Aufarbeitung des Missbrauchsfalls Münster
Mehr Stellen und bessere Fortbildung im Jugendamt

Münster -

Die Stadt zieht Lehren aus den Geschehnissen rund um den Missbrauchsfall Münster. Maßnahmen im Jugendamt sollen den Schutz von Kindern verbessern. Das hat zuständige Ratsausschuss einstimmig beschlossen.

Freitag, 26.02.2021, 20:00 Uhr
Zusätzliche Maßnahmen im Jugendamt und eine Personalaufstockung sollen den Schutz von Kindern verbessern.
Zusätzliche Maßnahmen im Jugendamt und eine Personalaufstockung sollen den Schutz von Kindern verbessern. Foto: Oliver Werner

Mit einem Bündel von Maßnahmen will die Stadt versuchen, Kinder, die womöglich Opfer von Missbrauch geworden sein könnten, besser zu schützen. Das am Donnerstag im Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familie verabschiedete Paket sieht dazu unter anderem eine Aufstockung des Personals um 3,5 Stellen im Jugendamt sowie umfangreiche Fortbildungsmaßnahmen und einen runden Tisch vor.

Hintergrund für diese Maßnahmen sind die von einem Experten unlängst ausgemachten Schwächen im Umgang der Behörde mit dem Ziehsohn des Münsteraners Adrian V. , der den Sohn seiner Lebensgefährtin schwer missbraucht hat. Obwohl das Jugendamt um die einschlägigen Vorstrafen von Adrian V. und die familiäre Situation des Kindes wusste, konnte es den Jungen nicht vor dem Missbrauch schützen.

„Wir brauchen erfahrene Fachkräfte“

Der Kommunale Sozialdienst soll 2,5 neue Stellen bekommen. Damit werde die Einarbeitung neuer Mitarbeiter verbessert, heißt es. Zwar gab es in der Vergangenheit ein Einarbeitungskonzept, das aber habe wegen der Fülle von Aufgaben zunehmend nicht mehr umgesetzt werden können. „Die Fluktuationszahlen sind erschreckend hoch“, erklärte Jugenddezernent Thomas Paal. Aufgrund der Belastung hätten viele Mitarbeiter schnell wieder die Stelle gewechselt.

Jetzt soll verbesserte Einarbeitung dem Personalwechsel entgegenwirken und damit dauerhaft die Qualität der Arbeit verbessern. „Wir brauchen erfahrene Fachkräfte“, so Paal. Auch die Fachstelle Kinderschutz, die bei möglichen Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung berät, wird um eine Stelle aufgestockt.

Mehr Fortbildungen und ein runder Tisch

Zugleich setzt der Jugenddezernent auf umfangreiche Fortbildungsmaßnahmen zum Themenkomplex sexueller Missbrauch. In den Teams soll mehr reflektiert und hinterfragt werden, so der Plan. Ein zeitnah geplanter runder Tisch gegen sexuelle Gewalt wird die Zusammenarbeit aller Beteiligten in Münster, die sich um den Schutz von Kindern kümmern, verstärken.

In familiengerichtlichen Verfahren plant man künftig eine anwaltliche Begleitung der städtischen Mitarbeiter, um zum Schutz der Kinder das Beste herauszuholen, wenn Eltern etwa angebotene Hilfe der Stadt ablehnen.

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