Kampagne „Vormachen statt querdenken“
Pflegeträger wehren sich gegen weit verbreitetes Vorurteil

Münster -

In den Diskussionen um die Corona-Impfungen ist das Pflegepersonal teilweise nicht gut weggekommen. Zu Unrecht, finden die Träger der Einrichtungen. In Münster ist daher nun eine Kampagne gestartet worden, die Pflegende und ihre Begründungen für die Impfung vorstellt.

Mittwoch, 10.02.2021, 08:00 Uhr
Diakonie-Mitarbeiterin Susanne Scharpenberg ist ein Gesicht der Impfkampagne von „Starke Pflege Münster“
Diakonie-Mitarbeiterin Susanne Scharpenberg ist ein Gesicht der Impfkampagne von „Starke Pflege Münster“ Foto: Starke Pflege Münster

In den stationären Pflege-Einrichtungen Münsters sind die Corona-Schutzimpfungen schon abgeschlossen. Rund 70 bis 80 Prozent der Beschäftigten hätten sich impfen lassen, sagt Diakonie-Geschäftsführer Ulrich Watermeyer bezogen auf das Diakonie-Personal. Das bedeute gleichzeitig aber nicht, dass sich die übrigen Angestellten nicht impfen lassen würden. Manch einer habe einfach nur nicht den Anfang machen wollen. Watermeyer geht davon aus, dass man letztlich eine Quote von 90 Prozent unter den Beschäftigten erreichen werde.

Eine Quote die – auf das Land hochgerechnet – für die viel propagierte Herdenimmunität allemal reichen würde. Öffentlich aber wird mitunter ein anderes Bild von den Menschen in Pflegeberufen gezeichnet: „Querdenker in Weiß“ – so seien die Mitarbeiter in der Pflege mitunter in den vergangenen Wochen schon genannt worden. „Dieses Bild ist falsch“, sagt Roland Weigel, Koordinator der Initiative „Starke Pflege Münster“. Die hohe Teilnahme an den Impfungen beweise dies.

"Vormachen statt querdenken"

Um dies öffentlich zu kommunizieren, hat die vor einige Jahren gegründete Initiative nun eine Kampagne in den sozialen Medien gestartet. „Vormachen statt querdenken“, heißt sie. Zu Wort kommen dabei die Angestellten selbst. Den Anfang machte in der vergangenen Woche Susanne Scharpenberg (Diakonie). Sie habe sich impfen lassen, weil sie ihr altes Leben wieder zurück haben wollte. So wird sie auf ihrem Bild als Teil der Kampagne zitiert.

Und tatsächlich sei genau das ihr erster Satz gewesen, sagt Scharpenberg im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Treffen von Freunden und Familie, aber nicht zuletzt auch das Zusammensitzen mit den Bewohnern fehle ihr. „Ich möchte auch mal wieder jemanden ruhigen Gewissens in den Arm nehmen“, sagt Scharpenberg. Dass der Pflegeberuf im Bezug auf die Impfung zuletzt öffentlich schlecht dagestanden habe, dafür hat sie kein Verständnis. Sie habe im Kollegenkreis ganz andere Erfahrungen hinsichtlich der Impfbereitschaft gemacht und für sie persönlich gelte eh: „Ich bin lieber die Erste als die Letzte.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7810604?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker