Gottesdienste in der Corona-Pandemie
Gebet mit großem Abstand

Münster -

Gottesdienste sind grundsätzlich immer noch möglich: Die Auflagen oder die Angst vor Ansteckung schrecken aber offenbar viele Menschen ab. Münsters evangelische Gemeinden feiern erst gar nicht.

Samstag, 23.01.2021, 14:00 Uhr
Gottesdienstbesucher müssen Abstand halten – und neuerdings auch am Platz eine medizinische Maske tragen.
Gottesdienstbesucher müssen Abstand halten – und neuerdings auch am Platz eine medizinische Maske tragen. Foto: imagoimages

Schulen, Theater und Geschäfte sind geschlossen. Kirchen nicht. Auch nach der jüngsten Verschärfung der Bund-Länder-Beschlüsse zur Corona-Pandemie bleiben Gottesdienste erlaubt – unter erneut strengeren Auflagen.

Gefeiert werden darf grundsätzlich nur mit Hygienekonzept und Mindestabstand. Kurz vor Weihnachten wurden die Regeln bereits verschärft: Auf Gemeindegesang muss seitdem verzichtet werden. Alle Gottesdienste müssen spätestens zwei Tage vorab dem Ordnungsamt bekanntgegeben werden; das gilt grundsätzlich für religiöse Zusammenkünfte mit mehr als zehn Teilnehmern. Neu ist auch: Einfache Mund-Nase-Bedeckungen aus Stoff reichen nicht mehr aus. In der Kirche müssen auch am Sitzplatz medizinische Masken getragen werden.

Notvorrat an Masken

Das haben vielleicht noch nicht alle Gläubigen mitbekommen. Einige Pfarreien hätten bereits einen Notvorrat dieser Masken angelegt, berichtet Stadtdechant Jörg Hagemann, „damit man niemanden zurückschicken muss“. Dass Masken bereitgestellt werden, sei aber die Ausnahme, nicht die Regel.

Kommentar: Sinnvolle Ausnahme

Dass mitten im scharfen Lockdown Gottesdienste gefeiert werden dürfen, ist keineswegs selbstverständlich. Derzeit werden andere Grundrechte stärker beschnitten als die Religionsfreiheit. Die Regelung ist aber gut und richtig: Weil Gottesdienste Trost spenden und in aufgewühlter Zeit Orientierung geben können. Und weil die Ausnahme als solche erkennbar bleibt: Der Andrang ist nicht riesengroß; ein Einkauf im Supermarkt oder eine Fahrt mit dem Zug dürften derzeit mit mehr Ansteckungsgefahr verbunden sein als ein kurzer Gottesdienst in einer geräumigen Kirche.

Dass die evangelischen Gemeinden derzeit der Empfehlung ihrer Landeskirche folgen und sich zurückhalten, ist immerhin nachvollziehbar: Die Verantwortung für die Presbyterien ist groß. Vielleicht regen die guten Erfahrungen der katholischen Nachbargemeinden zur Neubewertung an.

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Grundsätzlich sei man froh, überhaupt Gottesdienst feiern zu dürfen, betont Pfarrer Hagemann – „für viele ein wichtiger Trost“. Er erblicke öfter als sonst neue Gesichter in der Kirche. Gleichwohl: „Es ist eine große Einschränkung.“ Auch wenn noch keine belastbaren Zahlen vorliegen: Der Gottesdienstbesuch sei seit dem ersten Lockdown im Frühjahr insgesamt zurückgegangen. Für viele stelle sich nur schwer ein Gemeinschaftsgefühl ein, der gemeinsame Gesang werde besonders vermisst. Online-, Radio- oder TV-Gottesdienste hätten dafür viel Zuspruch gewonnen, auch neue Formen von Online-Andachten scheinen sich zu etablieren.

Keine evangelischen Präsenzgottesdienste

Das ist besonders für evangelische Christen wichtig – denn ihre Gemeinden feiern bereits seit Dezember gar keine Präsenzgottesdienste mehr. Die entsprechende „dringende Empfehlung“ der Landeskirche gilt bis zum 31. Januar. An einer Beratung, wie es danach weitergeht, nimmt Superintendent Holger Erdmann am Montag (25. Januar) teil.

Grundsätzlich liege die Entscheidung bei den einzelnen Gemeinden, betont Kirchenkreis-Sprecherin Kathrin Neuhaus-Dechow. Wer feiern will, müsse sich an die aktuellen Regeln halten, die Gottesdienste anmelden und ein Hygienekonzept vorlegen.

Bislang sei von dieser Möglichkeit aber nur in sehr wenigen Ausnahmefällen Gebrauch gemacht worden.

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