Psychisch Kranker mit Gewaltfantasien
Bewährungsstrafe nach Angriff mit brennender Zigarette

Münster -

Mit einer Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung endete der Prozess gegen einen psychisch kranken Mann vor dem Landgericht. Trotz eines Angriffs mit einer brennenden Zigarette ist er offenbar nicht gefährlich genug, um eine dauerhafte Unterbringung in einer Klinik zu rechtfertigen.

Dienstag, 02.03.2021, 20:00 Uhr
Psychisch Kranker mit Gewaltfantasien: Bewährungsstrafe nach Angriff mit brennender Zigarette
Foto: dpa (Symbolbild)

Wie gefährlich ist ein psychisch kranker Mann, der zu sexuellen Gewaltfantasien neigt? Der in der Vergangenheit schon wegen Bedrohung, Nötigung und Körperverletzung aufgefallen ist – aber nie wirklich versucht hat, seine Fantasien umzusetzen? Der umgänglich und in Maßen einsichtsfähig ist? Der aber einen Mitbewohner nach einem Streit mit einer brennenden Zigarette verletzt hat?

Nicht gefährlich genug für die dauerhafte Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik, nicht einmal auf Bewährung, wie vom Staatsanwalt gefordert. Der Zigarettenangriff wurde vom Gericht als gefährliche Körperverletzung gewertet, der 42-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt.

Ein menschlich schwieriger Fall

Das Landgericht musste über einen menschlich schwierigen Fall befinden. Die Sachverständige hatte dem Angeklagten eine „organische Persönlichkeitsstörung“ und verminderte Steuerungsfähigkeit attestiert. Mit weiteren aggressiven Taten wie bisher sei zu rechnen – also mit umgedrehten Fingern, Rangeleien oder schlimmstenfalls einer glühenden Zigarette. Letzteres gehört zwar schon in den Bereich der gefährlichen Körperverletzung, sei im konkreten Fall aber glimpflich ausgegangen. Der Angeklagte hat sich für die Tat entschuldigt und seitdem –seit über einem Jahr – offenbar nichts Schlimmes mehr angestellt.

Die Frage ist: Könnte der Mann eines Tages seine Gewaltfantasien ausleben wollen? Nach Auffassung des Gerichts: wahrscheinlich nicht. Und das statistische Restrisiko? Reicht nicht für einen vorsorglichen dauerhaften Freiheitsentzug.

Fünf Jahre Bewährung

Der Mann muss mit einer fünfjährigen Bewährungszeit leben, darf aus seiner geschlossenen Wohngruppe in einer psychiatrischen Einrichtung nicht ausziehen und hat sich einer Sexualtherapie zu unterziehen.

Mit dem Urteil ist er offenbar zufrieden. Sein Verteidiger hatte sich vor der Urteilsverkündung geradezu erleichtert beim Staatsanwalt für dessen ausgewogenes Plädoyer bedankt.

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