Mordprozess gegen 62-Jährigen
Keine Wende durch zweite Befragung

Münster -

Vernehmung, die zweite: Am Freitag stand die Lebensgefährtin des getöteten 33-jährigen Roxelers erneut als Zeugin Rede und Antwort. Dem Prozess gegen den 62-jährigen Angeklagten gab dies jedoch keine Wende.

Freitag, 22.01.2021, 18:00 Uhr aktualisiert: 22.01.2021, 21:21 Uhr
Nach einem tödlichen Messerangriff muss sich ein Mann (r.) aus Münster seit dem 30.10.2020 wegen Mordes vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am späten Abend des 9. Mai 2020 einen 33-Jährigen erstochen zu haben. Motiv laut Anklage: Der 62-jährige Roxeler soll sich darüber geärgert haben, dass das spätere Opfer direkt vor seiner Haustür laut telefoniert hat.
Nach einem tödlichen Messerangriff muss sich ein Mann (r.) aus Münster seit dem 30.10.2020 wegen Mordes vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am späten Abend des 9. Mai 2020 einen 33-Jährigen erstochen zu haben. Motiv laut Anklage: Der 62-jährige Roxeler soll sich darüber geärgert haben, dass das spätere Opfer direkt vor seiner Haustür laut telefoniert hat. Foto: Pjer Biederstädt

Zwischendrin blickt sie kurz zur Seite, pustet einmal tief durch, dann geht es weiter. Insgesamt steht die Lebensgefährtin des getöteten 33-jährigen Roxelers am Freitag über drei Stunden als Zeugin Rede und Antwort. Schon wieder.

Denn bereits im vergangenen Dezember hat die 30-Jährige als Zeugin im Prozess gegen den 62-jährigen Diplom-Physiker ausgesagt, der laut Anklage ihren Lebensgefährten wegen eines lauten Telefonats erstochen haben soll. Seine Verteidiger beantragten am vergangenen Dienstag die erneute Vernehmung, weil sie den Wahrheitsgehalt so mancher Aussage anzweifeln.

Lebensgefährtin wiederholt Aussagen

Doch die junge Frau wiederholt am Freitag weitestgehend ihre zuvor gemachten Aussagen. Obwohl durch den Tod ihres Lebensgefährten emotional schwer angeschlagen, beantwortet sie auch detaillierteste Fragen, soweit ihre Erinnerungen es zulassen, ausführlich und konzentriert. Wenngleich hier und da kleinere Ungereimt bestehen bleiben.

Die Fragen der Verteidigung zielen am Freitag darauf ab, Anhaltspunkte für aggressives Verhalten beim Getöteten zum Vorschein zu bringen oder eine mögliche, plötzliche Wesensänderung durch Drogen zu erklären. Der Hintergrund: Der Angeklagte hatte ausgesagt, der Getötete sei in der Tatnacht zuerst auf ihn losgegangen.

Zweifel offenbar nicht ausgeräumt

Die Diskrepanz zwischen den Sprachnachrichten des Getöteten mit Freunden in eher rustikalem Ton („dann gibt‘s was auf die Mütze“) und ihrer Aussage, er gehe Konflikten eher aus dem Weg, begründete sie damit, dass sie dies auf die Konflikte zwischen ihnen als Partner bezogen habe. Ansonsten habe er schon mal den „dicken Max“ gemacht. Den Worten seien ihres Wissens jedoch keine Taten gefolgt.

Im Zentrum der Befragung stand die Kladde, in der die junge Frau auf Anraten eines Polizisten ihre Erinnerungen an die Tatnacht niedergeschrieben hatte. Nur wann hat sie diese Zeilen verfasst? Kurz nach der Tat, sagt sie. Nach Einsehen ins polizeiliche Vernehmungsprotokoll zur Unterstützung ihrer Sichtweise auf den Tathergang, vermuten die Verteidiger. Ihre Zweifel sind auch nach der zweiten Befragung offenbar nicht ausgeräumt. Sie beantragen die Vereidigung der Zeugin. Doch die Kammer lehnt ab.

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