Straßenname wird gestrichen
Danziger Freiheit ade

Münster -

Ohne jede Kontroverse hat die Bezirksvertretung Münster-Mitte den Straßenname Danziger Freiheit wegen seiner Nähe zur NS-Ideologie gestrichen.

Dienstag, 08.12.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 10:58 Uhr
Der Straßenname „Danziger Freizeit“, nach dem auch diese Bushaltestelle benannt ist, wird gestrichen, der Straßenabschnitt der Warendorfer Straße zugeschlagen.
Der Straßenname „Danziger Freizeit“, nach dem auch diese Bushaltestelle benannt ist, wird gestrichen, der Straßenabschnitt der Warendorfer Straße zugeschlagen. Foto: Oliver Werner

Der Straßenname „Danziger Freiheit“ wird ersatzlos gestrichen. Das hat die Bezirksvertretung Münster-Mitte am Dienstagabend einstimmig beschlossen. Darüber hinaus beauftragte das Stadtteilparlament die Stadtverwaltung damit, bei den Stadtwerken darauf hinzuwirken, dass die Bushaltestelle „Danziger Freiheit“ einen neuen Namen erhält.

Die Danziger Freiheit bezeichnet jenen Abschnitt der Warendorfer Straße, an dem die Eisenbahn in Richtung Telgte die Straße überquert. Rein organisatorisch ist die Umsetzung dieses Beschlusses sehr einfach, da keine Adressen verändert werden müssen. In dem besagten Teil, der jetzt einfach der Warendorfer Straße zugeschlagen wird, befinden sich keine Häuser.

Formulierung „Danziger Freiheit“ von Nationalsozialisten geprägt

Begründet wird die Entscheidung damit, dass die Formulierung „Danziger Freiheit“ von den Nationalsozialisten geprägt wurde, die sich mit der 1919 erfolgten Abtrennung der Region Danzig vom Deutschen Reich nicht abfinden konnten. Die Nazis riefen seinerzeit die Städte bewusst dazu auf, Plätze im Stadtgebiet „Danziger Freiheit“ zu benennen. Dem kann die Stadt Münster 1934 nach.

Liste historisch belasteter Straßennamen soll erstellt werden

Darüber hinaus hat die Bezirksvertretung die Stadtverwaltung damit beauftragt, eine Liste NS-belasteter Straßennamen zu erstellen. Konkret handelt es sich um Namen, die „als Ausdruck des nationalsozialistischen Gedankenguts und des politischen Programms der Nationalsozialisten anzusehen sind“, wie es im Verwaltungspapier heißt. Zu einem früheren Zeitpunkt gab es bereits eine Prüfung von Straßen, die nach NS-belasteten Persönlichkeiten benannt wurden. Höhepunkt der darauf folgenden Kontroverse war der (erfolglose) Bürgerentscheid gegen die Abschaffung des Namens „Hindenburgplatz“ .

Über den Vorschlag der Stadtverwaltung hinaus beschloss die Bezirksvertretung auch, dass historisch belastete Straßennamen auch abseits der NS-Problematik überprüft werden sollen. Als Beispiel wurde die Manfred-von-Richthofen-Straße genannt.

Im kommenden Jahr will die Bezirksvertretung das weitere Vorgehen klären.

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