Facebook-Post löst Empörung aus
Kindersarg per Kleinanzeige angeboten

Münster -

Eine Münsteranerin hat einen Kindersarg in einer Facebook-Gruppe angeboten. Sei sei über Umwege daran gekommen und wolle ihn nun loswerden. Daraufhin wurde sie wüst beleidigt und bedroht - hat aber auch einen möglichen Abnehmer für den Sarg gefunden.

Montag, 11.01.2021, 16:15 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 17:00 Uhr
Facebook-Post löst Empörung aus: Kindersarg per Kleinanzeige angeboten
Einen Holzsarg für ein Kind hat eine Münsteranerin bei Facebook zum Kauf angeboten und damit für viel Aufregung gesorgt. Foto: Lisa Stetzkamp

Wie kommt man auf Umwegen an einen Kindersarg? Dass das Fragen aufwirft und ihre Verkaufsanzeige inklusive Fotos auf Facebook als pietätlos empfunden wurde, kann Gina F. aus Münster schon „ein Stück weit verstehen“, wie sie sagt. Einige Nutzer hätten ihr Fragen auch als Privatnachricht geschickt und Verständnis gezeigt, als sie die Geschichte hinter der kuriosen Kleinanzeige erzählt habe.

„Ich bin zufällig über eine ehemalige Mitarbeiterin daran gekommen, deren Mann ein Bestattungsunternehmen belieferte“, berichtet die 44-Jährige. Die Nageldesignerin hatte dann kurz überlegt, den Sarg als Teil der traditionellen Halloween-Deko in ihrem Geschäft einzusetzen. „Ich habe dann aber nochmal drüber nachgedacht, und mich dagegen entschieden“, sagt sie. Seitdem ist der 90 Zentimeter kleine Holzsarg in ihrem Besitz. „Ich möchte ihn einfach loswerden - wusste aber nicht wie.“

Wegwerfen oder Zerstückeln war keine Option

Bestattungsunternehmen habe sie schon kontaktiert, aber die hätten eigene Lieferanten und sicherlich auch entsprechende Vorschriften, die es unmöglich machten, den Sarg zu übernehmen, schildert die 44-Jährige. „Man kann so etwas ja auch nicht einfach zu dem  Sperrmüll stellen.“ Den Sarg zu zerkleinern sehe sie nur als allerletzten Ausweg, sagt sie, das erscheine ihr pietätloser, als ihn online zu verkaufen.

Doch der Post in einer Facebook-Gruppe sorgte für große Empörung: „Ich bin beleidigt worden und mir wurden Schläge angedroht.“ Sie könne verstehen, dass einige Leute empfindlich reagierten, aber nicht das Ausmaß der Reaktionen, sagt Gina F. – selbst Mutter von zwei Kindern. Zumal die Kommentare in vielen Fällen pietätloser gewesen seien, als ihr Angebot: „Ich wurde gefragt, ob der Sarg gebraucht ist, das fand ich wirklich krank.“ Auch wollte jemand wissen, ob man probeliegen dürfe.

Interessent will Sarg als Deko nutzen

Für 150 Euro soll der Sarg den Besitzer wechseln. Natürlich habe man ihn auch verschenken können, räumt F. ein. Aber da sie als Nageldesignerin und Fußpflegerin derzeit aufgrund des Corona-Lockdowns nicht arbeiten kann, stecke auch ein gewisses finanzielles Interesse hinter der Entscheidung, den Sarg zu verkaufen, sagt sie. Und: Neben viel Ärger hat ihr der Post tatsächlich auch scheinbar ernst gemeinte Anfragen eingebracht.

Aber, wie geht man damit weiter um? „Ich habe die Interessenten natürlich auch gefragt, was sie damit vorhaben“, sagt F. Sie habe als Hundehalterin beispielsweise schon überlegt, ob jemand seinen Hund beerdigen möchte. Tatsächlich könnte der Sarg bald als makabre Dekoration fungieren. Ein Mann habe am Montag angekündigt, den Sarg abzuholen – wohl genau zu diesem Zweck.

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