Ehrenamtliche Mediziner klären Mitarbeiter auf
UKM bereitet sich auf Impfstart vor

Münster -

Am Uniklinikum Münster (UKM) laufen die Vorbereitungen für die Corona-Schutzimpfung der 11.700 Mitarbeitende auf Hochtouren. Seit dieser Woche klären 32 ehrenamtliche Mediziner in Einzelgesprächen über die Impfung auf. So soll sichergestellt werden, dass es logehen kann, sobald der Impfstoff angeliefert wird.

Mittwoch, 06.01.2021, 16:20 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 16:44 Uhr
Ehrenamtliche Mediziner klären Mitarbeiter auf: UKM bereitet sich auf Impfstart vor
Durch eine Mitarbeiterin des Arbeitsmedizinischen und Sicherheitstechnischen Dienstes und den Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Hugo Van Aken (2.v.l.) erfolgte am Montag die letzte Einweisung für die 32 ehrenamtlichen Medizinerinnen und Mediziner, die am UKM die Aufklärungsgespräche für die Schutzimpfung gegen COVID-19 übernehmen. Foto: UKM

Münsters Krankenhäuser warten in diesen Tagen sehnlichst auf die ersten Lieferungen des Covid-19-Impfstoffs. Die Vorbereitungen für die Impfungen der Mitarbeiter haben die Einrichtungen derweil getroffen. Ab Mitte des Monats werden die ersten Impfungen des Personals erfolgen – wenn alles gut läuft.

Beim Universitätsklinikum Münster (UKM) packen schon jetzt 32 Ärzte ehrenamtlich mit an. Sie sind es, die seit dieser Woche die notwendigen Aufklärungsgespräche mit jenen Mitarbeitern führen, die als erstes zur Impfung aufgerufen wurden: Dem Personal der Covid-Stationen, der Intensivstationen und der Notaufnahmen, wie das UKM in einer Pressemitteilung schreibt. Sie alle werden von ehemaligen Klinikdirektoren, Oberärzten sowie Medizinern, die ihre Aus- und Weiterbildung an der Medizinischen Fakultät Münster absolviert haben, über Fragen zur Impfung, mögliche Nebenwirkungen und den Umgang bei bestehenden Grunderkrankungen aufgeklärt sowie ihre Einverständniserklärung eingeholt.

"Eine Selbstverständlichkeit"

Durchweg hört man in Gesprächen mit den Ehrenamtlichen das, was auch Prof. Dr. Volker Arolt, bis 2019 Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKM, als seinen Beweggrund für das Mitwirken nennt: „Dass ich in einer Zeit einspringe, in der es gilt, die am UKM arbeitenden Menschen möglichst rasch vor Covid-19 zu schützen, ist für mich wie für viele meiner Kolleginnen und Kollegen eine Selbstverständlichkeit.“

So geht es mit den Corona-Impfungen weiter

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  • Nach dem Start am 27. Dezember kommt die Corona-Impfaktion in NRW jetzt auf Touren. Während sich die Abläufe noch einspielen müssen, stellen sich Millionen Menschen weiterhin viele Fragen zum Thema Impfung. Ein Überblick. 

    Foto: dpa
  • Wie ist die Impfaktion angelaufen? Gab es Pro­bleme? 

    Die Impfungen in NRW seien gut angelaufen, hieß es aus dem Ministerium. Probleme seien nicht bekannt. Auch zu möglichen gesundheitlichen Nebenwirkungen lägen bislang keine Erkenntnisse vor. Zum Start waren in NRW am Sonntag rund 9500 Menschen in mehr als 80 Pflegeeinrichtungen geimpft worden, wie die beiden Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) Nordrhein und Westfalen-Lippe am Montag mitteilten. Geimpft wurden sowohl Bewohner der Senioren- und Pflegeeinrichtungen als auch deren Mitarbeiter.

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  • Gab es Überraschungen?

    Vereinzelt konnten mit dem Impfstoff sogar mehr Personen als geplant geimpft werden, weil in den Injektionsfläschchen teilweise mehr Impfkomponenten abgefüllt waren als berechnet. So blieb in einer Altenpflegeeinrichtung in Moers nach der Impfung von 180 Bewohnern noch genug Material für rund 50 weitere Spritzen übrig. Diese wurden daraufhin am Montag dem Pflegepersonal des Intensiv- und Corona-Bereichs eines Moerser Krankenhauses verabreicht, wie der Kreis Wesel mitteilte.

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  • Wann geht es in den Impfzentren los?

    „Jetzt kommt es darauf an, dass in dieser und den kommenden Wochen größere Mengen an Impfstoff kommen, denn wir haben einen echten Impfmarathon vor uns“, sagte Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. Die Mengen an Impfstoff sollten nach KV-Angaben reichen, um den Betrieb der 53 Impfzentren in NRW ab Januar schrittweise aufzunehmen. Die Terminvergabe wird über die Hotline 116 117 erfolgen, ist aber noch nicht gestartet.
    Derzeit wird nur in Pflegeheimen und parallel dazu Krankenhauspersonal geimpft, das direkt mit Covid-19-Patienten Kontakt hat, erläuterte Laumann. Danach seien alle anderen an der Reihe, die 80 Jahre alt oder älter sind. Das sind in NRW 1,2 Millionen Menschen.

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  • Braucht man unbedingt zwei Impfungen?

    Etwa drei Wochen nach der ersten Impfung ist eine zweite, eine Auffrischungsimpfung fällig. „Das kennt man auch von anderen Impfstoffen, etwa den ersten Impfungen am Lebensanfang“, erläutert Andreas Podbielski, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene an der Uni Rostock. „Manche Menschen bauen bereits nach der ersten Impfung einen ausreichenden Immunschutz auf, andere aber nicht. Man stellt mit der Auffrischungsimpfung sicher, dass die Impfwilligen tatsächlich vernünftig geschützt sind.“ Andernfalls sei es möglich, dass es trotz Impfung zu Erkrankungen kommt. Ein möglichst optimaler Schutz sei auch psychologisch wichtig, damit nicht der Eindruck entstehe, die Impfung tauge nichts.

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  • Was müssen Menschen tun, die zur ersten Impfgruppe gehören aber nicht in Einrichtungen wohnen?

    Nichts. Nach den aktuellen Impfungen in Heimen sind die Menschen an der Reihe, die über 80 Jahre alt sind. Laumann rief Nachbarn und Verwandte auf, den alten Menschen zu helfen, die Impfzentren aufzusuchen.  Menschen über 80 Jahre würden per Brief zu den Impfungen eingeladen. Pflegebedürftige zu Hause würden durch Hausärzte geimpft, kämen aber erst an die Reihe, wenn der Moderna-Impfstoff zugelassen sei.

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  • Wer kann sich zuerst impfen lassen, wer muss am längsten warten?

    Nach der Impfverordnung des Bundes sollen anfangs Ältere über 80 Jahre und Pflegeheimbewohner zum Zuge kommen können, zudem Personal etwa in Notaufnahmen oder Corona-Stationen sowie in der Altenpflege. Insgesamt umfasst diese Gruppe der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch-Institut (RKI) zufolge rund 8,6 Millionen Menschen. Zu denen, die am wenigsten dringlich zu impfen sind, gehören im Allgemeinen Menschen unter 60 Jahre, die weder Vorerkrankungen haben, noch mit Risikopatienten in Kontakt kommen oder berufsbedingt viele Menschen treffen. Das entspricht etwa 45 Millionen Menschen.

    Foto: dpa/AP | Carlos Giusti
  • Ist mit Nebenwirkungen zu rechnen?

    Müdigkeit, Kopfweh, Schmerzen an der Einstichstelle - auf mögliche, übliche Impf-Nebenwirkungen muss man sich einstellen. Das geht aus einer jüngst im «New England Journal of Medicine» veröffentlichten Studie zum Biontech-Präparat hervor. Für die Studie wurden knapp 45.000 Männer und Frauen untersucht. Weitere Symptome: Schüttelfrost, Durchfall oder Muskel- und Gliederschmerzen, teilweise auch Fieber. Diese waren im Allgemeinen schwach bis mäßig und klangen nach kurzer Zeit wieder ab. Nicht angenehm, aber auch kein Anlass für größere Bedenken, sagen Impfexperten.

    Foto: picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich
  • Wie werden etwaige Nebenwirkungen überwacht?

    Die Verträglichkeit des Impfstoffs wird auch nach der Zulassung weiter überprüft. Dafür setzt das zuständige Paul-Ehrlich-Institut auf Meldungen von Herstellern, Ärzten, aber auch von Patienten. Der einfachste Weg führt über die Plattform «nebenwirkungen.bund.de». Über eine Melde-App soll es zudem eine Beobachtungsstudie geben. Wer mitmacht, werde «mehrfach kontaktiert und um Angaben zu möglichen Reaktionen gebeten», teilte eine PEI-Sprecherin der dpa mit.

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  • Müssen die Menschen etwas für die Impfung bezahlen?

    Nein. Sie soll gratis sein, egal ob und wie jemand versichert ist. Die Kosten für die Impfstoffe übernimmt der Bund. Dafür stehen im Etat 2021 zunächst 2,7 Milliarden Euro bereit. Die Kosten rund um die Impfungen insgesamt taxiert Spahn auf bis zu sechs Milliarden Euro.

    Foto: picture alliance/dpa | Boris Roessler
  • Wirkt der Impfstoff bei der neu aufgetauchten Virusvariante schlechter?

    Vermutlich nicht. «Ich sehe da derzeit keinen Grund für Alarm», sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel. Auch Andreas Bergthaler von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) in Wien, hält die derzeitige Entwicklung nicht für «wahnsinnig alarmierend». Dass Mutationen auftauchen, sei nicht ungewöhnlich, derzeit wisse man nicht, ob die beobachteten Veränderungen die Eigenschaften des Erregers überhaupt entscheidend beeinflussen.

    Foto: picture alliance/dpa/PA Wire | Owen Humphreys
  • Wird es eine Impfpflicht geben?

    Nein. Eine allgemeine Impfpflicht hat die Bundesregierung klar ausgeschlossen. Auch für Berufsgruppen in Medizin und Pflege steht sie bisher nicht zur Debatte. Der Gießener Jura-Professor Steffen Augsberg, Mitglied im Deutschen Ethikrat, wollte ein solches Vorgehen in einem Interview des SWR aber nicht ausschließen: Wenn sich mit anderen Maßnahmen das Infektionsgeschehen zum Beispiel auf Intensivstationen nicht in den Griff bekommen lasse, «dann kann man darüber nachdenken, ob es insoweit eine bereichsbezogene Impfpflicht geben kann». Eine solche Option liege aber in weiter Ferne.

    Foto: dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene
  • Und was ist mit einer Impfpflicht durch die Hintertür?

    Manche befürchten, dass sie ohne eine Corona-Impfung nicht mehr vollständig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, weil etwa Geschäfte oder Restaurants den Zutritt ohne Nachweis einer Immunität verwehren. Mit Blick auf private Besitzer und Veranstalter sagte Andrea Kießling, Expertin für Infektionsschutzrecht an der Ruhr-Uni Bochum, dem SWR: «Wir können die nicht zwingen, dass sie auch mit Ungeimpften Geschäfte machen.» Umstritten bleibt zunächst, ob und wie etwa Restaurantbetreiber eine Immunität kontrollieren könnten. Jurist Augsberg hält «die bloße Variante, dass ich vorzeige, dass ich zum Beispiel geimpft bin, ohne dass das in weiterer Form überprüft oder mir zugeordnet wird», für unproblematisch.

    Foto: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
  • Wie viele Impfdosen erhält Deutschland?

    Anfänglich soll es rund 400.000 Dosen des Mittels BNT162b2 von Biontech/Pfizer geben. Im Januar könnten nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums drei bis vier Millionen Dosen zur Verfügung stehen. Im ersten Quartal rechnet Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit 11 bis 13 Millionen Impfdosen. Da das Präparat zweimal verabreicht werden muss, würde diese Menge in etwa für 5,5 bis 6,5 Millionen Menschen reichen. Insgesamt hat sich der Bund über einen EU-weiten Schlüssel und nationale Vereinbarungen bisher rund 300 Millionen Dosen gesichert - von Biontech und anderen Herstellern.

    Foto: dpa/The Orange County Register/AP | Keith Birmingham
  • Wo wird der Impfstoff produziert? Wie lange dauert das?

    Biontech will mit seinem US-Partner noch in diesem Jahr weltweit 50 Millionen Dosen liefern. 2021 sollen dann bis zu 1,3 Milliarden hergestellt werden - etwa in Mainz, Idar-Oberstein und Marburg. Aus der Produktionsanlage in Marburg sollen im ersten Halbjahr bis zu 250 Millionen Dosen kommen. Die Herstellung des Impfstoffs dauere eine Woche, heißt es vom Unternehmen. Qualitätskontrolle und Freigabe benötigten dann weitere drei Wochen. Zudem haben Biontech wie auch andere Hersteller schon vor einer Zulassung auf Halde produziert.

    Foto: dpa/AP | Carlos Giusti
  • Wie wird der Impfstoff deutschlandweit verteilt?

    Der Bund lässt das Präparat je nach Bevölkerungsanteil an insgesamt 27 feste Standorte in den Bundesländern liefern. Ab dann sind die Länder für Lagerung und Verteilung sowie die Beschaffung von Impfzubehör wie Lösungsmittel, Spritzen und Kanülen zuständig.

    Foto: picture alliance/dpa/Pool The Boston Globe/AP | Jessica Rinaldi
  • Wie geht das logistisch?

    Das Mainzer Unternehmen setzt da auf den US-Partner Pfizer. Dieser kann nach Biontech-Angaben die Impfstoffdosen in seinen weltweiten Vertriebszentren bis zu sechs Monate lagern. Das muss bei minus 70 Grad geschehen. In speziell entwickelten Versandboxen kann das Präparat bei diesen Temperaturen bis zu 15 Tage transportiert werden. Im Kühlschrank ist eine Lagerung bis zu fünf Tage möglich.

    Foto: picture alliance/dpa/Reuters/Pool | Ralph Orlowski
  • Wo werden die Impfungen gemacht?

    In der Anfangsphase in regionalen Impfzentren, die von den Ländern eingerichtet und betrieben werden. Eine Kühlung von minus 70 Grad ist nicht in jeder Arztpraxis möglich. Bis zu 442 Impfzentren sollen deutschlandweit zur Verfügung stehen. Zehntausende Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Helfer haben sich für Einsätze gemeldet. Mobile Impfteams sollen etwa in Pflegeheime und Krankenhäuser gehen.

    Foto: picture alliance/dpa | Roland Weihrauch
  • Wie kommt man zu einer Impfung?

    Das ist nur mit Termin möglich, allerdings gibt es in Deutschland einen Flickenteppich. Denn die Terminvergabe regeln die Bundesländer. In Baden-Württemberg zum Beispiel ist geplant, dass neben einer App die telefonische Anmeldung über die bundesweit einheitliche Nummer 116117 oder auch direkt in größeren Impfzentren erfolgen kann. Niedersachsen wiederum hat eine landeseigene Hotline. Manche Länder schreiben ihre Bürger auch direkt an.

    Foto: picture alliance/dpa | Roland Weihrauch
  • Was ist mit den anderen Impfstoffen?

    Über das Präparat von Moderna will die EMA bis zum 6. Januar entscheiden. Neben den 300 Millionen Biontech-Dosen hat sich die EU auch 160 Millionen von Moderna gesichert. Bei Astrazeneca (400 Mio. Dosen) und Janssen Pharmaceutica (Dosen für 400 Mio. Menschen) hat die EMA ihre Prüfungen begonnen. Daneben hat die EU-Kommission Verträge mit Sanofi-GSK (300 Mio. Dosen) und Curevac (405 Mio.); mit Novavax (200 Mio.) ist Brüssel in Gesprächen. Die Impfstoffe werden unter den Mitgliedsstaaten nach Bevölkerungsanteil verteilt.

    Foto: dpa/POOL AP | Paul Sancya
  • Wie viele Menschen könnten täglich geimpft werden?

    Auch das hängt vom Bundesland ab. Bayern und Hessen peilen in den Zentren bis zu 30.000 Impfungen am Tag an. In Berlin sollen es bis zu 20.000 werden. Hamburg und Rheinland-Pfalz planen rund 7000. Ein Rechenbeispiel mit deutschlandweit täglich 150.000 Impfungen: Weil jeder mit dem Biontech-Serum zweimal gepikst werden muss, dauerte es etwa zwei Monate, bis 4,3 Millionen Menschen vollständig gegen Sars-CoV-2 geimpft wären. Das entspräche etwa der Hälfte derjenigen, die laut Impfverordnung zuerst an der Reihe sind.

    Foto: picture alliance/dpa | Roland Weihrauch
  • Werde ich nach der Impfung tatsächlich immun sein?

    Eine erste Impfung bringt dem PEI-Präsidenten Klaus Cichutek zufolge eine Grundimmunisierung. Nach drei bis vier Wochen erfolgt eine zweite Impfung. Voraussichtlich zwei bis drei Wochen danach sei voller Schutz aufgebaut. Den bisherigen Analysen und Tests zufolge schützt das Biontech-Serum wohl mit 95-prozentiger Wirkung vor einer Covid-19-Erkrankung.

    Foto: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka
  • Können Geimpfte andere mit dem Coronavirus anstecken?

    Möglich, aber weniger wahrscheinlich. PEI-Präsident Cichutek zufolge kann man sich auch nach einer Impfung noch anstecken - das Risiko sei aber deutlich reduziert. Das gilt auch für die Weitergabe von Viren. Zu einem letzten Urteil ist die Forschung hier noch nicht gekommen. Experten gehen davon aus, dass es noch leichte Corona-Symptome geben könne, aber keine schweren Krankheitsverläufe mehr. Auf jeden Fall wird dazu geraten, auch nach der Impfung weiter Abstand zu halten, Hände zu waschen und Mund-Nasen-Bedeckungen zu tragen.

    Foto: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
  • Ab welcher Zahl werden genug Menschen in Deutschland geimpft sein?

    Um die Pandemie zu stoppen, müssten nach Schätzung von Experten etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft werden. Das wären in Deutschland bis zu 58 Millionen Menschen. Laut Gesundheitsministerium sind für die zwei Präparate von Biontech und Moderna 136,3 Millionen Dosen sicher, die nahezu alle 2021 geliefert werden könnten. Damit ließen sich rechnerisch 68,2 Millionen Bürger impfen. Ob man sich auch nach einer überstandenen Corona-Infektion später zusätzlich impfen lassen sollte, wird noch wissenschaftlich erforscht.

    Foto: picture alliance/dpa/BELGA | Benoit Doppagne
  • Wie viele Menschen wollen sich überhaupt impfen lassen?

    Regelmäßige Umfragen der Universität Erfurt zeigen: Die Bereitschaft dazu ist in Deutschland in den vergangenen Monaten stetig gesunken. Mitte April zeigten sich noch 79 Prozent der Befragten (eher) bereit, sich quasi unmittelbar impfen zu lassen, sobald die Möglichkeit besteht. Mitte Dezember waren es nur noch 48 Prozent.

    Foto: picture alliance/dpa/Reuters/Pool | Hannibal Hanschke
  • Wo gibt es genauere Informationen zum Impfen?

    Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe hat am Montag eine eigene Internet-Seite mit Informationen rund um das Coronavirus und die Impfungen geschaltet. 

    Foto: dpa

All das geschieht, damit dieser zeitaufwendige Teil des Impfvorgehens abgeschlossen ist, wenn das Vakzin endlich vom Land geliefert wird. „Für uns gilt es, keine Zeit zu verlieren, denn der Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat für uns oberste Priorität“, sagt der Ärztliche Direktor des UKM, Prof. Dr. Hugo Van Aken. Er ist umso dankbarer, dass sich ehemalige Weggefährten in den Dienst des UKM stellen und im Zwei-Schicht-System täglich zwischen 9 und 18 Uhr für Fragen rund um die Impfung zur Verfügung stehen – und das völlig unentgeltlich. „Dieser Einsatz ist außerordentlich“, würdigt Van Aken die Bereitschaft der aufklärenden Ärztinnen und Ärzte, deren Schutz besondere Priorität hat. Bewusst habe man sich für die großen Räumlichkeiten im PAN-Zentrum entschieden, die zusätzlich mit Luftfiltergeräten ausgestattet wurden.

Impfen, sobald der Impfstoff da ist

Wann genau die erste Impfung am UKM erfolgt, ist noch offen. Zu Beginn der Woche wurde von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann der 18. Januar für den Start der Corona-Schutzimpfungen in den Kliniken genannt. „Wir warten täglich auf entsprechende Nachricht“, erläutert Van Aken. „Sicher ist aber, dass wir durch die jetzt stattfindenden Aufklärungsgespräche sofort nach Eintreffen der ersten Lieferung mit dem Impfen beginnen können.“

Auch Raphaelsklinik und Clemenshospital, beide geführt von der Alexianer GmbH sowie den Clemensschwestern, haben sich auf die Impfungen vorbereitet. Rund 1500 der insgesamt 2200 Mitarbeiter hat man dafür, gemäß der Vorgaben des Bundes priorisiert. Als erstes sind diejenigen dran, die direkten Kontakt zu Covid-19-Patienten haben. Geimpft wird für beide Einrichtungen zentral im Clemenshospital. Die Impfbereitschaft sei hoch und liege bei über 90 Prozent bezogen auf diejenigen, die man als priorisiert habe impfen wollen, erläutert Projektleiter Jens Lammers auf Anfrage unserer Zeitung. Mehrere Probeläufe seien bereits durchgeführt worden.

Wir sind jederzeit startklar und würden lieber heute als morgen mit den Impfungen beginnen

Prof. Dr. Christoph Bremer, Ärztlicher Direktor des St. Franziskus-Hospitals

Die notwendigen Vorbereitungen sieht man auch im St.-Franziskus-Hospital als getroffen an. Sobald der Impfstoff an die Kliniken ausgeliefert wird, werde das Marienhaus, ein zum Hospital gehöriges Veranstaltungsgebäude, zum Impfzentrum. Hier können nach Angaben des Franziskus-Hospitals täglich bis zu 200 Mitarbeiter geimpft werden. Die Ärztliche Impfleitung hat Dr. Eduard Holz, ehemaliger Chefarzt der Intensiv- und Notfallmedizin des St. Franziskus-Hospitals, übernommen. „Wir sind jederzeit startklar und würden lieber heute als morgen mit den Impfungen beginnen“, betont Prof. Dr. Christoph Bremer, Ärztlicher Direktor des St. Franziskus-Hospitals.


Darum machen wir mit: Drei Ehrenamtliche stellen sich vor

Prof. Dr. Volker Arolt, bis 2019 Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKM: 

„Ich war nicht nur über 20 Jahre als Klinikdirektor am UKM tätig, sondern ich habe das Klinikum auch als Patient in Anspruch genommen. Dabei ist mir eine fachlich hervorragende, menschlich zugewandte und von großem Engagement getragene Behandlung zuteilgeworden. Dass ich in einer Zeit einspringe, in der es gilt, die am UKM arbeitenden Menschen möglichst rasch vor COVID-19 zu schützen, ist für mich wie für viele meiner Kolleginnen und Kollegen eine Selbstverständlichkeit.“

Prof. Dr. Volker Arolt
Foto: UKM

Prof. Dr. Gerhard Kurlemann, Experte für Epilepsie und bis 2018 Leiter der Neuropädiatrie am UKM:

„Als Kinderarzt und Neuropädiater weiß ich, wie wichtig Impfen ist. Ich erinnere an den Schutz vor Kinderkrankheiten durch die Impfungen; und besonders an die Pockenimpfung. Nur durch konsequentes Impfen konnten die tödlichen Pocken ausgerottet werden. Als ehemaliger Mitarbeiter des UKM ist es mir ein großes Anliegen, alle, die in der ersten Reihe am UKM gegen Corona kämpfen, durch die Impfung gegen das Virus zu stärken und es letztendlich hoffentlich zu besiegen – auszurotten wie die Pocken!“

Prof. Dr. Gerhard Kurlemann

Prof. Dr. Gerhard Kurlemann Foto: UKM

 
Dr. Anna Schober, bis vor Kurzem Mitarbeiterin am Institut für Anatomie der Medizinischen Fakultät Münster und stellvertretende Vorsitzende der Schoberstiftung:

„Es gibt ein Licht am Ende des Corona-Tunnels: die Impfung. Hier wird „Geschichte“ geschrieben. Es ist mir eine Ehre, als ehrenamtlich tätige aufklärende Ärztin für das UKM tätig sein zu dürfen. Gern helfe ich bei der Mammutaufgabe mit, baldmöglichst alle Impfwilligen am UKM vor COVID-19 zu schützen.“

Dr. Anna Schober

Dr. Anna Schober Foto: UKM

 

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