Allwetterzoo Münster
Zucht seltener Affen soll starten

Münster -

Springtamarine gelten als gefährdet, die Abholzung des Regenwalds bedroht ihren Lebensraum. Im Allwetterzoo Münster gibt es mittlerweile zwei Springtamarine. In diesem Jahr soll ein Zuchtprogramm starten.

Sonntag, 10.01.2021, 20:00 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 17:00 Uhr
Springtamarine sind durch Abholzung und Goldminen bedroht. Im Allwetterzoo soll nun ein Zuchtprogramm beginnen.
Springtamarine sind durch Abholzung und Goldminen bedroht. Im Allwetterzoo soll nun ein Zuchtprogramm beginnen. Foto: Daniel Rosengren

Im Allwetterzoo Münster scheint die Welt noch in Ordnung. Denn die beiden neuen Springtamarine, eine Primatenart aus der Familie der Krallenaffen, die von der IUCN (Weltnaturschutzunion) als „gefährdet“ gelistet ist, haben sich auf Anhieb gut verstanden und geben dem Team des Zoos Hoffnung. „Wir haben eine offizielle Zuchtempfehlung für diese Tiere bekommen. Wenn alles gut läuft, können wir schon 2021 mit Nachwuchs bei dieser seltenen Affenart rechnen“, erklärt Miriam Göbel. Sie ist die neue Kuratorin im Allwetterzoo und für die Primaten zuständig. „Es hat eine Weile gedauert, bis wir ein passendes Weibchen für unseren männlichen Springtamarin gefunden haben.“ Aber das Warten habe sich gelohnt. „Unsere beiden Tiere sind schon zwei echte Goldstücke.“

Sie sind gerne da, wo Menschen nicht sind.

Springtamarine leben im westlichen Amazonasbecken in Südamerika. „Ihr Lebensraum sind Wälder, wobei sie Primärwälder und Bambuswälder bevorzugen und von Menschen berührte Gebiete oft meiden“, so die Kuratorin. Die Tiere kommen nach derzeitigem Stand der Forschung nur fleckenhaft vor. Zudem ist es besonders schwer, die flinken Tiere im dichten Grün ihres Lebensraumes zu finden und zu zählen. So sei es selbst in dem vergleichsweise gut zu überschauenden Gehege im Allwetterzoo Münster gar nicht so einfach, die Tiere zu beobachten.

Mit ihrem glänzenden Fell und ihren Knopfaugen sind sie sympathische Botschafter für ihren natürlichen Lebensraum. Doch das alleine reiche nicht aus. Sowohl die Abholzung des Regenwalds als auch das sogenannte „Goldmining“ bedrohen den Lebensraum der Springtamarine, weil dadurch die Natur in den entsprechenden Regionen stark zerstört und belastet wird.

Illegale Goldwäscher

„Der konstant hohe Goldpreis lockt immer mehr illegale Goldwäscher. Sie zerstören den Regenwald und gefährden ihr eigenes Leben sowie die Leben Dritter“, sagt Astrid Aguilar. Sie ist studierte Ökologin und bei der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt die Gold-Koordinatorin. In Ländern wie Peru, in denen Aguilar vor Ort tätig ist, können Goldwäscher oft nur schwer kon­trolliert werden. Dabei ist der wirtschaftspolitische Schaden enorm. „Die illegalen Goldwäscher verkaufen ihr Gold an Zwischenhändler, diese an den nächsten Zwischenhändler und so weiter. Irgendwo in diesem Geldwäsche-Prozess werde es ,legal‘“, beschreibt sie den Weg vorbei an den offiziellen Schürfgenehmigungen. Daher sei es auch in Deutschland wichtig, dass vermehrt fair gehandeltes Gold auf den Markt kommt.

„Natürlich freuen wir uns, wenn wir unseren Beitrag zur Arterhaltung leisten können“, sagt die Kuratorin Miriam Göbel über die Springtamarine. „Aber noch mehr würde es uns freuen, wenn Arten in ihrem natürlichen Lebensraum unsere Unterstützung gar nicht benötigen würden.“

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