Pandemie, UKM-Ausbau und Pflegenotstand
Ärztlicher Direktor wird 70 - und hat noch viel vor

Münster -

Er wurde aus dem Ruhestand geholt und wenig später in der Corona-Pandemie zu einer der entscheidenden Personen der Stadt: Prof. Dr. Hugo Van Aken, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums. Zu seinem 70. Geburtstag spricht er über die Pandemie, seine Mitarbeiter und die Zukunft.

Freitag, 05.03.2021, 08:00 Uhr aktualisiert: 05.03.2021, 11:16 Uhr
Nicht nur den, durch die Corona-Pandemie zusätzlich fordernde, Klinik-Alltag hat Prof. Dr. Hugo Van Aken im Blick. Auch die Entwicklung des Hauses ist ihm ein großes Anliegen.
Nicht nur den, durch die Corona-Pandemie zusätzlich fordernde, Klinik-Alltag hat Prof. Dr. Hugo Van Aken im Blick. Auch die Entwicklung des Hauses ist ihm ein großes Anliegen. Foto: Norbert Tiemann

Zum 70. Geburtstag in dieser Woche gönnt sich Prof. Dr. Hugo van Aken eine kurze Auszeit. „Ich bin dann nicht in Münster“, lächelt der vor eineinhalb Jahren aus dem Ruhestand reaktivierte Ärztliche Direktor am Universitätsklinikum verschmitzt. „Ein bisschen Zeit für die Familie, für die Kinder.“ Mit 70 drahtig wie eh und je, ein unruhiger Geist, Kliniker mit Haut und Haaren, als Krankenhaus-Manager in Pandemie-Zeiten gefordert rund um die Uhr.

„Es ist noch viel zu früh, Bilanz zu ziehen,“ sagt van Aken. Gleichwohl könne man schon jetzt sagen, „dass wir diese Herausforderungen der Pandemie gemeinsam hier im Team gut gemeistert haben“. Alle hätten sie an einem Strang gezogen, die Ärzte, die Pfleger, die Verwaltung - einfach alle Berufsgruppen am UKM. „Im Gespräch mit vielen Patienten habe ich sehr viel Zuspruch erfahren, sehr viel Lob gehört sowohl für die Behandlung als auch für die Betreuung und Pflege.“ Alle seien hoch motiviert bei der Sache. „Ob Sie es glauben oder nicht - beim Schneechaos haben hier über 60 Pflegekräfte im UKM provisorisch übernachtet, wollten nicht riskieren, nicht zur Arbeit kommen zu können.“ Da schwingt ein wenig Stolz mit in der Stimme, wenn der Chef über seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spricht.

Platz eins beim Pflegequotienten

Natürlich freut sich der Professor in diesen Tagen über gute Nachrichten. Das InEK, das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus, sieht das UKM in seiner Auswertung des Pflegepersonalquotienten auf einem Spitzenplatz. „Wir liegen bei den Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen auf Platz 1, vor Essen, Bonn, Düsseldorf, Aachen und Köln.“ Der Pflegequotient beschreibt das Verhältnis der Anzahl der Vollzeitkräfte des Pflegepersonals in der unmittelbaren Patientenversorgung auf bettenführenden Stationen zum Pflegeaufwand eines Krankenhauses.

Erst kürzlich hatten das Magazin „Stern“ und das Meinungsforschungsinstitut „Statista“ die besten Arbeitgeber Deutschlands ermittelt. „ Im Bereich Gesundheit und Soziales belegt das UKM Platz 1 , in der Gesamtwertung unter 650 Firmen Platz 20; da können wir ja so ganz viel nicht falsch gemacht haben“, stellt van Aken trocken fest.

Im Sommer werden wir hier voraussichtlich das Panorama-Café eröffnen können.

Prof. Dr. Hugo van Aken

Gern würde man zusätzliche Pflegekräfte einstellen - „wir bekommen aber leider keine“, schildert der Ärztliche Direktor die Situation. Der Rückgriff auf das Mittel der Arbeitnehmerüberlassung sei sehr teuer. „Da kostet eine Kraft statt 50.000 Euro 150.000 Euro im Jahr.“ Im vergangenen Jahr hatte das UKM 62 neue Kräfte über Arbeitnehmerüberlassung engagiert, diese Zahl dann aber wieder auf 15 reduziert. Inzwischen haben wir die Zahl wieder um 32 solcher Pflegekräfte aufgestockt.“ Allein für Pflege- und Funktionsdienst habe die Arbeitnehmerüberlassung in 2020 rund 11 Millionen Euro gekostet.

Apropos aufgestockt. In nur wenigen Sekunden bringt der Aufzug den Professor in 65 Meter Höhe auf die Plattform eines der beiden Bettentürme. „Im Sommer werden wir hier voraussichtlich das Panorama-Café eröffnen können. Ein traumhafter Ausblick auf die Stadt.“ Das UKM als Baustelle. Und der Chef hat noch Einiges vor mit seinen 70.

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