Weiterer Prozess im Missbrauchsfall Münster
27-Jähriger aus Aachen soll drei Kinder missbraucht haben

Münster -

Weiterer Prozess im Missbrauchskomplex Münster: Ein 27-Jähriger aus Aachen muss sich seit Dienstag auf der Anklagebank verantworten. Er soll drei Kinder missbraucht und vergewaltigt haben.

Dienstag, 12.01.2021, 15:30 Uhr aktualisiert: 12.01.2021, 17:12 Uhr
Auf der Anklagebank des Landgerichts muss sich seit Dienstag ein 27-jähriger Mann aus Aachen verantworten.
Auf der Anklagebank des Landgerichts muss sich seit Dienstag ein 27-jähriger Mann aus Aachen verantworten. Foto: Dirk Anger

Er trägt ein blütenweißes Hemd, die dunklen Haare sind ordentlich zurückgekämmt. Pochende Wangen und ein leicht zitternder Oberkörper verraten indes eine tiefe innere Anspannung, wie man sie von einer Prüfungssituation kennt. Drängende wie ernste Fragen muss sich auch Yunus C. an diesem Dienstag gefallen lassen.

Denn der 27-jährige aus Aachen sitzt auf der Anklagebank des Landgerichts Münster und nimmt am Vormittag abscheuliche Geschehnisse schweigend zur Kenntnis, die ihm der Staatsanwalt vorhält: Insgesamt 18 Taten von sexuellem Missbrauch, teilweise in schwerer Form, Herstellen kinderpornografischer Schriften und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz werden dem auf den ersten Blick smart wirkenden Mann zur Last gelegt.

Angeklagter war bislang nicht vorbestraft

Der bislang nicht vorbestrafte Angeklagte ist im Zuge der Ermittlungen im Missbrauchskomplex Münster um den Hauptbeschuldigten Adrian V. aus Kinderhaus in die Fänge der Ermittler geraten. Im Internet sollen sich die Männer und andere Pädophile ab 2016 über einen Messengerdienst kennengelernt haben.

Verdächtiger soll drei Kinder missbraucht haben

Insgesamt drei Kinder soll der Verdächtige aus Aachen nach den bisherigen Auswertungen sichergestellter Datenträger missbraucht und vergewaltigt haben – darunter den Ziehsohn von Adrian V., der als das Hauptopfer im gesamten Missbrauchskomplex gilt. Der heute elf Jahre alte Junge soll von dem Aachener in einer Ferienwohnung in Winterberg, in der Wohnung von Adrian V. in Münster sowie in einem Ferienhaus in Pirna schwer sexuell missbraucht worden sein. Außerdem wird dem Mann vorgeworfen sich an zwei damals acht und neun Jahre alten Jungen aus Dortmund, die aus dem verwandtschaftlichen Umfeld des 27-Jährigen stammen, vergangen zu haben. Die Taten haben sich den bisherigen Erkenntnissen zufolge zwischen April 2019 und der Festnahme des Aacheners am 30. Juni ereignet haben.

Kurs steht auf Geständnis

Ein Verteidiger des Angeklagten kündigte nach der Anklageverlesung, die wegen der schutzwürdigen Interessen der Opfer unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, an, man sei auf Geständniskurs. Man wolle den Mandanten ermuntern, dass er sich einlasse, hieß es. Allerdings erbat sich die Verteidigung noch Zeit aus, um nachgereichte Teile der rund 950 Seiten aus der Anklage nachlesen zu können.

Die Verhandlung wird am 21. Januar um 9.30 fortgesetzt.

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