Mord und versuchter Totschlag
Lebenslange Haftstrafe nach Angriff auf Mitbewohner

Münster -

Das Landgericht Münster hat am Montagmittag einen 52-Jährigen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Mann hat seinen 77-jährigen Mitbewohner getötet und dessen Großneffen in der Absicht verletzt, auch ihn töten zu wollen.

Montag, 07.12.2020, 14:25 Uhr aktualisiert: 07.12.2020, 18:17 Uhr
Mord und versuchter Totschlag: Lebenslange Haftstrafe nach Angriff auf Mitbewohner
Foto: dpa (Symbolbild)

Trotzig nimmt der 52-Jährige Münsteraner sein Urteil vor dem Landgericht zur Kenntnis. Plötzlich beginnt er,  während der Verkündung immer wieder mit dem Bein aufzustampfen, lächelt dabei süffisant in den Saal, muss von der Vorsitzenden ermahnt werden. Sie hat gerade verkündet, dass  er wegen Mordes und versuchten Totschlags in Tateinheit mit vollendeter gefährlicher Körperverletzung zu einer lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt wird. Die Zweite Große Strafkammer folgte damit am Montag dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Der 52-Jährige hat im vergangenen April seinen Mitbewohner getötet und dessen Begleiter in gleicher Absicht verletzt. Der 52-Jährige hatte den 77 Jahre alten Lebensgefährten seiner verstorbenen Mutter und dessen Großneffen angegriffen, als diese Möbel aus der Wohnung holen wollte, in der man noch zusammen wohnte. Der 77-Jährige hatte nach zahlreichen, auch handgreiflichen Auseinandersetzungen ausziehen wollen und war daher mit seiner Nichte und deren Sohn am Tattag zu der Wohnung gefahren. 

Mit Hammer auf den Kopf geschlagen - und zugestochen

Dem 77-Jährigen schlug der Verurteilte zunächst mit einem Hammer, dann mit einem Schlagstock von hinten auf den Kopf und stach ihm schließlich mit einem Messer in den Hals, was die tödliche Verletzung verursachte. Auch auf den Großneffen des Getöteten schlug er mit einem Hammer mehrfach ein. Der 28-Jährige erlitt eine Gehirnerschütterung und eine Platzwunde am Hinterkopf. Der 77-Jährige starb kurz nach der Tat im Krankenhaus aufgrund des starken Blutverlusts. 

Dass der 52-Jährige mit dem Hammer zuschlug, als ihm der Getötete den Rücken zudrehte, wertete der Vertreter der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer als Ausnutzen der Arglosigkeit seines Mitbewohners, womit er das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt sah. Der Angeklagte sei sich bewusst gewesen, dass die Hammerschläge – auch auf den Kopf des zweiten Opfers – hätten tödlich sein können.  

"Ich bereue die Tat"

Die Verteidigung wertete die Angriffe dagegen als Totschlag und gefährliche Körperverletzung und forderte eine milde, zeitige Freiheitsstrafe für ihren Mandanten. Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft sah die Verteidigerin in dem Tatgeschehen weder Heimtücke noch einen Tötungsvorsatz. Der Angeklagte habe bereits Wochen zuvor „in ständiger Angst gelebt“, nachdem sein Mitbewohner bereits mehrmals  Sachen abgeholt hatte. Angst vor dem Auszug des 77-Jährigen – der seine einzige Bezugsperson gewesen sei. Er habe den Lebensgefährten seiner verstorbenen Mutter und dessen Großneffen lediglich verletzen und die Mitnahme der Möbel verhindern – aber niemanden töten wollen. Das bekräftigte auch der Verurteilte selbst noch einmal: „Ich bereue die Tat.“

Er sei verzweifelt und wütend gewesen, nicht aber derart depressiv etwa, dass seine Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei, so die Vorsitzende. Er habe unbedingt verhindern wollen, dass sein Mitbewohner auszieht, da er alleine hilflos und überfordert gewesen sei, so die Vorsitzende. Zwar habe er wohl keine Tötungsabsicht gehabt, den Tod der beiden Männer aber in Kauf genommen, so die Urteilsbegründung.  

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