Stadt setzt Konzept um
Denkanstöße und Infotafeln für die Kriegerdenkmäler

Münster -

Die Stadt setzt ihr 2020 beschlossenes Konzept zum künftigen Umgang mit Kriegerdenkmälern um. Eine Publikation ist erschienen. Demnächst folgen Info-Tafeln. Dieser Ansatz scheint indes nicht jeden in Münster zufrieden zu stellen.

Montag, 25.01.2021, 08:00 Uhr
Das Kürassierdenkmal am Aegidiitor (hier eine Aufnahme aus dieser Woche),
Das Kürassierdenkmal am Aegidiitor (hier eine Aufnahme aus dieser Woche), Foto: kal

Der erste Schritt ist gemacht: Ein halbes Jahr nach der Entscheidung des Rates, die rund 40 Kriegerdenkmäler an der Promenade und in Parks weder abzureißen noch auf einen „Denkmalfriedhof“ umzusetzen, sondern zu erhalten und um Informations- und Bildungsangebote zu ergänzen, ist eine Publikation des Stadtarchivs erschienen.

Sie richtet sich an Schulen und bietet Fakten, einordnende Informationen und Projektvorschläge zu den Denkmälern, die Opfer, zum Teil aber auch Täter würdigen und heute entsprechend umstritten sind. Der Band wurde in Zusammenarbeit mit dem NRW-Landesverband des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge entwickelt.

Kritische Auseinandersetzung mit den Denkmälern

Die Publikation ist einer von mehreren Bausteinen, die künftig eine kritische Auseinandersetzung mit den münsterischen Kriegerdenkmälern ermöglichen sollen. So sollen an zunächst fünf Monumenten – Train-, Dreizehner-, Kürassier-, Stalingrad- und Mauritztor-Kriegerdenkmal – kritisch-historische Informationstafeln aufgestellt werden.

Kriegerdenkmäler in Münster

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  • Der Adler, der die Kanone verteidigt

    Ein kubischer Sockel mit einem Tier als Bekrönung: Ein Adler hockt auf dem Ehrenmal für Gefallene des Königlich Preußischen 4. Lothringer Feldartillerie-Regiments am Hörster Platz („Adler-Denkmal“) – und zwar auf einer zertrümmerten Kanone. Der Adler verteidigt das letzte Geschütz bis zum letzten Atemzug, so die Aussage des Denkmals, das 1930 eingeweiht wurde. Es soll an Mitglieder des Regiments erinnern, die während des Ersten Weltkrieges fielen. Hermann Kissenkoetter hatte es entworfen.

    Foto: Oliver Werner
  • Gegen Herero in Kolonie gekämpft

    Das „Train-Denkmal“ am Ludgerikreisel wurde 1925 eingeweiht und erinnert an 855 Soldaten der in Münster stationierten Versorgungseinheit „Trainabteilung Nr. 7“, die im Ersten Weltkrieg fielen. Platten am Denkmal erinnern zudem an ein Mitglied der Trainabteilung, das in China während der Niederschlagung des Boxeraufstandes (1901) starb, sowie an zwei Train-Soldaten, die 1905/1906 bei der Niederschlagung von Herero-Aufständen gegen die deutsche Kolonialmacht in Deutsch-Südwestafrika starben.

    Foto: Oliver Werner
  • „Heldengrab“ am Mauritztor

    Als „Heldengrab“ ist das 1909 eingeweihte Kriegerdenkmal am Mauritztor konzipiert worden. Formal ähnelt es dem Kuppelrund des Leipziger Völkerschlachtdenkmals. 23 Meter beträgt der Umfang, auf den Reliefs sind Krieger, trauernde Frauen, Löwen, Fackeln, Kranz, Schwert und Reichsadler zu sehen. Hier wird an die Gefallenen der deutschen Einigungskriege von 1864, 1866 und 1870/71 erinnert. Das Denkmal soll die Zeit der Reichseinigung mythisieren. Von der Bevölkerung wurde es nicht begeistert aufgenommen.

    Foto: Oliver Werner
  • Umstrittene „Treue um Treue“

    Das Dreizehnerdenkmal an der Promenade wurde 1925 eingeweiht. Es war dem Infanterieregiment Herwarth von Bitterfeld Nr. 13 gewidmet, das unter anderem beim Boxer-Aufstand und bei den Herero-Aufständen eingesetzt wurde. Der Spruch „Treue um Treue“ wurde später um „Ehre den Toten beider Weltkriege“ ergänzt. Seit den 1950er-Jahren fanden hier Gedenkfeiern statt. Vor allem „Treue um Treue“ ist umstritten. Kritiker meinen, dass diese Formulierung den Soldatentod als Ehre und Vorbild ansieht.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Lebensgroßer Soldat mit Lorbeer

    Im Schlossgarten befindet sich das Kriegerdenkmal „Stehender Soldat“ der Artillerie-Regimenter. 1923 wurde es nach Plänen des Bildhauers Alexander Frerichmann eingeweiht. Das Ehrenmal mahnt zu Pflichterfüllung und Opferwillen. Der lebensgroße Soldat mit Stahlhelm, Uniform, Mantel und Schwert, der stilisierte Lorbeerkranz und das Eiserne Kreuz verkörpern die Enttäuschung über den verlorenen Krieg und Heldenverehrung. Kritisch reflektiert wird es durch ein Skulptur-Projekt der Künstlerin Jenny Holzer, zwei Steinbänke.

    Foto: Stadt Münster

Die Vorbereitungen für die Tafeln seien bereits angelaufen, ein Arbeitskreis mit Mitgliedern aus verschiedenen Ämtern habe sich gebildet, berichtet Anja Gussek, stellvertretende Leiterin des Stadtarchivs. Für die Gestaltung soll ein Wettbewerb ausgelobt werden – doch der stehe angesichts der Corona-Lage aktuell unter Finanzierungsvorbehalt.

Anzeige wegen Graffiti

Zum Erinnerungspaket gehört außerdem, zur Hervorhebung des Traindenkmals, das sich unweit des Ludgerikreisels befindet und an die gefallenen Soldaten des gleichnamigen Regiments erinnert, eine Gedenktafel des Arbeitskreises Afrika (Akafrik) von 1984 zu verlegen.

Allein mit Publikationen und Informationstafeln scheint es bei manchen allerdings nicht getan zu sein. In dieser Woche ist, wieder einmal, eines der Kriegerdenkmäler mit Graffiti besprüht worden. „Mörder“ ist auf dem Monument zu lesen, außerdem ein Zitat von Rosa Luxemburg, auch Hammer und Sichel wurden angebracht. Wie bei – so die Stadt – illegalen Graffiti an städtischen Objekten üblich, werde sie Anzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung erstatten. Außerdem werde das Amt für Immobilienmanagement die Graffiti innerhalb der kommenden ein bis zwei Wochen entfernen. Handele es sich bei Graffiti um radikale oder Personen beleidigende Symbole oder Texte, so würden diese kurzfristig, meist innerhalb von 24 Stunden, beseitigt, so die Stadt weiter.

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