Kritik zur RTL-Kuppelshow „Der Bachelor“
Ringelpiez mit Anwanzen

Münster -

Elfte Staffel, dritte Folge, das Konzept bleibt gleich: Die RTL-Show „Der Bachelor“ besticht mal wieder mit durchsichtigen Plots. Küsse, Neid, Drama - und mittendrin Michèle aus Münster.

Donnerstag, 04.02.2021, 16:01 Uhr aktualisiert: 04.02.2021, 16:18 Uhr
Michèle aus Münster (2.v.l.) beim Date mit dem Bachelor.
Michèle aus Münster (2.v.l.) beim Date mit dem Bachelor. Foto: TVNOW

Endlich Drama! Weil Bussi-Bachelor Niko Griesert seine Zunge versehentlich zu früh im Mund von Denise parkt, gerät die komplexe Welt der kameraüberwachten Singles mit Niveau vollends aus den Fugen. Neid, Missgunst, Tränen – auch in Episode drei der unwürdigen Brautschau ist alles ungefähr so echt wie die Wimpern der Liebeshungrigen.

Und Münsters Michèle? Streng nach RTL-Drehbuch schlüpft sie vorerst in die Nebenrolle der Verhuschten. „Lohnt es sich noch, in dich zu investieren?“, fragt der bärtige Beau in charmantem Finanz-Sprech. Dass ihre Aktien wieder steigen werden, durchschaut natürlich jeder Blinde weit bevor Michèle ihre Rose bekommt.

Rundflug-Date und Zahn-Komplimente

Im Scheinwerferlicht stehen aber diesmal andere. Denise muss nach Rügen. Dort empfängt der Bachelor die Stewardess zum Rundflug-Date. Das ist ungefähr so, als würde man eine Wurstwarenfachverkäuferin zur Mortadella-Verköstigung nach Mettmann einladen. Denise gefällt‘s trotzdem.

Abends am Hotelbeckenrand bauchpinselt Niko die (natürlich nur zufällig) Halbnackte mit Komplimenten. Kostprobe? „Du hast so schöne Zähne.“ Von seinem befremdlichen Dental-Fetisch lenkt er erfolgreich mit einem Bernsteinkettchen ab. Bernstein, haucht Niko, sei bekannt als das Gold der Meere. Oder aber auch als im Ostseeraum weit verbreiteter Schmuckstein aus sehr altem Harz. Reicht jedenfalls für einen Kuss.

Denise will "gehatet" werden

Später fällt dem Bachelor aber ein, dass der Kuss für ihn zu früh kam. Blöd nur, dass die RTL-Strategen den Schmatzer brauchten, um den faden Firlefanz etwas aufzupeppen. Dazu lassen die Puppenspieler vom Privatsender Denise den Kuss verheimlichen und Mimi muss rasender sein, als der Rasende Roland, mit dem sie vorher über Rügen zuckeln musste. Aber hey, Denise will nicht „gehatet“ werden, gesteht den Kuss und kann auch Mimis Trauer verstehen. „Feel you!“ Ihrer Konkurrentin Mimi empfiehlt sie „sich etwas Me-Zeit“ zu nehmen. Und so kommen auch anglophone Zuschauer in den Genuss der geballten Vielschichtigkeit. Die übrigen Flirt-Maschinen beklagen beim Ringelpiez mit Anwanzen, dass sie wegen des Dramas nicht genug Zeit mit dem Subjekt der Begierde bekämen, „um Feelings aufzubauen“.

Zwischen den Fronten orakelt der Gefühlsduselige, wie er es schaffen kann, nicht mit den Gefühlen der Frauen zu spielen. Spoiler: Gar nicht, siehe Showkonzept. Er versucht dennoch den Spagat, flexibel bis zur Beliebigkeit.

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