Aktion „Licht an, bevor es ausgeht“
Uneinigkeit bei Friseuren über mögliche Öffnungen

Münster -

Am Wochenende wollen die Friseure in Münster erneut auf die desolate Lage ihrer Branche aufmerksam machen. Geschlossene Salons und ausbleibende Corona-Hilfen drängen einige schon in die Schwarzarbeit. Doch unter den Friseuren gibt es Uneinigkeit darüber, ob Öffnungen ab Mitte Februar sinnvoll sind.

Samstag, 06.02.2021, 12:00 Uhr
Friseurin Isabel Faria hat die Lockdown-Zeit genutzt, um ihren Salon zu streichen – am liebsten würde sie aber wieder öffnen.
Friseurin Isabel Faria hat die Lockdown-Zeit genutzt, um ihren Salon zu streichen – am liebsten würde sie aber wieder öffnen. Foto: Matthias Ahlke

Bereits zum zweiten Mal wollen die münsterischen Friseurinnen und Friseure an diesem Wochenende unter dem Motto „Licht an, bevor es ausgeht“ auf die Lage ihrer Branche aufmerksam machen. Von Sonntag- bis Montagmittag (7. und 8. Februar) wollen sie in ihren geschlossenen Friseursalons das Licht anlassen.

„Es ist bei uns allen fünf nach 12“, sagt Taifun Yalcin von „Kopfsalat“. Corona-Hilfen seien bei den Friseuren noch nicht angekommen. „Die Dezember-Hilfen greifen nicht, weil wir noch zu lange offen hatten“, erklärt Friseur-Innungs-Obermeisterin Rosemarie Ehrlich, und die Januar-Hilfe könne noch gar nicht beantragt werden. „Wir müssen bei allem in Vorleistung gehen“, sagt Taifun Yalcin.

Rücklagen sind aufgebraucht

Ähnlich beschreibt es Piet Jarabek von „Piet der Friseur“. „Mein Wunsch wäre, dass wir endlich schnelle finanzielle Unterstützung bekommen.“ Ab Montag werde er wegen laufender Kosten sein Bankkonto überziehen und einen Dispokredit in Anspruch nehmen müssen. Da zwar Kurzarbeitergeld fließe, aber kein Unternehmerlohn als Corona-Hilfe geplant sei, beantrage er aktuell Hartz 4, erzählt er. „Man muss ja auch von etwas leben“, seine Rücklagen seien aufgebraucht.

Nun muss Jarabek sich für die Größe seiner Wohnung rechtfertigen, die er sonst ohne Probleme finanzieren kann. Umso mehr regen ihn Friseure auf, die trotz geschlossener Salons ihren Kunden schwarz die Haare schneiden. „Ich finde das nicht korrekt.“ Auf Anfrage teilt die Stadt mit, dass es in den vergangenen Tagen Kontrollen nach „Verdachtsfällen“ in mehreren Friseursalons gegeben habe. Verstöße seien nicht festgestellt worden.

Arbeiten statt auf Hilfen warten

Trotzdem sind Jarabek und andere Friseure in Münster vorerst gegen mögliche Öffnungen, auch wenn der bis Mitte Februar laufende Lockdown nicht verlängert wird, zu riskant und gefährlich sei die aktuelle Pandemielage. Auch Ehrlich ist gegen eine schnelle Öffnung, sie befürchtet, dass es für den halben Februar, wie schon für Dezember, erneut keine Hilfen geben werde.

Doch der Meinung sind nicht alle. „Ich will ab dem 15. Februar wieder voll durchstarten“, hofft Isabel Faria vom Friseursalon Bereza auf mögliche Lockerungen des Lockdowns. Noch stehe die Bank hinter ihr, „weil sie mich kennen und wissen, dass die sich auf mich verlassen können“. Doch ihr sei es lieber, wieder arbeiten zu dürfen, statt auf ausbleibende Corona-Hilfen zu warten. „Es geht um mehr, als um Geldverdienen. Mein Beruf ist mein Hobby.“

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