stadt wieder an das Deutsche Reich anzugliedern, verstärkten sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933“, so das Stadtarchiv.

Und weiter: „Um ihrer Forderung nach einer Änderung des Status der Freien Stadt Danzig öffentlichen Nachdruck zu verleihen, riefen die Nationalsozialisten dazu auf, in großen deutschen Städten bei Straßen- oder Platzbenennungen den Namen Danziger Freiheit zu vergeben.“ Das geschah 1934 auch in Münster.

Neuer Name für die Bushaltestelle?

Die Verwaltung schlägt vor, die bislang als Danziger Freiheit bezeichnete Straßenfläche der Warendorfer Straße zuzuordnen. Ein neuer Name soll nicht vergeben werden, da die Umbenennung keinen Einfluss auf Adressen habe.

Anders sieht es mit der Bushaltestelle Danziger Freiheit aus: Der Arbeitskreis Nahverkehrsplan soll zusammen mit Stadt und Stadtwerken eine Alternativbezeichnung suchen.

Straßennamen sollen überprüft werden

In der Vorlage wird zudem vorgeschlagen, alle Straßennamen, die von 1933 bis 1939 vergeben wurden, wissenschaftlich zu analysieren und so zu klären, „ob und inwieweit diese Namen die Funktion hatten, die NS-Ideologie, nationalsozialis-tische Erinnerungsabsichten oder die Ziele der NS-Politik zu veröffentlichen“. Das Prüfergebnis soll Grundlage für den künftigen Umgang mit NS-belasteten Straßennamen sein. Zwischen 1933 bis 1939 wurden in Münster insgesamt 146 Straßennamen vergeben. Über eine Reihe von ihnen war in der Vergangenheit immer wieder diskutiert worden.

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