Impfstart für Krankenhaus-Personal
80 Prozent wollen den Piks

Münster -

Nach Pflegeheimbewohnern und dem Personal der Heime werden nun die Mitarbeiter der Krankenhäuser geimpft. An allen münsterischen Krankenhäusern startete am Montag die Impfaktion für die Beschäftigten, die mit besonders gefährdeten Patienten Kontakt haben.

Montag, 18.01.2021, 18:57 Uhr aktualisiert: 19.01.2021, 10:07 Uhr
Elke Alaze (stehend) setzt einem Kollegen am Clemenshospital die Spritze mit dem Impfstoff. Im Hintergrund warten schon die nächsten Kollegen, etwa Krankenpflegeschüler Hadi Moccaled (2.v.r.).
Elke Alaze (stehend) setzt einem Kollegen am Clemenshospital die Spritze mit dem Impfstoff. Im Hintergrund warten schon die nächsten Kollegen, etwa Krankenpflegeschüler Hadi Moccaled (2.v.r.). Foto: Matthias Ahlke

Für Hadi Moccaled, Krankenpflegeschüler im Clemenshospital war es gar keine Frage: „Ich lasse mich impfen, damit ich niemanden anstecken kann.“ Deshalb ist Hadi Moccaled froh, gleich am Montag, dem ersten Tag der Impfaktion für Krankenhaus-Mitarbeiter am Clemenshospital an der Reihe zu sein. Elke Alaze vom Impfteam setzt ihm die Spritze mit der ersten Dosis, fertig.

Wie der angehende Krankenpfleger denken am Montag hier alle, die in der Mitarbeiterkantine des Krankenhauses warten. Hier gibt es pandemiebedingt kein Essen mehr – aber die Impfung, für Dr. Andreas Gröschel, der als Pneumologe am Clemenshospital seit Beginn der Pandemie viele schlaflose Nächte hatte, wie er sagt.

Wegen der schwerkranken Patienten, von denen auch im Clemenshospital einige gestorben sind, und um Studien zu lesen, mehr zu lernen über das Virus und auch die Impfung. In diesem Punkt ist Gröschel sicher: Die Impfung sei der einzige Weg aus der Pandemie und sicher. Auch er ist am Mittag froh, gerade geimpft worden zu sein.

1400 Mitarbeiter gehören zu Impfkategorien 1 und 2

Von den rund 2200 Beschäftigten der Alexianer am Clemenshospital und an der Raphalelsklinik sind 1400 Angehörige der von RKI und Bundesregierung festgelegten Impfkategorien 1 und 2 – arbeiten also mit Covid-Patienten, generell auf Intensivstationen, in Notaufnahmen oder mit vielen gefährdeten Patienten, etwa in der Onkologie.

Die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, schätzt Dr. Ulrich Elsner bei den Mitarbeitern im Clemenshospital „bei 80 bis 90 Prozent“ ein. Elsner ist Ärztlicher Leiter des internen Impfzentrums und auch zuständig für die Aufklärung der Beschäftigten. In Gruppen, auch Einzelgesprächen erklärt Elsner, wie der Impfstoff wirkt, dass Langzeitfolgen noch nicht beobachtet werden können, weil der Stoff neu ist – aber Covid 19 auch oft schwerwiegende Langzeitfolgen hat.

Bedenken wegen künftiger Schwangerschaften

Die meisten Zweifel äußerten Mitarbeiterinnen, die fürchteten, die Impfung könne künftige Schwangerschaften beeinträchtigen. „Es gibt dafür gar keine Anhaltspunkte“, betont Elsner. „Viele haben auch gesagt sie wollen nicht die ersten sein, aber das sind sie auch nicht“: Eine Million Menschen haben in Deutschland die Impfung schon erhalten, seit Montag auch die ersten 50 Beschäftigten am Clemenshospital.

Atmungstherapeut Ingo Bee­cken musste nicht überzeugt werden. Er arbeitet viel mit Covid-Patienten und versucht, auch zweifelnde Kollegen zu überzeugen. Hat er Verständnis für jene, die die Impfung am Ende ablehnen? Bee­cken zögert: „Nein, eigentlich nicht“.

Andreas Gröschel ist an diesem Montag auch froh, dass er eine 29 Jahre junge Covid-Patientin, ohne schwerwiegende Vorerkrankungen in die Reha entlassen konnte: Nach zehn Wochen Behandlung, zwei Wochen wurde sie von einer künstlichen Lunge beatmet. Auf der Intensivstation entspannt sich die Lage gerade ein wenig. Gröschel hofft, dass es so bleibt.


Impfstart am St. Franziskus-Hospital

Nach wochenlanger Vorbereitung der Impflogistik war es soweit: Am ersten Tag erhielten auch im St. Franziskus-Hospital Münster rund 100 Mitarbeitende die so wichtige Schutzimpfung, wie das Krankenhaus mitteilt. Mit Spannung hat die Klinikleitung am Montagmorgen den Impfstoff entgegengenommen: „Wir wussten bis zum Eintreffen der Lieferung nicht, wie viele Dosen wir bekommen. Wir freuen uns, dass wir die bestellte Menge erhalten haben“, berichtet Annika Wolter, Geschäftsführerin des St. Franziskus-Hospitals.

In den nächsten Tagen werden nun voraussichtlich 200 Mitarbeitende täglich geimpft. Bei der Priorisierung der Mitarbeitenden richtet sich das Münsteraner Krankenhaus nach den Vorgaben des Bundes: „Wir gehen davon aus, dass alle impfbereiten Mitarbeitenden dieser beiden Gruppen Ende der Woche die erste Impfung erhalten haben werden“, zeigt sich Professor Dr. Christoph Bremer, Ärztlicher Direktor des Hospitals, optimistisch. Insgesamt sind das rund 1200 Mitarbeitende. 

Impfen im Minutentakt

1000 Impfungen an zwei Tagen: Auch am Universitätsklinikum Münster (UKM) wird die mehrwöchige Planung für das klinikeigene Impfzentrum seit Montag in die Realität umgesetzt. Und der Andrang ist groß. „Wir haben eine Impfbereitschaft von über 80 Prozent“, freut sich Prof. Dr. Hugo Van Aken, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM. Vier Personen werden im Hörsaalgebäude gleichzeitig geimpft, bereits um kurz nach 11 Uhr war mit 250 Personen das Ziel für den Vormittag erreicht.

„Ich lasse mich impfen, weil ich finde, dass man jetzt nicht nur an sich denken muss, sondern an alle. Und wir können das nur gemeinsam schaffen!“

Vera Piochowiak, Pflegende COVID-Station am UKM

Damit die Zahl der täglich geimpften Mitarbeitenden am UKM in der jetzigen Höhe gehalten werden kann, laufen zeitgleich einige hundert Meter entfernt im PAN-Zentrum weiterhin ärztliche Aufklärungsgespräche, die für eine Impfung zwingend erforderlich sind. Angeschrieben werden dafür immer gesamte Teams und Stationen; vom medizinischen Personal über die Reinigungs- bis hin zu den Servicekräften. Rund 2700 Einladungen wurden dafür bis heute vom Geschäftsbereich Personal verschickt, täglich kommen neue hinzu.

„Nur so können wir sicherstellen, dass die Impfungen selbst so schnell erfolgen können, wie wir das hier heute sehen: Wenn wir die Aufklärung vorziehen und von der eigentlichen Impfung entkoppeln, können wir den Impfstoff direkt verimpfen, wenn die Lieferungen bei uns eintreffen“, erklärt Van Aken.

„Ich lasse mich impfen, weil wir jeden Tag am UKM sehen, dass das Corona-Virus den Menschen schädigt bis hin zum Tod und die Impfung ist der einzige Weg, diese Pandemie irgendwie zu beherrschen.“

Dr. Jan Sackarnd, Ärztlicher Leiter COVID-Intensivstation am UKM

Insgesamt 6000 der 11 700 Mitarbeitenden des UKM sollen in erster und zweiter Priorität geimpft werden, weil sie alle entweder Kontakt zu COVID-Patienten haben oder in besonders vulnerablen Bereichen wie der Onkologie oder Transplantationsmedizin arbeiten. Im Folgenden werden dann zunächst weitere Mitarbeitende mit Patientenkontakt und dann die übrigen Mitarbeitenden kontaktiert. „Der einzig limitierende Faktor ist der uns zur Verfügung stehende Impfstoff“, erklärt Czeschinski. „Unser Konzept zeigt: Wir sind in der Lage, innerhalb kürzester Zeit das Klinikpersonal zu impfen – und damit einen größtmöglichen Schutz für unsere Mitarbeitenden wie für unsere Patienten sicherzustellen.“

Schon in der nächsten Woche soll das UKM eine weitere Lieferung vom Land NRW erhalten, die genaue Menge ist noch unklar. „Wir planen derzeit wieder mit 1000 Impfdosen und hoffen, dass wir spätestens bis zum Sommer allen Mitarbeitenden unseres Klinikums ein Impfangebot machen können“, sagt Prof. Dr. Hugo Van Aken.

„Ich lasse mich impfen, weil irgendwer damit anfangen muss und ich hoffe, dass wir bald genügend Impfstoff haben, dass sich jeder impfen lassen kann, egal ob er 80 oder 18 ist.“

Carola Scholz, Mitarbeiterin der UKM Gebäudemanagement GmbH

Hohe Impfbereitschaft im Evangelischen Krankenhaus

Auf zwei Impfstraßen wird nun auch im EVK gegen das Corona-Virus geimpft. „Die Impfbereitschaft unserer Mitarbeiter liegt erfreulicherweise bei über 80 Prozent", so Dr. Peter Kavari, Ärztlicher Direktor der Klinik, „Das ist eine sehr gute Quote!" 

Mit der gelieferten Menge können die Mitarbeiter der höchsten Prioritätskategorie im Evangelischen Krankenhaus geimpft werden. „Wann uns weitere Impfdosen erreichen, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Heute freuen wir uns, dass wir die bestellte Menge bekommen haben und mit den gelieferten Dosen zunächst die wichtigste Gruppe versorgen können", erläutert Anja Ohneiser, Kaufmännische Direktorin des Krankenhauses. 

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