Krisenhilfe ist in der Woche an jedem Abend telefonisch erreichbar
Zuhören und beruhigen

Münster -

Jeden Abend ist das Telefon der Krisenhilfe besetzt. Ehrenamtliche kümmern sich um die Sorgen anderer Menschen, hören zu, bieten Hilfe an, geben Kraft. Und dabei bekommt jeder die Unterstützung, die er braucht.

Dienstag, 08.12.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 08.12.2020, 15:56 Uhr
Von Montag bis Freitag ist täglich zwischen 17.30 Uhr und 19.30 Uhr einer der Ehrenamtlichen – hier Petra Meyersick – aus dem Team telefonisch erreichbar.
Von Montag bis Freitag ist täglich zwischen 17.30 Uhr und 19.30 Uhr einer der Ehrenamtlichen – hier Petra Meyersick – aus dem Team telefonisch erreichbar. Foto: Krisenhilfe

Mittwochabend, kurz vor 17.30 Uhr. Das rote Lämpchen am Telefon auf dem Schreibtisch blinkt unermüdlich, als Petra Meyersick das Telefonzimmer der Krisenhilfe aufschließt. Schreibblock bereitgelegt, Kugelschreiber daneben, sie hört die beiden Nachrichten ab. Eine ist rein organisatorisch, ein Klient möchte einen Beratungstermin verschieben. Die zweite wird die ehrenamtliche Mitarbeiterin länger beschäftigen: Ein junger Mann bittet dringend um Hilfe, er macht sich große Sorgen um seine Freundin, die unter Depressionen leidet und immer wieder ankündigt, keinen Sinn mehr in ihrem Leben zu sehen. Was kann er tun?

Jeden Abend von Montag bis Freitag ist das Telefon in der Krisenhilfe – neben den üblichen Bürozeiten – zusätzlich zwischen 17.30 Uhr und 19.30 Uhr besetzt – einer der Ehrenamtlichen aus dem Team hat Dienst, ist direkt erreichbar, kümmert sich aber auch um die Mitteilungen, die Menschen zuvor schon auf dem Anrufbeantworter hinterlassen haben. Da meldet sich eine Mutter, deren Tochter nicht nach Hause gekommen ist – die Frau ist völlig aufgelöst, soll sie die Polizei einschalten? Ein Mann ruft an, seine Frau habe ihn verlassen: „Was kann ich tun, damit sie zu mir zurückkommt? Ich will nicht ohne sie leben. Ich kann nicht ohne sie leben.“

Schwerpunkt liegt in der persönlichen Beratung

„Im ersten Moment eines Gesprächs geht es immer um zuhören, beruhigen, eventuell auch einen Notfallplan entwickeln“, erläutert Petra Karallus. „Die Anrufer sind dankbar, dass da jemand ist, der sie unterstützt, dem sie sich anvertrauen können“, weiß die Leiterin der Einrichtung. Anders als bei der Telefonseelsorge, die Menschen ausschließlich am Telefon begleitet, liegt der Schwerpunkt in der Krisenhilfe aber in der persönlichen Beratung. Viele rufen auch schon direkt mit diesem konkreten Wunsch an.

„Mein Mann hat seine Arbeit verloren, wir streiten uns nur noch, ich muss mich um meine Eltern kümmern und sie pflegen, außerdem selbst arbeiten, mir wird alles zu viel“, erzählt eine Anruferin. Und fragt im nächsten Satz: „Bin ich da überhaupt bei Ihnen richtig? Sind meine Probleme denn schlimm genug?“ In der Krisenhilfe wird nicht gewertet, ob schlimm, mittel oder einfach: „Jeder, der in einer Lebenskrise steckt, bekommt die Unterstützung, die er braucht“, betont Petra Karallus. Innerhalb von 24 Stunden nach dem ersten Kontakt ist meistens schon der Termin für das Erstgespräch vereinbart.

Vier Projekte – ein Konto

Vier Projekte stehen zur Auswahl: Jung mit Krebs, Krisenhilfe, Pro filia, Indien. Wer für ein bestimmtes Projekt spenden möchte, sollte das bei der Überweisung vermerken. Eine Spendenquittung wird ab 200 Euro automatisch ausgestellt, wenn die Adresse angegeben ist.Wenn Sie mit der Nennung Ihres Namens in der Zeitung einverstanden sind, tragen Sie bitte bei der Überweisung beim Verwendungszweck den Code 2020 in der zweiten Zeile oder unter „Veröffentlichung?“ ein.Sparkasse Münsterland Ost; IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88Ihre personenbezogenen Daten verwenden wir, soweit keine darüber hinausgehende Einwilligung vorliegt, zur Abwicklung des der Erhebung zugrundeliegenden Zwecks. Nähere Informationen erhalten Sie unter  www.wn.de/Service/Datenschutz

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Sorgen aussprechen und Kraft schöpfen

Zurück zu dem jungen Mann, der auf den Anrufbeantworter gesprochen hat. Petra Meyersick hat an dem Abend lange mit ihm und auch mit seiner Freundin geredet. Die Situation war ernst. Am Ende unterstützt sie die beiden, direkt zur zuständigen Klinik zu fahren. Zuvor hat die Krisenbegleiterin schon telefonisch Kontakt zur diensthabenden Ärztin aufgenommen, damit die junge Frau Hilfe bekommt. Für den Freund bleibt die Frage: „Wie gehe ich am besten mit dieser Situation um?“ Er nimmt das Beratungsangebot der Krisenhilfe für sich in Anspruch, seine Ängste und Sorgen auszusprechen, sich selbst zu stärken und Kraft zu schöpfen.

„Das ist genau das Ziel in all unseren Beratungen“, beschreibt Petra Karallus den Ansatz der Arbeit, für die die ehrenamtlichen Mitarbeiter eineinhalb Jahre intensiv ausgebildet werden. Im Januar startet eine neue Gruppe, für die sich noch Inte­ressierte melden können. Kontakt und Information gibt es unter Telefon 51 90 05 oder kontakt@krisenhilfe-muenster.de

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