Emotionaler Umgang mit Corona
Die Persönlichkeit ist entscheidend

Münster -

Die Menschen kommen unterschiedlich gut mit den Auswirkungen der Corona-Krise zurecht. Psychologen der Universität wissen nach einer Untersuchung nun auch, wer eher gefährdet ist, emotionale Probleme zu bekommen.

Montag, 18.01.2021, 10:00 Uhr
Die Studienteilnehmer konnten die Fragen mit ihrem Smartphone beantworten.
Die Studienteilnehmer konnten die Fragen mit ihrem Smartphone beantworten. Foto: WWU/Sophie Pieper

Neurotische Menschen erleben während der Coronakrise mehr negative Emotionen im Alltag, sind emotional instabiler und machen sich mehr Sorgen um ihre Gesundheit. Das ergab eine Untersuchung von Psychologinnen und Psychologen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und der Universität Bielefeld. Die Studie ist in der Fachzeitschrift „Journal of Research in Personality“ erschienen.

Der Beginn der Corona-Pandemie im März hat den Alltag vieler Menschen grundlegend verändert. Ein normaler Arbeitsalltag, ein lebendiges öffentliches Leben und unbeschwerte Sozialkontakte erscheinen wie eine Erinnerung aus einer anderen Zeit. Um zu erforschen, wie sich diese Beschränkungen auf das emotionale Wohlbefinden auswirken, haben die Wissenschaftler eine Befragung zum Umgang mit der Pandemie durchgeführt. „Unsere Analysen ergaben, dass es den meisten Menschen trotz der Beschränkungen in dieser Zeit relativ gut ging“, erklärt Doktorandin und Studienleiterin Lara Kröncke vom Institut für Psychologie der WWU. „Diese Ergebnisse passen zu anderen Untersuchungen, die zeigen, dass die meisten Menschen besser mit den Einschränkungen zurechtkommen als gedacht.“

Die Studie bestand aus zwei Teilen und begann kurz vor Beginn des ersten Lockdowns in Deutschland am 18. März, berichtet die Universität.

Diese Ergebnisse zeigen, dass unsere Persönlichkeit einen entscheidenden Einfluss darauf hat, wie wir mit der Krise umgehen.

Prof. Dr. Mitja Back

Dabei stellte sich Neuro­tizismus – die Tendenz, unsicher und nervös zu sein und eine negative Sicht auf sich, die Welt und die Zukunft zu haben – als größter Risikofaktor für emotionale Probleme heraus: Neurotische Personen berichteten über den gesamten Studienzeitraum hinweg von mehr und stärker schwankenden negativen Gefühlen. „Diese Ergebnisse zeigen, dass unsere Persönlichkeit einen entscheidenden Einfluss darauf hat, wie wir mit der Krise umgehen“, fasst Mitautor Prof. Dr. Mitja Back vom Institut für Psychologie der WWU die Ergebnisse zusammen. Die Ergebnisse können genutzt werden, um Personen zu identifizieren, die ein besonders hohes Risiko für emotionale Probleme während der Corona-Krise haben.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7771032?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker