Mord und versuchter Totschlag in Mecklenbeck
Keine Verzweiflungstat im Affekt

Münster -

Der Angeklagte war in der Lage, seine Situation zu reflektieren und zu reagieren – schließlich habe er wiederholt mit verschiedenen Waffen auf seine beiden Opfer eingeschlagen und schließlich zugestochen. Zu dieser Schlussfolgerung kam die Gutachterin im Verfahren gegen einen 52-Jährigen vor dem Landgericht.

Freitag, 04.12.2020, 20:00 Uhr
Mord und versuchter Totschlag in Mecklenbeck: Keine Verzweiflungstat im Affekt
Das Landgericht Münster Foto: dpa (Symbolbild)

Ein Tötungsdelikt und ein Tötungsversuch, die die Staatsanwaltschaft einem 52-Jährigen vorwerfen, sind nach Ansicht einer psychiatrischen Gutachterin kein Resultat einer Affekthandlung aus Verzweiflung gewesen. Dieses Bild des Angeklagten hatte die Verteidigung zuvor in dem Verfahren gezeichnet. Dem widersprach die Sachverständige am Freitag vor dem Landgericht mehrfach.

Dem 52-Jährigen wird vorgeworfen, im vergangenen April seinen Mitbewohner, den Lebensgefährten seiner verstorbenen Mutter, ermordet und dessen Großneffen verletzt zu haben. Auslöser des Angriffs war Ermittlungen und Aussagen zufolge, dass der 77-jährige Mitbewohner des Angeklagten Möbel aus der Wohnung holen wollte.

Heftige Auseinandersetzungen

Es habe bereits im Vorfeld der Taten teils heftige Auseinandersetzungen zwischen den beiden Männern gegeben, zuletzt habe man um das Auto gestritten, das der Getötete gemeinsam mit der Mutter des Angeklagten gekauft hatte. Er war der Meinung, die Hälfte des Wertes des Wagens stehe ihm als Erbe zu.

Diese Angelegenheit sorgte auch für die unverhoffte Aussage einer Rechtspflegerin des Amtsgerichtes: Die 26-Jährige hatte sich bei der Staatsanwaltschaft gemeldet, weil der Angeklagte bei ihr einen Erbschein beantragt hatte. Als sie kurz darauf von dem Vorfall erfuhr, sei ihr einiges sehr bekannt vorgekommen, sagte sie.

Keine Anhaltspunkte für Persönlichkeitsstörung

Denn was der 52-Jährige ihr nur wenige Tage vor der Tat erzählt haben soll, sei deutlich über das übliche und notwendige Maß hinausgegangen, wie sie schilderte: „Er sagte, er sei in einem tiefen Loch“ und habe sogar geäußert, lieber im Gefängnis zu sein, weil sich dort ja um alles gekümmert werde.

Einen Zusammenhang zwischen dieser Aussage und der Tat sah die Gutachterin jedoch nicht. Nach verschiedensten Aussagen und ihrer Untersuchung gebe es keine Anhaltspunkte für eine depressive Verstimmung oder eine Persönlichkeitsstörung, sodass der Angeklagte strafverantwortlich sei, so die Ärztin.

Die Schlussvorträge und das Urteil werden am kommenden Montag (7. Dezember) erwartet.

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