Künstler schicken Haare an Politiker: #lockenfürlockerungen
Locken für die Kanzlerin

Münster -

Schon Annette von Droste-Hülshoff bejammerte, dass sich Dichter und Friseure verpassen – sie schickt Lieder, er schickt Haare. Jetzt schickten drei Münsteraner Haare statt Lieder an führende Politiker.

Freitag, 26.02.2021, 18:46 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 10:46 Uhr
Ruppe Koselleck,
Ruppe Koselleck, Foto: Koselleck/von Bülow

Schon Annette von Droste-Hülshoff bejammerte, dass sich Dichter und Friseure verpassen – sie schickt Lieder, er schickt Haare: „Meine Lieder sandte ich dir, / Meines Herzens strömende Quellen, / Deine Locke sandtest du mir, / Deines Hauptes ringelnde Wellen“. Mit ein bisschen Biegung passt das zum aktuellen Verhältnis von Friseur- und Kulturwirtschaft. Die einen dürfen ab Montag wieder schneiden, die anderen müssen noch schweigen. Drei Künstler aus Münster haben nun der Politik einen Brief mit einer Locke geschickt – keinen Liebesbrief, aber doch mit der Hoffnung, dass sich wie bei Annette Locken und Lieder begegnen können: „Und Bekanntschaft mögen dann auch / Die Lock’ und der Liederstrom machen.“

Denn bis auf Weiteres darf das frisch frisierte Publikum keine Lieder hören, keine Kunst sehen. Daher die Aktion „#lockenfürlockerungen“ – „Lock Down, Now“. Stefan Us hatte diese Woche das Grundgesetz novelliert und lakonisch den Artikel 0 GG konstatiert: „Die Frisur des Menschen ist unantastbar“. Nachdem Ruppe Koselleck als Bildhauer und Friseur seinem Künstlerkollegen Us am Kultur-Kastanienstumpf (gegenüber dem Cinema) die Haare vom Kopf geschnitten hatte, fielen so viele Locken ab, dass Künstlerin Susanne von Bülow eine Post-Aktion anschloss. Wenn also Galerien und Museen und Theater geschlossen bleiben, dann sollten noch viele Locken auf den Weg nach Berlin, Düsseldorf und München gehen. Mit der „Locke für die Lockerung“ werden Ateliers zu Salons, Galerien zu Haarschneidereien und die Theater auf einer ungeahnten Dauerwelle surfen dürfen, heißt es in einer Pressemitteilung. Devise: „Lock Down, Now! Denn mit jeder Locke wird die Kultur wachsen.“

Us, von Bülow und Koselleck haben Briefe mit Haarstrang an die Ministerpräsidenten Markus Söder und Armin Laschet sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel geschickt, „um das grundgesetzliche Recht auf eine anständige Frisur zu verbriefen und den Kunstbegriff um ein Friseurpatent zu erweitern“. Post ging auch an Jens Spahn und Markus Lewe.

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