Urteil im Prozess um zu lautes Telefonat
Lebenslange Haft für 62-Jährigen wegen Mordes

Münster -

Höchststrafe: Das Schwurgericht hat einen 62-jährigen Roxeler wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Verteidigung hatte zuvor auf Freispruch wegen Notwehr plädiert und kündigte Revision an. 

Montag, 01.03.2021, 18:45 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 20:07 Uhr
Urteil im Prozess um zu lautes Telefonat: Lebenslange Haft für 62-Jährigen wegen Mordes
Der Prozess vor dem Schwurgericht begann im Oktober 2020. Nach 13 Verhandlungstagen wurde jetzt das Urteil gesprochen. Foto: Pjer Biederstädt

Nach der Urteilsverkündung lagen sich die Mutter und die Lebensgefährtin des getöteten Familienvaters aus Roxel vor Erleichterung weinend in den Armen. Denn der 62-Jährige, der ihn ums Leben gebracht hat, wurde am Montag vor dem Landgericht wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Das Schwurgericht sah es als erwiesen an, dass der Diplomphysiker und Geschäftsführer eines Softwareunternehmens am 9. Mai 2020 den 33-jährigen Dachdecker – ebenfalls aus Roxel – heimtückisch und aus niederen Beweggründen, nämlich wegen eines lauten Telefonats vor seiner Haustür, mit drei Messerstichen ermordet hat.

Die Kammer folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verurteilte habe aus Wut und hochgradig verärgert gehandelt, die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers erkannt und ausgenutzt. Er habe dessen Tod in Kauf genommen, sagte die Vorsitzende Richterin Elisabeth Hülsmann. Dass er sich des Messers in seiner Hand, das er aus der Küche mitgenommen hatte, nicht bewusst gewesen sein will, sei abwegig.

Dass das Opfer zuerst angegriffen und der 62-Jährige in Notwehr gehandelt haben könnte, wie von seinen Verteidigern vorgebracht, schloss das Gericht aus. 

"Aber ich bin kein Mörder"

Und auch sonst seien seine Aussagen und die seiner Frau teils nicht glaubhaft. Der 62-Jährige nahm das Urteil stoisch mit gesenktem Blick zur Kenntnis. Seine Frau reagierte sichtlich bewegt. Kurz vor dem Urteil hatte der 62-Jährige beteuert, dass er „abgrundtief“ bedauere, was geschehen ist. Er würde alles dafür geben, die Tat ungeschehen zu machen. „Aber ich bin kein Mörder“, sagte er.

In seinem fast vierstündigen Schlussvortrag hatte Verteidiger Dr. Ingo Minoggio, einer der drei Anwälte des Angeklagten, auf Freispruch wegen Notwehr plädiert. Er kritisierte die Kammer, weil diese zuvor mehrere Beweisanträge der Verteidigung abgelehnt hatte, von denen sie sich entlastende Erkenntnisse versprochen hatte. Außerdem seien Fakten ausgeblendet und Tatsachen nicht gewürdigt worden, so Minoggio. Aus seiner Sicht sei es Fakt, dass Angehörige des Opfers sich hinsichtlich ihrer Zeugenaussagen abgesprochen hätten.

Wir halten es für ein Fehlurteil und legen Revision ein.

Verteidiger Karsten Possemeyer

„Wir halten es für ein Fehlurteil und legen Revision ein“, sagte Verteidiger Karsten Possemeyer nach dem Prozess im Gespräch mit unserer Zeitung.
Der Prozess war im Oktober vergangenen Jahres eröffnet worden, ging über 13 Verhandlungstage und sorgte stadtweit für Aufsehen. An jedem Verhandlungstag waren die (wegen Corona reduzierten) Zuschauerplätze allesamt belegt. Mehrfach mussten Besucher abgewiesen werden.

Die Schadensersatzklagen von sechs Angehörigen des Opfers (darunter die Mutter und die Lebensgefährtin) werden gesondert an einem Zivilgericht verhandelt.

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