Studentinnen sprechen über Naturwissenschaft
In diesem Podcast stimmt die Chemie

Münster -

Als das öffentliche Leben in Deutschland weitgehend zum erliegen kommt, starten zwei münsterische Studentinnen einen Podcast über Chemie für jedermann. Eine fixe Idee – der mittlerweile 35 Folgen entsprungen sind. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Freitag, 08.01.2021, 08:00 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 09:23 Uhr
Die beiden Studentinnen Antionia Albers (l.) und Sophia Bloch betreiben seit der Corona-Pandemie den Podcast „Stimmt die Chemie“. Daneben schmeißen sie auch noch ihr Studium von zu Hause aus gemeinsam.
Die beiden Studentinnen Antionia Albers (l.) und Sophia Bloch betreiben seit der Corona-Pandemie den Podcast „Stimmt die Chemie“. Daneben schmeißen sie auch noch ihr Studium von zu Hause aus gemeinsam. Foto: Björn Meyer

Einige haben ihren Dachboden aufgeräumt, anderen Balkon oder Garten endlich ansehnlich gestaltet. Manch einer soll sich in den ersten Monaten des Jahres 2020, als die Corona-Pandemie das Land erstmals traf, sogar auf die faule Haut gelegt haben. Nicht so die Studentinnen Antonia Albers (22) und Sophia Bloch (23).

Sie kamen an einem Märzabend bei, wie sie selbst sagen, „einem Weinchen“ auf die Idee, einen Podcast über die Chemie, ihre gemeinsame Leidenschaft, zu starten. Aus der fixen Idee sind mittlerweile 35 Folgen entstanden. Alle zwei Wochen, immer dienstags, kommt eine weitere hinzu. Am kommenden Dienstag wird sicht alles um Impfstoffe drehen.

Von Vitaminen, Tattoos und der menschlichen Haut

Obwohl Albers und Bloch vom Fach sind, richtet sich der Podcast „Stimmt die Chemie?“ in erster Linie nicht an Chemiker. „Wir widmen uns all denen, die Interesse haben. Auch jeder Nicht-Chemiker soll das verstehen“, sagt Sophia Bloch, zumal mittlerweile nicht mehr nur die Chemie im Mittelpunkt steht.

Hier gibt es den Podcast

Der Podcast „Stimmt die Chemie?“ ist unter anderem bei Spotify, Deezer, Apple-Podcast und Google-Podcast zu hören. Auf Facebook und Instagram gibt es unter dem Titel des Podcasts zusätzliche Informationen. Eine Folge von „Stimmt die Chemie?“ dauert zwischen zehn und 30 Minuten.

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„Es ist längst mehr ein naturwissenschaftlicher Podcast, bei dem auch Physik und Biologie eine Rolle spielen“, erklärt Antonia Albers. Die Themen sind breitgefächert: Kunststoffe, Vitamine, Tattoos, Drogen oder die menschliche Haut, dazu Specials mit Gästen aus der Chemie – irgendwie ist alles dabei – und das ist kein Zufall. „Chemie ist alles“, sagt Albers, deren Vater ebenso wie der von Sophia Bloch auch Chemiker ist.

Für die beiden Studentinnen ist die ganze Sache ein Hobby – eines, in das sie viel Zeit investieren. Acht bis zehn Stunden pro Podcastfolge sind die Regel. Immerhin gilt es die Themen gut vorzubereiten.

Die Quellenwahl ist den beiden wichtig. Bekannte Institute, seriöse Internetseiten, dazu Quellen der Westfälischen Wilhelms-Universität – und bloß kein Wikipedia. Unabhängig voneinander bereiten sich beide in zuvor aufgeteilten Bereichen vor. Wichtigen Fakten, aber auch Mythen wird nachgegangen.

Mehr als 2000 Abonnenten hören zu

Ob etwa Menschen mit blauen Augen mehr Alkohol vertragen. Und obwohl die ganze Angelegenheit eine Menge – unentgeltlicher – Arbeit bedeutet, ans Aufhören denken die beiden nicht. „Wir sind beste Freundinnen, verbringen sowieso unsere Zeit zusammen“, erzählt die 23-jährige Bloch.

Häufig sitzen sie abends vor ihren Rechnern und lesen sich Wissen an. Schließlich starten sie mit den recherchierten Fakten im Rücken ein Gespräch. Geschnitten werden muss nicht viel – höchstens drei oder vier Mal pro Folge, sagt Bloch, die diesen Part der Nachbereitung meist übernimmt.

Nur einmal habe man eine Folge komplett neu aufnehmen müssen. „Wir waren müde und hörten uns auch so an“, gesteht Bloch. Der geneigte Hörer – über 2000 Abonnenten sind es bislang – erfuhr davon freilich nichts.

Das Schlafzimmer als Tonstudio

Ein kleines Tonstudio ist für den Podcast übrigens nicht nötig. Man nehme alles mit dem Handy auf, erzählen die beiden, während sie im Wohnzimmer einer WG am Cheruskerring sitzen. Doch aufgenommen wird in Sophia Blochs Schlafzimmer. „Da ist die Akustik besser“, sagt Bloch, die auch als studentische Hilfskraft und Fitnesstrainerin arbeitet.

Die meisten Hörer übrigens erhielt, wen wundert es, die Folge über Alkohol. Auch ein Special über das Chemie-Studium lief – bei allem Respekt – überraschend gut. Dabei erscheinen die Folgen verlässlich. Spätestens montags wird aufgenommen, jeden zweiten Dienstag um 0 Uhr ist die neue Folge dann online.

Dass der Podcast bald endet, ist übrigens unwahrscheinlich. Zwar wollen Antonia Albers und Sophia Bloch in diesem Jahr ihre Masterarbeit schreiben, doch in den kommenden Jahren möchten beide hier in Münster noch ihren Doktor machen. Bei den beiden Studentinnen und ihrem Fach ist eines nämlich sicher: Die Chemie stimmt einfach.

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