Kultur- und Musikprogramm „JeKits“ wird 2021 erweitert und neu aufgestellt
Reform bereitet privaten Musiklehrern Sorge

Münster/Düsseldorf -

Das seit zehn Jahren in NRW praktizierte Kultur- und Musikprogramm „JeKits“ wird 2021 erweitert und neu aufgestellt. Dabei sollen die kommunalen Musikschulen die Federführung übernehmen. Dies wiederum führt in der bislang zuständigen Stiftung und bei den freien Musikschulen und Musikschullehrern zu Unruhe. Ein Zwischenbericht.

Sonntag, 03.01.2021, 17:32 Uhr
Durch das „JeKits“-Programm kommen junge Schülerinnen und Schüler früh und regelmäßig in den Kontakt mit Musik, Tanz und Gesang, wie hier an einer Schule in Lüdinghausen.
Durch das „JeKits“-Programm kommen junge Schülerinnen und Schüler früh und regelmäßig in den Kontakt mit Musik, Tanz und Gesang, wie hier an einer Schule in Lüdinghausen. Foto: Peter Werth

„JeKits – Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“ gilt als das zentrale kulturelle Bildungsprogramm in Grund- und Förderschulen des Landes Nordrhein-Westfalen. Mit rund 78 000 beteiligten Schülerinnen und Schülern an über 1000 Schulen sowie rund 145 Musik- und Tanzschulen in ganz NRW ist es bundesweit das größte Programm seiner Art, heißt es im NRW-Kulturministerium.

Die Idee, jedem Kind ein Instrument an die Hand zu geben und es musisch zu bilden, geht auf das Programm der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 und den damals verantwortlichen NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff zurück. Aus dem zarten Pflänzchen ist mittlerweile – die Zahlen belegen das – ein stattlicher Baum mit starken Wurzeln und weit verzweigtem Geäst geworden. So weit, so gut. Doch nun kündigen sich strukturelle Änderungen an, die besonders die freie Musiklehrer-Szene und deren Verbandsvertretungen in Rage bringen.

Wie im Koalitionsvertrag vorgesehen, soll JeKits nun nach abgeschlossener Evaluierung „inhaltlich und strukturell wirksam weiterentwickelt werden“, teilte Elisa Kaiser, stellvertretende Pressesprecherin im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, jetzt auf Anfrage mit. Vorrangiges Ziel sei es dabei, das Programm nachhaltiger aufzustellen: So soll das bisher auf zwei Jahre angelegte Programm auf vier Jahre und damit auf die gesamte Grundschulzeit ausgeweitet werden. Zudem soll „durch strukturelle Anpassungen die musikpädagogische und künstlerische Qualität des kulturellen Angebots noch besser gewährleistet werden“. Dies kurz nach Ende des schwierigen Corona-Jahres ein helles Lichtlein in die kommunalen Musikschulen, die künftig offenbar über ihren Verband die Führungsrolle in diesem Programm übernehmen sollen.

Sorge überwiegt folglich bei der bislang verantwortlichen „JeKits-Stiftung“ und bei den privaten Musikschullehrern und deren Verbänden. Cornelia Sokoll, Vorsitzende des Deutschen Tonkünstlerverbands NRW, moniert: „Seit einem Jahr haben der Rat für kulturelle Bildung und der Landesmusikrat auf Aufforderung des Kultusministeriums Positionspapiere zum Gesamtkonzept kultureller Bildung in NRW entworfen und dabei sehr genau die vielfältige Landschaft der kulturellen Anbieter dargestellt. Es sind die Freien, die über private Musikschulen oder als Soloselbstständige gut die Hälfte des Instrumentalunterrichts anbieten. Sie garantieren im Verbund mit dem Verband der Musikschulen flächendeckend das musikalische Angebot.“ Sokoll ergänzt: „Angesichts dieser Realität ist es umso unverständlicher, dass keiner in die Beratung zur Weiterentwicklung von JeKits einbezogen worden ist. Das ist ein Skandal!“ Selbst der Landesmusikrat, der ja im Interesse aller seiner Mitgliedsverbände eine neutrale Vermittlerrolle hätte übernehmen können, sei übergangen worden, bemängelt Sokoll.

Die Gegenrede kommt aus dem Kultusministerium: Die Sorge privater Musikschulen, nicht in die Entwicklung der neuen Strukturen von JeKits einbezogen zu werden, sei „unbegründet“. Elisa Kaiser teilt wörtlich mit: „Zum einen profitieren sie von der Ausweitung des Programms, denn diese hat zur Folge, dass insgesamt ein größerer Bedarf nach kulturellen Bildungsangeboten an den Schulen entsteht, der auch durch die privaten Musikschulen bedient werden wird. Zum anderen wird die Gremienstruktur so gestaltet, dass die freien Musikschulen in den verschiedenen Gremien vertreten sein und so mit den anderen Interessenvertretern auf Augenhöhe an der neuen JeKits-Struktur und an der Umsetzung der inhaltlichen Ausrichtung mitarbeiten werden.“

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