105-Jährige gestorben
Trauer um Helge Loewenberg-Domp

Münster -

Traurige Nachricht: Die Münsteranerin Helge Loewenberg-Domp ist im Alter von 105 Jahren in Amsterdam gestorben. Ihre Geburtsstadt Münster verließ die Jüdin 1933, weil ihre Zukunftsträume mit der Wahl Hitlers zum Reichskanzler zu zerbrechen drohten. Ein Blick zurück auf ein ereignisreiches Leben.

Samstag, 09.01.2021, 09:30 Uhr aktualisiert: 09.01.2021, 13:47 Uhr
Helge Loewenberg-Domp
Helge Loewenberg-Domp Foto: privat

Am 2. Januar ist Helge Loewenberg-Domp im Alter von 105 Jahren in Amsterdam gestorben. Als jüngstes von drei Kindern in Münster in eine musikalische jüdische Familie hineingeboren, stand ihr Berufsziel, Sängerin zu werden, früh fest. Dieses verfolgte sie als Studentin der Westfälischen Schule für Musik mit Eifer. Daneben absolvierte sie auf Wunsch des Vaters eine kaufmännische Lehre im elterlichen Geschäft „Domp’s Pianohaus“, heißt es im Nachruf der Villa ten Hompel.

Das Jahr 1933 wurde zum Wendepunkt ihres Lebens, das alle Zukunftsträume zunichtemachte. Nach der Wahl Hitlers zum Reichskanzler durfte sie ihr Musikstudium nicht fortsetzen. Wegen weiterer NS-Repressalien floh die 17-Jährige im Mai 1933 in die Niederlande.

1942 bis 1945 in Verstecken überlebt

Den mit ihrem Bruder in Enschede aufgebauten Musikalienhandel konfiszierte 1940 die deutsche Besatzungsmacht. Helge Domp organisierte unter Einsatz ihres Lebens einen Platz zum Untertauchen für sich, ihre Schwester und die Eltern. Zu viert überlebten sie von August 1942 bis April 1945 in Verstecken. Ihr Bruder wurde nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Nach der Befreiung nahm Helge Domp in Enschede den Klavierhandel wieder auf. 1947 heiratete sie Bruno Loewenberg aus Aachen. Sie baute in Amsterdam einen Klavierhandel mit weltweiten Beziehungen auf. Für ihr Engagement zeichnete die niederländische Königin die Unternehmerin 1985 mit dem Orden von Oranien-Nassau aus. Mit ihrer Stiftung förderte Loewenberg-Domp den musikalischen Nachwuchs.

Zurückgekehrt, um über die NS-Diktatur zu berichten

Zu Münster hatte sie zunächst ein distanziertes Verhältnis, nahm aber 1991 eine Einladung der Stadt an. In ihre Geburtsstadt kehrte sie auch zurück, um Schülern ihre Erfahrungen mit der NS-Diktatur nahezubringen. Als Zeitzeugin unterstützte sie die Recherche für die Publikation „Jüdische Familien in Münster 1918-1945“. Ihre Geschichte ist zudem sowohl in der im Aschendorff-Verlag erschienenen Publikation „Onderduiker“ nachzulesen als auch in den in der Villa ten Hompel archivierten Videoaufzeichnungen und Interviews nachzuhören.

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